Muttenz
Schiessanlage Lachmatt hat 200000 Franken verschossen

Das Loch in der Kasse der Schiessanlagen Lachmatt ist gewaltig. Die Gemeinde Muttenz rettet mit einem Darlehen die Schiessanlagen vor dem Bankrott und übergeht dabei brisanterweise einen Beschluss der Gemeindeversammlung.

Joël Hoffmann
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Muttenz, Birsfelden und Pratteln helfen den Schiessanlagen Lachmatt aus dem Finanzloch.

Muttenz, Birsfelden und Pratteln helfen den Schiessanlagen Lachmatt aus dem Finanzloch.

Kenneth Nars

Der Grund für das Minus von 200000 Franken: falsch budgetierte Investitionen, Einsprachen und Unvermögen. Die Trägergemeinden Muttenz, Birsfelden und Pratteln retten mit Darlehen von je 75000 Franken den Schiessbetrieb.

Brisant: Der Muttenzer Gemeinderat genehmigte das Darlehen, ohne das Geschäft vorab vor die Gemeindeversammlung (GV) zu bringen – obwohl er dies eigentlich müsste. Unter Traktandum 8 der Beschlüsse der GV vom Oktober 2006 steht: «Dem (...) Antrag betreffend Offenlegung und Überweisung sämtlicher Verträge an die Gemeindeversammlung, welche die Schiessanlage Lachmatt betreffen, wird (...) zugestimmt.»

Darlehen war dringend nötig

Mangels Traktanden ist die geplante Gemeindeversammlung vom März ausgefallen. Muttenz’ Gemeindeverwalter Sebastian Helmy betont, dass Muttenz nicht bis zur nächsten GV am 19.Juni warten konnte. «Der Gemeinderat musste schnell handeln, weil die offenen Forderungen der KMU beglichen werden mussten», so Helmy weiter.

In einer Mitteilung nimmt der Gemeinderat zwar Bezug auf den Beschluss der GV vom Oktober 2006, legt diesen aber anders aus: «Der Gemeinderat ist der Ansicht, dass der Gemeindeversammlung Verträge mit einer gewissen Tragweite vorzulegen sind, etwa dann, wenn sie für die Gemeinde eine dauernde Verpflichtung beinhalten.» Das sei bei einem Darlehen nicht der Fall. Ein schriftliches Regelwerk, das solche Ausnahmen regelt, gibt es laut Helmy nicht.

Verzögerungen wegen Beschwerden

Die Finanzlücke entstand aus mehreren Gründen: Die Investitionen wurden teurer als budgetiert, und durch Beschwerden hat sich der Bau der 25-Meter-Anlage für Pistolenschützen um drei Jahre verzögert. Dadurch entstanden weitere Kosten für ein Provisorium der Pistolenanlage.

Hinzu kam, dass die Lachmatt den Beitrag des Swisslos-Sport-Fonds falsch budgetiert hat. «Wir haben angegeben, dass wir eine 50-Meter-Anlage bauen, obwohl wir nur eine 25-Meter-Anlage realisiert haben – darum gab es vom Fonds weniger Geld», gesteht Kurt Meyer, Geschäftsführer der Schiessanlagen Lachmatt, und fügt an: «Es fehlen Beiträge der Schützen.» Das sind alleine bereits 200000 Franken, die der Schiessplatz bei den Schützengesellschaften nicht eingefordert hat.

Schützen haben noch nicht bezahlt

Meyer gibt die Schuld dafür seinem Vorgänger, der zu wenig mit den Vereinen verhandelt habe. «Wir haben keine rechtliche Handhabe, das fehlende Geld bei den Gesellschaften einzufordern», klagt Meyer. Die Schützengesellschaft Muttenz, deren Präsident Meyer ist, hat freiwillig etwas bezahlt. «Die anderen
13 Vereine haben wir informiert, schicken ihnen demnächst Einzahlungsscheine und hoffen, dass etwas reinkommt», sagt er.

Mit dem Darlehen der Gemeinden sei der Betrieb für dieses und nächstes Jahr gesichert. «Ohne das Darlehen wären wir nicht mehr zahlungsfähig», betont Meyer. Die Trägergemeinden hätten ihre Verantwortung wahrgenommen. Muttenz’ Parteien zeigen derweil Verständnis für das Darlehen. Sie sind sich aber nicht sicher, ob nicht die GV hätte darüber entscheiden müssen. Der Gemeinderat müsse das Geschäft an der nächsten GV offenlegen.