Salzgewinnung
Salinen klopfen ein halbes Dutzend Gemeinden ab

Neben Frenkendorf fährt der Messwagen der Salinen bald auch in Arlesheim, Liestal, Münchenstein, Muttenz und Pratteln vor. Über die genauen Areale schweigt sich das Unternehmen aus. Gut, gibts die kantonale Karte mit Tiefenbohrungen.

Benjamin Wieland
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bz Salzabbau Salinen
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Die Salinen brauchen Ersatz für die Rütihard. Dort bekämpften Anwohner, Umweltschutzverbände und Landwirte das Abbauprojekt im Naherholungsgebiet.
Die Salinen haben das Rütihard-Projekt nicht aufgegeben. Die AG im Eigentum der 26 Kantone sowie des Fürstentums Liechtenstein verzichtet jedoch zwanzig Jahre lang auf den Abbau.
Im Uetental in Liestal wurden erst 2016 Probebohrungen vorgenommen. Der Bohrpunkt ist rot eingekreist.
Frenkendorf ist eine der Gemeinden, in welche die Salinen ausweichen könnten. Im Süden der Gemeinde ist bald der so genannte Vibro-Truck unterwegs.
In Arisdorf wurden auch schon Probebohrungen vorgenommen. Die Salinen bezeichneten gewisse Gebiete in der Gemeinde bereits als potenziell erfolgsversprechend.

bz Salzabbau Salinen

Daniel Haller

Die Schweizer Salinen mauern. Sie geben zwar bekannt, in welchen Baselbieter Gemeinden sie in den kommenden Monaten nach Salz suchen – aber nicht viel mehr. Es bleibt unter Verschluss, wo genau der Messwagen der Salinen vorfährt. Und so wissen bislang lediglich die Frenkendörfer, welche Areale das Interesse der Salinen geweckt haben: Sie liegen im Dreieck Rüti, Chlebimatt, Netzi. Die Bewohnerinnen und Bewohner der anderen fünf Gemeinden – Arlesheim, Liestal, Münchenstein, Muttenz und Pratteln – tappen im Dunkeln.

Auch auf Nachfrage der bz lassen die Salinen lediglich verlauten, die Grundeigentümer würden «nach dem Sommer» informiert, in einem weiteren Schritt auch die Anwohnenden und die breite Bevölkerung.

Die Verschwiegenheit könnte mit den schlechten Erfahrungen zu tun haben, welche die Salinen in Muttenz gemacht haben. Auf der Rütihard sollte ab 2025 Sole gefördert werden. Das Unternehmen zog sich jedoch Ende Juni freiwillig zurück – nach heftigen Protesten.

Anwohnerin würde gerne auf den Lärm verzichten

Die kantonale Tiefenbohrkarte könnte jetzt Hinweise liefern, wo die Salinen dringend benötigten Ersatz für die Rütihard finden könnten. In der Karte sind alle aktiven und inaktiven Bohrstellen verzeichnet. Die Punkte zeigen an: Die Salinen suchten in Liestal bereits im Uetental und im Röserental nach Salz, wohl ebenso im Talgrund bei der Industriestrasse. In Münchenstein wurde auf dem Sonnenberg gebohrt, und zwar bei den beiden Landwirtschaftsbetrieben Unteres Gruth und Ober Gruth. In Pratteln wiederum finden sich Einträge beim Tahlhof und beim Leuengrund. Alle anderen Bohrstellen in Pratteln befinden sich nördlich der Eisenbahn und dürften zum Fördergebiet Schweizerhalle gehören. Noch unberührt ist Arlesheim.

Die genannten sechs Gemeinden sind jene, in denen die Salinen vorerst nur seismische Messungen vornehmen. Dabei wird der Boden lediglich «abgetastet»: Ein Fahrzeug, der Vibro-Truck, löst Vibrationen aus. Das Echo lässt Rückschlüsse auf das Vorkommen von Salzflözen zu, deren Abbau sich lohnt.

Die seismischen Messungen seien bereits seit Längerem geplant gewesen, schreiben die Salinen. Sie stünden nicht in direktem Zusammenhang mit dem Aus des Projekts Rütihard. Verfolgt werde der Ausbau der sogenannten Salzkarte der Schweiz.

Belastung für Anwohnerinnen und Anwohner

Im Gegensatz zu den seismischen Messungen dauern die Probebohrungen länger – und sie erzeugen mehr Lärm. In Liestal erkundeten die Salinen 2016 mehrere Monate lang den Untergrund beim Chlöpfgatterweg im Uetental. Anwohnerin Susanne Kaufmann erinnert sich. Es sei Tag und Nacht gearbeitet worden, sagt sie zur bz. Erst auf Intervention hin sei der Bohrturm schallisoliert worden. Sie hoffe nicht, dass es mit der Borerei wieder losgehe.

2016 wurde auch auf der anderen Seite des Schleifenbergs probegebohrt, in Arisdorf. «Wir haben keine Kenntnis davon, ob die Salinen am Abbau unseres Salzes interessiert sind», sagt Gemeindepräsident Markus Miescher. «Grundsätzlich stünden wir einer Förderung aber offen gegenüber. Irgendwoher muss das Salz ja kommen.»