Eigenheim-Skandal
Sabine Pegoraro lässt Tiefbauchef Oliver Jacobi fallen

Der Baselbieter Kantonsingenieur Oliver Jacobi geht – etliche Fragen bleiben offen.

Hans-Martin Jermann und Bojan Stula
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Oliver Jacobi gibt sein Amt ab.

Oliver Jacobi gibt sein Amt ab.

Kenneth Nars

Der Baselbieter Kantonsingenieur Oliver Jacobi stolpert über Ungereimtheiten beim Bau seines Eigenheims in Seltisberg: Nach wochenlanger Kritik hat Jacobi «um die Auflösung seines Arbeitsverhältnisses ersucht», wie die Landeskanzlei gestern in einem dürren Communiqué mitteilte. Jacobi verlässt die Bau- und Umweltschutzdirektion (BUD) nach Ablauf der ordentlichen Kündigungsfrist Ende Mai. Weder Jacobi noch seine Chefin, Regierungsrätin Sabine Pegoraro, wollten sich gestern zur «einvernehmlichen» Trennung äussern.

Pegoraro hatte Jacobi bereits Anfang Februar gerügt und verlangt, dass er Massnahmen ergreife, damit der Bau den Vorgaben entspreche. Ende Januar war publik geworden, dass Jacobi die Nutzungsfläche überschritten und Grenzabstände nicht eingehalten hatte. Dagegen hatte eine Nachbarin beim Bauinspektorat Einsprache erhoben. In Seltisberg wurden Filzvorwürfe laut: Der Architekt von Jacobis Haus ist zugleich Präsident der Bau- und Planungskommission (BPK) der Gemeinde, der Jacobi ebenfalls angehörte. Im Dorf gehen die Meinungen zur Affäre auseinander: Der Gemeindepräsident ist der Ansicht, es sei alles rechtens abgelaufen, sein Vorgänger sieht Mängel und fordert personelle Wechsel in der BPK.

Das Verhältnis zwischen Jacobi und Pegoraro dürfte sich bereits zuvor abgekühlt haben. In der Debatte um die Notsanierung der Umfahrung Liestal war Jacobi mit einem Voranschlag über 10 Millionen Franken vorgeprescht, den die Regierung später auf 6,2 Millionen drückte. Einen Rückzieher machte die BUD zudem bei der Tagsanierung des Schönthaltunnels, die Jacobi aus Spargründen angeordnet hatte, die aber viele Automobilisten erzürnte.

Jacobi nicht mehr tragbar

In der Baselbieter Politik sind die Reaktionen gemischt: SVP-Landrat Hanspeter Weibel hält die einvernehmliche Trennung für nachvollziehbar. Sollten die in den Medien dargestellten Verfehlungen zutreffen, wäre Jacobi als Kantonsingenieur ohnehin nicht mehr tragbar gewesen. So wie sich die Situation präsentiere, habe Jacobi die Bauvorschriften nicht eingehalten, dies aber zunächst abgestritten, betont Weibel.

Vorsichtiger äussert sich FDP-Fraktionschef Rolf Richterich: Inwiefern sich Jacobi etwas zuschulden kommen liess, sei von aussen schwierig zu beurteilen. «Nur so viel: Als Chefbeamter befindet man sich im Schaufenster und muss extrem aufpassen, was man tut – auch privat.» Womöglich habe dies Jacobi unterschätzt. Über dessen Amtsführung könne er nichts Negatives sagen. «Er war auf der Höhe seiner Aufgabe.» Als positiv bewertet Richterich, dass die Sache geklärt sei. Grünen-Fraktionschef Klaus Kirchmayr sagt zu Jacobis Tätigkeit: «Ich halte die Leistung der gesamten Direktion in den vergangenen fünf Jahren für bescheiden. Wirklich vorwärtsgebracht wurde kaum etwas. Die Chefbeamten, so auch Jacobi, sind dafür mitverantwortlich.»