Binningen
Sandra Locher ist die erste Concierge der Region Basel

Sie braucht Abwechslung. Erst im Stress ist Sandra Locher in ihrem Element. Die 39-Jährige ist Gründerin von «Savoir Faire», dem ersten Basler Concierge-Service mit Sitz in Binningen. Sie ist eine Türöffnerin für Pharma-Manager und andere Expats.

Joël Hoffmann
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Sandra Locher ist Geschäftsführerin des ersten Basler-Concierge-Services «Savoir Faire». Juri Junkov

Sandra Locher ist Geschäftsführerin des ersten Basler-Concierge-Services «Savoir Faire». Juri Junkov

Sie ist eine Art Mädchen für alles – eine Butlerin, die ein Geburtstagsfest organisiert oder den Brief der Motorfahrzeugkontrolle übersetzt. Sie trägt kein Deuxpièces, sondern Jeans und Designer-Jacke.

Sandra Locher und ihr Team erfüllen ihrer Klientel jeden Wunsch, «solange er legal und ethisch vertretbar ist», wie sie sagt. Der grösste Teil ihrer Kunden sind hoch qualifizierte Arbeitskräfte aus aller Welt, die kaum Zeit für ihre Einkäufe und den Haushalt haben. Aber auch viel beschäftigte Schweizer nutzen Basels ersten Concierge-Service. Die Geschäftsleiterin legt selber Hand an, ist lieber unterwegs als im Büro, hütet auch mal Katzen. Nur das Putzen überlässt sie gerne anderen. «Das käme nicht gut.» Ihre Stärke sei dafür das Organisieren von Events. Kostenpunkt: 110 Franken pro Stunde.

Concierge als Notfall-Babysitter

Locher startete ihr Unternehmen in ihrem Büro zu Hause in Binningen. Sie ist in der wohlhabenden Agglo-Gemeinde geboren und aufgewachsen. Ihr Zuhause ist eine Frauenwirtschaft: drei Töchter im Alter von 15, 6 und 4 sowie ein Au-pair-Mädchen. Lochers englischer Ehemann arbeitet in Paris und Donnerstags und Freitags von Zuhause aus. Oft arbeite sie nachts, widmet sich tagsüber ihren Kindern. Manchmal braucht eine Expats-Familie notfallmässig einen Babysitter, weil der Vater abends länger arbeiten muss und die Mutter auf Geschäftsreise ist, dann springt Locher ein.

Seit Anfang November hat sie auch ein kleines Büro mit zwei Arbeitsplätzen beim Wettsteinplatz in Basel. Locher entschuldigt sich für die Unordnung. «Wir sind uns noch am einrichten», sagt sie und lässt zum ersten Mal im Büro Basel einen Kaffee raus. Auf dem Regal, zwischen Kaffeemaschine und Akten, liegt ein Diplom des Jungunternehmerpreises 2012 (siehe Box).

Verschwiegen wie ein Arzt

Locher gewinnt tiefe Einblicke ins Leben ihrer Kunden. Trotzdem lässt sie sich nicht zu Anekdoten verleiten: «Wir schweigen wie ein Arzt über seine Patienten.» In der Kundendatenbank werden Eigenheiten und Sonderwünsche festgehalten. Locher kennt die Bedürfnisse ihrer Kunden, war sie doch selbst früher ein Expat. Sie war bei Roche im Marketing tätig. Ihren Mann lernte sie ebenfalls bei Roche kennen. Die beiden wurden für ein paar Jahre nach New York versetzt. «Concierge ist dort weitverbreitet.» Jahre später entschloss sie bei einem Stadtrundgang für Expats in Paris, nach Basel zurückzukehren – einen Flyer eines Concierge-Service in der Hand. «Hier leben meine Familie und Freunde und man kann die Kinder alleine zur Schule gehen lassen», begründet sie ihre Heimkehr.

«Viele Expats-Familien schätzen diese Lebensqualität und wollen in Basel bleiben», weiss Locher. «Ich rate den Eltern, ihre Kinder in den öffentlichen Kindergarten zu schicken.» Meistens bleiben Expats aber unter sich – oft unfreiwillig. «Einige klagen, dass sie kaum mit den Einheimischen in Kontakt kommen, weil die Basler eher für sich bleiben.» Locher schafft dem Abhilfe: Sie organisiert Kochabende mit Expats-Frauen und Freundinnen. Die «Savoir Faire»-Geschäftsführerin, die mit einigen ihrer Kunden befreundet ist, amtet so auch als Integrationsberaterin.