«Schangihuus»
Wittinsburg greift tief in die Tasche

Die 430-Seelen-Gemeinde lässt ein Mehrgenerationenhaus mit zwölf Wohnungen bauen. Voraus gingen jahrelange Planungen.

Simon Tschopp
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So wird sich das «Schangihuus» in Wittinsburg einst präsentieren.

So wird sich das «Schangihuus» in Wittinsburg einst präsentieren.

zvg

Auf dem Schangi-Areal in Wittinsburg rührt die Gemeinde mit grosser Kelle an. Sie ist Bauherrin eines Mehrgenerationenhauses mit zwölf Wohnungen samt Einstellhalle. Auf drei Geschossen entstehen zwei 4,5-Zimmer-, fünf 3,5-Zimmer-, vier 2,5-Zimmer- sowie eine 1,5-Zimmer-Wohnung. Für das «Schangihuus» bewilligte die Gemeindeversammlung vor exakt einem Jahr mit klarer Mehrheit einen Baukredit von 4,981 Millionen Franken. Bis Ende nächsten Jahres sollen die Wohnungen bezugsbereit sein.

Seit bald zwei Jahrzehnten im Besitz der Gemeinde

2002 erwarb die Gemeinde Wittinsburg das Schangi-Areal mit dem seit Mitte der Neunzigerjahre leerstehenden Gebäude für 640'000 Franken. Die Gemeindeversammlung genehmigte den Kauf allerdings nur hauchdünn mit 32 gegen 30 Stimmen. Veräusserin war Familie Möschinger, die aufgrund ihres Vorfahren Johannes den Dorfnamen «Schangi» trug. Davon leitet sich die Bezeichnung «Schangihuus» ab.

Danach wurde die Liegenschaft in mehreren Gemeindeentwicklungsplänen und Machbarkeitsstudien als mögliches Gemeindezentrum miteinbezogen.

Diese Idee wurde nach 2010 jedoch fallengelassen, weil man sich wegen klammer Finanzen für eine kleinere Verwaltung entschied. Auch für neuen Schulraum kam das Grundstück nicht mehr in Frage, weil die Schülerzahlen sanken. Es folgten weitere Jahre, in denen die Liegenschaft ungenutzt blieb.

Zentral gelegen und prägend fürs Ortsbild

Eine Arbeitsgruppe nahm sich ab 2017 erneut der Frage an, wie das Schangi-Areal entwickelt werden könnte. Als Optionen kristallisierten sich heraus, die Liegenschaft zu veräussern oder das fast 20 Aren grosse Grundstück als Renditeobjekt mit Mietwohnungen zu nutzen. Letzteres wurde bevorzugt, weil sich die bedeutende Liegenschaft an zentraler Stelle im Dorf befindet und das Ortsbild massgeblich prägt.

Damit kann Wittinsburg laut eigener Ansicht gleich mehrere Ziele erfüllen:

gesundes Wachstum im Innern der Gemeinde, verdichtetes Wohnen, Erhalt des ortsbildprägenden Charakters, Schaffen von Lebensraum und Wohnen im Grünen und ein Renditebeitrag an die Gemeindefinanzen.

Vor gut drei Jahren hatte die neunköpfige Baukommission unter dem Präsidium von Bruno Zumbrunn einen Kriterien- und Bewertungskatalog erstellt und startete danach einen Studienauftrag als Projektwettbewerb. Das Gremium arbeitete mit der Ortsbildpflege und Fachexperten zusammen. Als Siegerin des Wettbewerbs ging aus fünf teilnehmenden Architekturbüros die Peter Günthert Architektur AG aus Bennwil hervor.

Am Samstag erfolgt der Spatenstich

Das Mehrgenerationenhaus unterteilt sich optisch in drei Teile. Auch die alte Liegenschaft, von der im August 1982 nach einem Blitzeinschlag das Ökonomiegebäude vollständig niedergebrannt war, bestand aus drei Teilen. Später wurden Stall, Scheune, Remise und Heulager wieder aufgebaut.

Anfang April erhielt die Gemeinde die Baubewilligung, bei deren Erteilung das Bauinspektorat diverse Ausnahmen genehmigt hatte. Vor ein paar Tagen wurde mit dem Abriss der alten Liegenschaft begonnen. Übermorgen Samstag erfolgt der Spatenstich – ein grosser Tag für das kleine Dorf.

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