Salina Raurica
Kanton und Gemeinde Pratteln stoppen die Entwicklung von Salina Raurica Ost

Erste Konsequenz der an der Urne abgelehnten Tramverlängerung 14: Kanton und Gemeinde sortieren sich neu.

Bojan Stula
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Am Neubau der Rauricastrasse als Ersatz der alten Rheinfelderstrasse wird nicht gerüttelt.

Am Neubau der Rauricastrasse als Ersatz der alten Rheinfelderstrasse wird nicht gerüttelt.

Kenneth Nars

Der Kanton und die Gemeinde Pratteln stoppen vorerst alle weiteren Planungen in «Salina Raurica Ost». Dies als Folge der an der Urne abgelehnten Tramverlängerung 14. Betroffen vom Planungsstopp ist das Gebiet zwischen dem Prattler Längi-Quartier und dem am Rhein anliegenden Gallisacher-Quartier in Augst. Dies geht aus einer gemeinsamen Medienmitteilung der kantonalen Baudirektion sowie der Gemeinden Pratteln und Augst vom Donnerstagvormittag hervor.

Zwar seien der Kanton und die Gemeinden Pratteln und Augst nach wie vor vom Gesamtprojekt Salina Raurica überzeugt; für das eingezonte Bauland mit Quartierplanpflicht besteht ein umfassender Rahmenplan. Aufgrund des Abstimmungsergebnisses vom 13. Juni wollen Pratteln und der Kanton nun aber «die strategische Stossrichtung» der Planungen überprüfen: «Die Gemeinde Pratteln beabsichtigt ein räumliches Entwicklungskonzept für das gesamte Gemeindegebiet mit Leitlinien für die weitere Innenentwicklung sowie eine vorwärts gerichtete Planung Pratteln Mitte zu den Arealen HIAG, Bredella und Zentrale zu erarbeiten.» Der Kanton trägt laut Mitteilung diese Entscheidung mit und wird den Gemeinderat «bei der weiteren nachhaltigen und massvollen Entwicklung» von Pratteln unterstützen.

Im «Regionaljournal Basel» von SRF kommentiert Prattelns Gemeindepräsident Stephan Burgunder den Entscheid: «Wir müssen unsere Bevölkerung ernst nehmen.» Dem ablehnenden Entscheid der Prattler Stimmbevölkerung am 13. Juni seien «nicht nur Trambedenken, sondern auch Wachstumsbedenken» zugrunde gelegen. Ausdrücklich nicht betroffen vom Planungsstopp ist die Gebietsentwicklung im Augster Gallisacher-Quartier, auf welchem 200 bis 250 neue Wohneinheiten sowie Dienstleistungsnutzungen vorgesehen sind.

Provisorischer Ausbau der Buslinien könnte nun langfristig bestehen bleiben

Nicht gerüttelt wird zudem am Weiterbau der neuen Rauricastrasse, die Anfang 2023 eröffnet werden soll. Ebenso wenig am anschliessenden Rückbau der alten Rheinfelderstrasse, die zu einer Velo- und Fussgängerachse umgestaltet werden soll. Dafür soll neu der Busbetrieb ausgebaut werden und eine neue Vorlage bezüglich des vorgesehenen Augster Bushofs an den Landrat geprüft werden.

Was vorerst nur als Überbrückung gedacht war, bis die Tramverlängerung fertiggestellt ist, könnte nun zu einer permanenten Verdichtung des Busfahrplans führen. Im 9. Generellen ÖV-Leistungsauftrag 2022–2025 sind bis Ende 2022 verbesserte Anschlüsse an die Buslinien 74, 81, 83 und 84 am Knoten Rheinstrasse/Frenkendörferstrasse vorgesehen. Ob und wie auch die S-Bahn-Verbindungen nach Salina Raurica verbessert werden sollen, bleibt vorerst unerwähnt.

EBL plant Innovationszentrum in Salina Raurica West

In ihrer Medienmitteilung betont die Baselbieter Baudirektion, dass im Bereich Salina Raurica West Arbeitsplatzgebiete von kantonaler Bedeutung bestünden, «welche gemäss Zonenvorschriften entwickelt werden». Bereits heute gäbe es «verschiedene interessante Ansiedelungen und Interessenten». Zusätzlich plane der Liestaler Energieversorger EBL dort ein Innovationszentrum rund um die E-Mobilität.

Baselbieter Links-Parteien machen Vorschläge zu alternativen Massnahmen

Zur selben Zeit beschäftigt sich auch die Baselbieter Politik mit der verkehrsplanerischen Zukunft von Salina Raurica, nachdem die Tramvorlage an der Urne Schiffbruch erlitten hat. In einem gemeinsamen Vorstoss am Donnerstag im Landrat machen Grüne/EVP und die SP konkrete Vorschläge, wie sich der Wegfall der Tramlinie 14 kompensieren liesse und das drohende Verkehrschaos in diesem Gebiet verhindert werden könnte. So schlagen die beiden Linksparteien unter dem Titel «Mobilität Salina Raurica: nichts tun ist nicht die Lösung – Prüfung alternative Massnahmen» verschiedene Massnahmen in erster und zweiter Priorität vor.

Zu den Massnahmen, welche die Regierung laut Postulat-Text in erster Priorität prüfen soll, gehören:

  • Schaffung einer attraktiven und behindertengesetzkonformen Fuss- und Radwegverbindung zwischen Bahnhof Pratteln und dem Gebiet Grüssen. «Wenn möglich niveaugetrennt vom motorisierten Strassenverkehr», wie die Parteien in ihrem Vorstoss anmerken.
  • Vorgezogene Prüfung der Velovorzugsroute auf der Achse Basel – Birsfelden – Schweizerhalle – Salina Raurica – Augst – Kantonsgrenze Baselland/Aargau. Darin inbegriffen soll die Sicherstellung der Langsamverkehrsachse entlang des Rheins mit Rückbau der alten Rheinstrasse sein, welche integrierender Projektbestandteil der Verlegung der Rheinstrasse ist.
  • Basierend auf den bisherigen Projektideen soll rasch geprüft werden, wie der geplante Bushof in Augst zeitnah realisiert und das Busangebot optimiert werden kann.

Darüber hinaus fordern die beiden unterzeichnenden Landräte Peter Hartmann (Grüne/Muttenz) und Jan Kirchmayr (SP/Aesch) je ein weitere Massnahme in zweiter und dritter Priorität.

In zweiter Priorität betrifft dies die Prüfung des Fahrgastpotenzials einer möglichst exklusiven Busspur zwischen Bahnhof Pratteln und Grüssen einerseits und dem Gebiet Salina Raurica andererseits.

Und schliesslich in dritter Priorität die Prüfung einer Rheinbrücke für den Langsamverkehr im Bereich der Verzweigung Rheinstrasse/Salinenstrasse; dies mit dem Ziel, «auch grenzüberschreitend eine Langsamverbindungsachse und Anreize für den Umstieg auf Velo und E-Bike zu schaffen».

Sollte der Landrat das Postulat überweisen, muss die Regierung innert eines Jahres Stellung zu diesen Vorschlägen nehmen. Erfahrungsgemäss dürfte das Postulat in einer Sitzung nach den Sommerferien traktandiert werden.