Badeunfälle
Rutschbahnen: Ein Restrisko bleibt

Unfälle auf Wasserrutschbahnen sind nicht komplett zu verhindern. Die Badeaufsicht trägt massgeblich zur Unfall-Prävention in den Schwimmbädern bei - und sie muss einen Spagat zwischen Spass und Sicherheit machen.

Anna Wanner
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Spasskiller: Wie gefährlich sind die Wasserrutschen in Badis? bz-Archiv

Spasskiller: Wie gefährlich sind die Wasserrutschen in Badis? bz-Archiv

Ein 14-jähriger Bub schlug mit dem Kopf auf den Boden des Schwimmbads Gitterli und stauchte sich dabei die Wirbelsäule. Der 33-jährige Philip Beyrer zertrümmerte sich im Aquabasilea die Nase an einer Eisenstange. Beide Unfälle passierten auf Wasserrutschbahnen. Beide Unfälle hätten vermieden werden können, wenn sich die Badegäste an die Vorschriften gehalten hätten: Der Junge jagte auf den Knien die Rutsche runter, der Ex-Autorennfahrer Beyrer hechtete Kopf voran ins knöcheltiefe Wasser und wollte die Abfahrt bäuchlings nehmen. Beyrer überlegt sich, rechtlich gegen den Betreiber vorzugehen. Doch inwiefern trägt er die Verantwortung?

René Mathys von der Beratungsstelle für Unfallverhütung (bfu) klärt auf: «Wenn die technischen Vorgaben des Herstellers tadellos umgesetzt sind, liegt die Verantwortung beim Betreiber der Badeanlage.» Dieser ist laut bfu verpflichtet, «alle zur Sicherheit der Besucher notwendigen, den Umständen entsprechenden, verhältnismässigen und zumutbaren Massnahmen zu treffen». Mathys übersetzt: «Für jede Rutsche gibt es klare Regeln.» Entscheidend sei, wie diese angebracht und dargestellt werden. Das sei Aufgabe der Betreiber. Und: «Auch Instruktion und Aufsicht der Anlagen gehören ins Pflichtenheft», sagt Mathys. «Denn wenn Kinder falsch runterrutschen, bringen die sicherste Rutsche und die schönsten Schilder nichts.»

Eigenverantwortung gefordert

Das Gitterli in Liestal und das Aquabasilea in Pratteln sehen die vom bfu empfohlenen Sicherheitsvorkehrungen in ihren Anlagen umgesetzt. Andreas Schauer, Geschäftsführer von Aquabasilea: «Alle unsere Wasserrutschen sind von Experten geprüft und ausreichend ausgeschildert.» Christoph Leupi, Verwaltungsrat des Gitterli, bestätigt, dass die neue Wasserrutschbahn vom bfu abgenommen wurde und ein Schild alle erlaubten Rutschpositionen aufführt. Doch er weiss auch: «Genügend gerüstet gegen Unfälle kann man sich nicht fühlen. Ein gewisses Restrisiko bleibt immer erhalten.»

Das weiss auch Mathys vom bfu: «Die Betreiber stecken in einem Dilemma. Sie müssen beurteilen, was sie den Badegästen erlauben und was sie verbieten. Sie machen den Spagat zwischen Spass und Sicherheit.» Wolle man Rutschbahn-Unfälle komplett vermeiden, dürfe man konsequenterweise keine Rutschen mehr bauen. Damit ist keinem gedient.

Deshalb appellieren Mathys, Leupi und Schauer auch an die Eigenverantwortung der Badegäste und bei Kindern an die Aufsichtspflicht der Eltern. Markus Obertüfer, Zentralsekretär der Schweizerischen Lebensrettungsgesellschaft (SLRG), stimmt zu. Doch die Verantwortung gehe weiter: «Die Badmeister stehen ganz klar in der Pflicht.» Als Aufsichtspersonen müssen sie nicht nur beobachten, sondern gegebenenfalls auch eingreifen, wie Obertüfer sagt. «Und zwar lieber einmal zu viel als einmal zu wenig.» Denn Obertüfer weiss: «Werden Jugendliche gemahnt, beruhigen sie sich und sind vorsichtiger.»

Stange kann man nicht übersehen

Nach den Unfällen war Sicherheit das Thema bei den Betreibern der Badeanstalten. Das Gitterli reagierte mit einer Tafel, die nicht nur die erlaubten Rutschpositionen abbildet, sondern auch wie man gemäss Leupi «um Himmelherrgottswillen auf keinen Fall runter» soll. Schauer, der Beyrers Unfallhergang auf Video hat, erkundigte sich bei Experten, ob eine Kennzeichnung der besagten Eisenstange nun nötig sei. «Nein» lautete die Antwort. «Denn die Stange kann man nicht übersehen», meint Schauer und nimmt das angedrohte rechtliche Verfahren gelassen: «Soll er sich doch noch weiter reinreiten. Mir ist das egal.»