Bauarbeiten
SBB schneiden das Laufental und den Jura von Basel ab

Wegen Infrastrukturarbeiten im Bahnknoten Lausanne verschlechtert sich die Anbindung des Laufentals an Basel, wo wichtige Direktverbindungen verpasst werden - ein Downgrade für den Bahnknoten Basel. Rufe nach einem zweiten Regio-Express werden laut.

Peter Schenk
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Ab Ende 2015 fällt die direkte Verbindung vom Bahnhof Basel SBB über Laufen nach Genf weg.

Ab Ende 2015 fällt die direkte Verbindung vom Bahnhof Basel SBB über Laufen nach Genf weg.

Kenneth Nars

Ab Ende 2015 sind im Bahnknoten Lausanne umfassende Infrastrukturarbeiten geplant, die Auswirkungen auf die Nordwestschweiz haben werden: Die direkte Zugverbindung, die Basel alle zwei Stunden über das Laufental und Delémont mit Genf verbindet, wird dann eingestellt. Die Reisenden werden stattdessen in Olten oder Bern umsteigen müssen. Täglich fahren derzeit in beide Fahrtrichtungen jeweils sieben ICN durch das Laufental von und nach Genf.

Die Arbeiten in Lausanne, die über eine Milliarde Franken kosten, werden zehn Jahre dauern; so lange dauern auch die daraus in der Nordwestschweiz entstehenden Folgen. Diese beschränken sich nicht nur auf den Wegfall der Direktverbindung nach Genf. Ausserdem wird der Fahrplan des ICN Basel-Biel-Lausanne um 30 Minuten verschoben, was Auswirkungen auf die Bus-Fahrpläne ab Laufen und generell auf die Attraktivität der Linie Laufen-Basel haben wird.

Laut einer Medienmitteilung der Nordwestschweizerischen Konferenz der kantonalen Direktoren des öffentlichen Verkehrs (KÖV) werden auch die zweistündlichen Direktverbindungen von Aarau und Solothurn nach Lausanne entfallen.

Entsetzen im Jura

Besonders entsetzt ist man im Jura über die Entwicklung. «Dass die Züge von Basel nach Genf in Zukunft über Bern fahren, ist ein grosses Problem und schwächt die kürzeste Strecke durch den Jura», kritisiert David Asséo, beim Kanton Jura für den öffentlichen Verkehr zuständig. Die Zeitung «Le Quotidien Jurassien» mutmasst gar, dass die SBB die Strecke durch das Umsteigen in Biel bewusst weniger attraktiv machen wollen, um so später, «die für die Entwicklung und den Erhalt der Strecke notwendigen Investitionen nicht zu tätigen».

Der Kanton Basel-Stadt wie der Jura setzen sich als Reparationsmassnahme für die Einrichtung eines zweiten Regio-Express auf der Strecke Basel-Laufen-Delémont-Biel ein. «Die vielleicht 100 Millionen Franken, die der Ausbau im Laufental kosten würde, stehen in keinem Verhältnis zu der Investition von über einer Milliarde in Lausanne. Die Region Nordwestschweiz wird benachteiligt», argumentiert Asséo.

Negativ seien auch die Auswirkungen auf den Knoten Delémont. «Die Verbindungen von Moutier oder Grenchen über Delémont nach Basel werden halbiert. Ausserdem entsteht von Porrentruy nach Basel im Bahnhof Delémont eine Wartezeit von 12 oder 13 Minuten.»

Seit einigen Jahren gibt es Bestrebungen, die Kooperation zwischen Basel und dem Jura zu intensivieren. Die Verschlechterung der Verkehrsverbindungen kommt da zu einem schlechten Zeitpunkt.

Bund und SBB sollen zahlen

In ihrer Medienmitteilung fordert die KÖV Nordwestschweiz gegenüber den SBB und dem Bundesamt für Verkehr (BAV), den Fahrplan so zu überarbeiten, dass die heutige Angebotsqualität in der Nordwestschweiz möglichst erhalten bleibe, der Bund Geld für Reparaturmassnahmen bereitstelle und Mehrkosten, die durch den Baufahrplan im Regionalverkehr entstehen, von Bund und SBB übernommen werden.

Reto Schärli, SBB-Mediensprecher, verweist darauf, dass sich die Reisedauer auf den Achsen Basel-Genf wie Delémont-Moutier-Grenchen Nord durch das Umsteigen nicht verlängert. Zur Übernahme von Kosten teilt er mit: «Die Finanzierung allfälliger Mehrkosten wird in Abstimmung mit dem Bundesamt für Verkehr parallel zu den weiteren Arbeiten an den Fahrplananpassungen abgeklärt.»

Florence Pictet, BAV-Mediensprecherin, argumentiert ähnlich. Für einen neuen Regio-Express Basel-Delémont-Biel wären Infrastrukturarbeiten nötig, ergänzt sie. Diese seien derzeit nicht geplant. Ob die Laufental-Linie ausgebaut werde, sei «letztlich ein politischer Entscheid», unabhängig vom Spezialfahrplan wegen der Bauarbeiten in Lausanne.