Handelskammer
Saladin: «Handelskammer im Baselbiet sichtbarer machen»

Der ehemalige Geschäftsführer von Basel-Area Franz Saladin startete heute. Seine Handelskammer beider Basel soll auf dem Land mehr Zuspruch erhalten. Wir er das bewerkstelligen will, sagt er im Interview.

Hans-Martin Jermann
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«Wir müssen mit dem starken Franken leben», sagt Franz Saladin. Mto

«Wir müssen mit dem starken Franken leben», sagt Franz Saladin. Mto

Herr Saladin, bis gestern waren Sie Geschäftsführer der Wirtschaftsförderung BaselArea und hatten bis zuletzt öffentliche Auftritte. Heute starten Sie als Direktor der Handelskammer beider Basel. Können Sie so schnell den Hut wechseln?

Franz Saladin: Kein Problem. Seit im Mai meine Wahl in die Handelskammer bekannt wurde, habe ich strategische Überlegungen angestellt und viele Gespräche geführt. Der Übergang ist fliessend. Zudem war ich vor meiner Tätigkeit bei BaselArea bereits bei der Handelskammer als Bereichsleiter tätig. Ich kenne das Metier.

Bei Bekanntgabe der Wahl äusserten Sie sich zurückhaltend zu Ihren Zielen als Handelskammer-Direktor. Können Sie jetzt mehr sagen?

Unter anderem will ich die Handelskammer sichtbarer machen im Baselbiet; die Handelskammer soll noch mehr als heute als Wirtschaftsverband auch des Baselbiets anerkannt werden. Damit verbunden ist die Hoffnung, dass wir die Mitgliederzahl auf dem Land erhöhen können.

War die Handelskammer bislang zu stark auf die Stadt fokussiert?

Nein. Wir sind seit 1997 für beide Basel zuständig. Die Handelskammer war im Baselbiet stets sehr engagiert. In ihrer Haltung zum Baselbiet ändert sich also durch die Wahl meiner Person überhaupt nichts. Vielleicht ändert sich aber etwas in der Haltung des Baselbiets zur Handelskammer.

Zur Währungskrise: Was tun gegen die aktuelle Frankenstärke?

Ich glaube, wir müssen längerfristig mit einem starken Franken leben. Es bleibt den Unternehmen nichts anderes übrig, als ihre Produktivität zu steigern. Dramatisch an der gegenwärtigen Situation ist, dass der Franken in einer Geschwindigkeit erstarkte, die der Wirtschaft kaum Zeit zum Reagieren liess. Die Politik muss sich nun überlegen, mit Sofortmassnahmen jenen exportorientierten Unternehmen unter die Arme zu greifen, die unter der Krise besonders leiden.

Wie lautet Ihr Rezept?

Wir dürfen auf keinen Fall subventionierte Strukturerhaltung betreiben. Ein gangbarer Weg wäre jedoch zum Beispiel, Sonderrückstellungen zu erlauben, um damit kurzfristig die Steuerlast zu dämpfen.

Was halten Sie von regionalen Firmen, welche die Löhne der Grenzgänger in Euro ausbezahlen?

In Notsituationen ist guter Rat teuer. Ich habe deshalb ein gewisses Verständnis für solche Massnahmen – zumal die Alternative sein könnte, Angestellte auf die Strasse zu stellen.

Die Schliessung der Swissmetal in Dornach ist ein Beispiel für den Druck, der auf dem Werkplatz Schweiz lastet. Ihre Folgerung?

So traurig die Schicksale der Mitarbeitenden sind: Strukturwandel lässt sich nicht aufhalten und hat langfristig – wie bei der Entwicklung Basels vom Chemie- zum Life-Sciences-Standort – vor allem positive Wirkungen. Es wird immer schmerzliche Prozesse geben, in denen Wirtschaftszweige wegfallen. Wichtig ist, dass sich die Region so aufstellt, dass wir immer wie wertschöpfungsintensivere Produkte herstellen können.

Weshalb müssen wir den Werkplatz stärken? Wir könnten doch auch gut von den Dienstleistungen oder der Forschung leben.

Auf keinen Fall. Fällt an einem Standort die Produktion weg, wandern mit der Zeit die Entwicklung und später auch die Forschung ab. Wo kein Werkplatz ist, ist auch kein Denkplatz.

Was wollen Sie für den Werkplatz Region Basel tun?

Nur ein aktuelles Beispiel aus dem Bereich Energie: Im Moment werden Unterschriften gesammelt für eine einseitige ökologische Steuerreform, die die Energie verteuern will. Die Initiative gefährdet den Werkplatz: Es besteht die Gefahr, dass Produktionen ausgelagert werden – wir dann aber die Produkte inklusive grauer Energie aus dem Ausland wieder zurückkaufen. Dagegen wehre ich mich: Weil die Umwelt nicht profitiert, unser Werkplatz aber trotzdem Schaden nimmt.

Eine solche Abgabe würde energieintensive Unternehmen treffen. Sind das nicht genau jene, die vom angesprochenen Strukturwandel ohnehin wegrationalisiert werden?

Nein, unter den energieintensiven Unternehmen aus den Bereichen Metall, Papier und der Chemie gibt es hoch innovative.

Die Grünen nehmen laut «Basler Zeitung» einen neuen Anlauf für eine Wiedervereinigung beider Basel. Wie stehen Sie dazu?

Politik ist die Kunst des Machbaren. Es bringt nichts, jetzt eine neue Diskussion über die Kantonsfusion vom Zaum zu reissen. Das ist ein reiner Wahl-Gag. Hochtrabend visionär eine Kantonsfusion zu fordern, regt im Baselbiet nur Widerstände und vertieft bestehende Gräben. Was wir im Moment brauchen, sind Brücken über diese Gräben. Mein Credo als Direktor der Handelskammer beider Basel: Wir müssen sinnvolle Kooperationen eingehen, von denen beide Partner profitieren. Irgendwann werden wir feststellen: Wir machen ja schon fast alles gemeinsam.