Muttenz
Sanierung des Schänzlitunnels dauert doch nur 5 Jahre

Während der Bauzeit stehen zwei Fahrspuren pro Richtung zur Verfügung. Dennoch wird in den Morgenstunden eine Ausweitung der Staus erwartet, zumindest in Fahrtrichtung Basel.

Hans-Martin Jermann
Merken
Drucken
Teilen
Die Sanierung des Schänzli-Tunnels erfolgt in zwei Phasen: In der ersten in Fahrtrichtung Basel (links) bleibt eine Spur in Richtung Basel offen, die zweite Fahrspur wird über eine Umfahrung gewährleistet (rot). Der Gegenverkehr Richtung Delémont bleibt ohne Einschränkungen.
3 Bilder
In Phase zwei wird in Richtung Delémont saniert (rechts). Dabei wird eine Fahrspur durch den Tunnel in der Gegenrichtung geführt. Für die Autofahrer Richtung Basel bleibt das Provisorium der ersten Phase bestehen.
Schänzlitunnel

Die Sanierung des Schänzli-Tunnels erfolgt in zwei Phasen: In der ersten in Fahrtrichtung Basel (links) bleibt eine Spur in Richtung Basel offen, die zweite Fahrspur wird über eine Umfahrung gewährleistet (rot). Der Gegenverkehr Richtung Delémont bleibt ohne Einschränkungen.

Der Schänzlitunnel der A 18 ist eines der meist befahrenen Strassenstücke der Nordwestschweiz: 62 000 Fahrzeuge passieren täglich das Nadelöhr; für Autofahrer aus dem Birs-, Leimen- und Laufental ist die A 18 die wichtigste Verkehrsader. Nun sind die Details zur Sanierung des 40 Jahre alten Tunnels bekannt. Die gute Botschaft für Autofahrer und Anrainer: Die Bauzeit kann von den anfänglich befürchteten sieben auf fünf Jahre verkürzt werden.

Gestartet mit den Vorarbeiten wird in den kommenden Wochen, Ende 2021 soll alles fertig sein. Eine kleine Konzession muss die Region dafür eingehen: Die Ausfahrt Muttenz-Nord in Fahrtrichtung Delémont wird ab August 2019 für ein halbes Jahr gesperrt. Die Kosten belaufen sich auf 240 Millionen Franken. Über den Stand der Planung orientierte das federführende Bundesamt für Strassen (Astra) am Donnerstagabend in Muttenz die Bevölkerung und am Vortag die Mitglieder der Handelskammer beider Basel.

Weniger Spurwechsel nötig

Vor allem der Abschnitt in Richtung Delémont wird wichtige bauliche Veränderungen erfahren: Von Birsfelden her soll eine neue Brücke an das Tunnelportal geführt werden, mit dem Zweck, dass jene Fahrzeuge, die von Luzern/ Zürich auf der A 2 her kommen, künftig ohne Spurwechsel in den Tunnel fahren können. Zudem wird vor dem Portal linksseitig eine neue dritte Spur errichtet. Heute müssen Autofahrer, welche die Ausfahrt Muttenz-Nord nehmen, auf der Überholspur abbremsen, was oft zu gefährlichen Manövern und Auffahrunfällen geführt hat. Die separate Ausfahrt-Spur soll helfen, die Sicherheit an diesem Hotspot zu erhöhen.

Muttenz einigt sich mit Kanton

Durchbruch für Freiraumkonzept Schänzli

Der Kanton Baselland gibt das Areal Schänzli im Baurecht an die Gemeinde Muttenz ab. Mit dieser «idealen Lösung», wie Kanton und Gemeinde mitteilen, kann das von der Gemeinde vorangetriebene Freiraumkonzept auf der heutigen Pferdesportanlage vorangetrieben werden. Der Kanton hatte ursprünglich für eine Bebauung des Areals plädiert. Auf den beiden Hagnau-Arealen in der Nähe sind Hochhäuser für mehrere hundert Einwohner vorgesehen. Diese Planung könne nun aus einem Guss mit dem Schänzli-Konzept realisiert werden.

Streng genommen besteht das, was für den Autofahrer als ein einziger Tunnel erscheint, aus zwei Tunnels – dem Hagnau- und dem Schänzlitunnel. Das Astra beabsichtigt, den heutigen Hagnautunnel mit dem hohen halbkreisförmigen Portal in Fahrtrichtung Delémont komplett neu zu bauen und mit einer neuen Betriebszentrale zu versehen. Der Bau des neuen Tunnels sowie die Sanierungsarbeiten an den bestehenden Abschnitten Richtung Delémont dauern etwas mehr als drei Jahre, ein weiteres Jahr die Erneuerungsarbeiten in Fahrtrichtung Basel. Während rund dreier Jahre müssen sich die Autofahrer auf eine provisorische Verkehrsführung einstellen. Diese sieht so aus: In Fahrtrichtung Basel wird via Ausfahrt Muttenz-Nord eine einspurige Umfahrung eingerichtet, welche die Fahrzeuge via St. Jakobsstrasse und eine provisorische Rampe im Gebiet Hagnau in die Autobahn leitet (Grafiken oben). Dank dieser Umfahrung stehen dem Verkehr ständig mindestens zwei Fahrspuren pro Richtung zur Verfügung. Beim Astra ist man überzeugt, so die Anzahl Staustunden im Griff zu halten. Eine Ausweitung der Staus werden in den Morgenstunden und in Fahrtrichtung Basel erwartet; in der Gegenrichtung sollen die Arbeiten keinen nennenswerten Effekt haben.

Umsteigen auf Zug und E-Bike

Gemeinsam mit Verkehrsplanern des Kantons Baselland plant und definiert das Astra Mobilitätsmassnahmen, um Autofahrer während der Bauarbeiten zum Umsteigen auf den öV und andere Verkehrsträger zu bewegen. Dafür stehen 600 000 Franken zur Verfügung. Konkret sollen in Zwingen und Aesch zusätzliche Park-and-Ride-Parkplätze angeboten und Tickets zu vergünstigten Preisen abgegeben werden. Im unteren Birstal werden Kanton und Bund versuchen, mit einer Info-Kampagne sowie vergünstigten Mieten Autofahrer aufs E-Bike zu bewegen. Wenn mit diesen Massnahmen schon nur eine tiefe dreistellige Anzahl Autofahrer das Verkehrsmittel wechseln, so trage dies massgeblich dazu bei, die Stausituation zu entschärfen, sagt Martin Schaffer, Verkehrsplaner in der Baselbieter Bau- und Umweltschutzdirektion.

Dennoch gab es an der Info-Veranstaltung der Handelskammer Stimmen, die den Nutzen der Massnahmen infrage stellen. «Wir bringen keine zusätzlichen Züge auf die Schienen. Hier sind die Kapazitäten voll ausgelastet», gab Schaffer zu bedenken. Der stellvertretende Handelskammer-Direktor Martin Dätwyler ist zufrieden mit den überarbeiteten Plänen: «Das Astra hat unsere Forderung nach einer Reduktion der Bauzeit erfüllt.» Möglicherweise liege dank eines Bonus-Malus-Systems für Bauunternehmer eine weitere Verkürzung drin. Zudem sei die Linienführung der Ersatzspur optimiert worden, führt Dätwyler an. Damit wird der Verkehrsfluss gegenüber der ursprünglichen Variante verbessert.