Interview
Sabine Pegoraro: «Es gibt keinen Entscheid Basels zum Gundelitunnel»

Die Planung einer westlichen Ringstrasse um Basel sorgt für Streit zwischen Stadt und Land. Die Baselbieter Baudirektorin Sabine Pegoraro fordert von der Stadt endlich ein klares Bekenntnis zum Gundelitunnel - einem von vier Abschnitten der Tangente.

Hans-Martin Jermann
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Sabine Pegoraro macht Druck: «Baselland muss von Basel-Stadt möglichst bald wissen, ob der Gundelitunnel realisiert werden soll.»

Sabine Pegoraro macht Druck: «Baselland muss von Basel-Stadt möglichst bald wissen, ob der Gundelitunnel realisiert werden soll.»

Kenneth Nars

Frau Pegoraro, Ihr Basler Amtskollege Hans-Peter Wessels hat sich letzte Woche zur Priorisierung der Strassenprojekte in und um Basel geäussert. Den Zubringer Allschwil hält er für eine gute Sache, Wessels stellte aber klar, dass Basel nichts daran bezahlen werde.

Sabine Pegoraro: Das habe ich zur Kenntnis genommen. Hans-Peter Wessels hat dies bereits an einer der letzten gemeinsamen Regierungssitzungen zur Partnerschaft gesagt. Überrascht war ich also nicht. Ich interpretiere diese im Voraus ausgesprochene Weigerung als Reaktion für die Ankündigung des Kantons Baselland, nichts an den neuen Rheintunnel bezahlen zu wollen. Sollte es so sein, wäre die Reaktion fehl am Platz: Für mich sind die beiden Projekte nicht vergleichbar.

Weshalb nicht?

Der Rheintunnel ist auf ausschliesslichen Wunsch von Basel-Stadt aufgegleist worden. Baselland war in diesen Prozess in keiner Weise involviert, wir wurden auch nicht um unsere Meinung dazu gefragt. Die Spielregeln sind klar: Der Bund ist Eigentümer und Bauherr der Nationalstrassen; kommen die Kantone aber mit Sonderwünschen, dann müssen sie – in diesem Fall Basel-Stadt – dafür aufkommen. Der Bund hat denn auch bestätigt, dass Baselland nichts an den Rheintunnel berappen muss. So gesehen besteht kein Grund, beim Zubringer Allschwil die Finanzierung des Rheintunnels in die Waagschale zu werfen. Ich möchte zudem klarstellen, dass Baselland bis jetzt noch niemanden zu einer finanziellen Beteiligung am Zubringer Allschwil aufgefordert hat.

Dies könnte noch kommen: Zumindest der Anschluss an den Zubringer Allschwil wird im Gebiet Grand Casino Basel – also auf Stadtboden – liegen.

Stimmt. Aber solange die Linienführung des Zubringers Allschwil nicht geklärt ist, ist es sinnlos, eine Kosten-Debatte zu führen.

Was sind die nächsten Planungsschritte beim Zubringer Allschwil?

Bei diesem Projekt, das vom Baselbieter Volk am 8. März im Grundsatz gutgeheissen wurde, liegt der Lead klar beim Kanton Baselland. Die Elsässer Behörden haben signalisiert, dass wir einen Vorschlag für einen möglichen Routenverlauf vorlegen sollen. Entschieden ist noch gar nichts, aber schneller und kostengünstiger realisierbar wäre eine oberirdische Linienführung: Der Zubringer könnte beim Grand Casino Basel an die Nordtangente andocken und entlang der Landesgrenze mehrheitlich auf französischem Boden an die Rue de Bâle und weiter zum Hegenheimermattweg führen. Im Baselbieter Tiefbauamt sind bereits einige Pläne und Ideen entwickelt worden, allerdings müssen wir mit einer Fixierung dieser Ideen zuwarten, bis der Landrat zu Elba (siehe oben, d. Red.) einen Entscheid gefällt hat.

Für wen baut Baselland die Umfahrung Allschwil? Unser Eindruck ist, dass zumindest der Zubringer Allschwil ein Projekt für die Wirtschaft ist.

Mit dem Zubringer Allschwil wollen wir das Bachgraben-Quartier, ein Arbeitsgebiet von grosser kantonaler Bedeutung, besser erschliessen. Es ist schon so: Die Richtschnur, nach welcher wir derzeit über kantonale Verkehrsprojekte befinden, ist die Erschliessung bedeutender Wirtschaftsgebiete. Allschwil steht da mit dem Bachgraben-Quartier ganz oben. Die Umfahrung Allschwil dient dann eher der Entlastung des Dorfes und seiner Bevölkerung. Geplant ist die Umfahrung Allschwil aber als kantonale Entlastungsstrasse analog zur A 22 (zwischen Pratteln und Liestal, d. Red.), nicht als Nationalstrasse. Ihre Kompatibilität mit einer neuen Ring-Autobahn, wie sie in Basel derzeit diskutiert wird, muss daher genau geprüft werden. Deshalb ist für mich zentral, dass die Verkehrsplanung der beiden Basel eng aufeinander abgestimmt wird. Sobald wir in Baselland den Grundsatzentscheid zur Elba-Variante Ausbau auf dem Tisch haben, können wir mit der Planung einer stadtnahen Tangente loslegen.

Zentrales Element der stadtnahen Tangente ist der Gundelitunnel auf Basler Boden. Hans-Peter Wessels hat klar gemacht, dass dieses Projekt aus Sicht der Stadt keine Priorität geniesse.

In Basel beschäftigt man sich seit 55 Jahren mehr oder weniger intensiv mit diesem Projekt. Der Gundelitunnel ist ein Überbleibsel aus dem Nationalstrassennetz aus den 1960er-Jahren. Ich kann nicht beurteilen, welche Überlegungen man in der Stadt zum Gundelitunnel anstellt. Was ich aber sagen kann: Der Kanton Baselland muss von Basel-Stadt möglichst bald wissen, ob dieses Projekt realisiert werden soll. Es gibt keinen politischen Entscheid der Stadt dazu. Die Basler Behörden sagen, Baselland solle zuerst die Elba-Planung auf die Schiene kriegen und dann würden sie mit dem Gundelitunnel an unsere Planung andocken. Ich meine, das ist nicht das richtige Vorgehen, vor allem dann nicht, wenn am Schluss im Rahmen eines politischen Entscheids klar wird, dass die Baslerinnen und Basler den Tunnel doch nicht wollen.

Was macht Baselland, wenn die Stadt Nein sagt zum Bau des Gundelitunnels?

Wir haben noch eine zweite Variante für eine Stadttangente in der Hinterhand. Aus dem Raum Margarethen könnte eine vermutlich mehrheitlich unterirdisch geführte Strasse in den Raum Münchenstein führen.

Dies würde für Baselland aber wesentlich teurer als eine Tangente mit Einbezug des Gundelitunnels. Wer soll das bezahlen – auch angesichts der schwierigen Finanzlage des Kantons?

Zu den Kosten kann ich noch nichts sagen, aber ich favorisiere die Tangenten-Lösung mit dem Gundelitunnel. Letzterer würde vom Bund und vom Kanton Basel-Stadt bezahlt. Bei der Realisierung einer Tangente auf Baselbieter Boden wäre punkto Finanzierung einige Kreativität gefragt. Für den Zubringer Allschwil habe ich ja die Idee einer Spezialfinanzierung lanciert. Grundsätzlich sollten wir in der Schweiz dahin steuern, dass der Bund solche Projekte von den Kantonen übernimmt. Erstens, weil das oft Strassen mit überregionalem, ja nationalem Charakter sind und zweitens, weil der Bund schlicht mehr Mittel hat, um solche Vorhaben zu finanzieren.

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