Zweckverband
Schiessanlage Lachmatt: Wie geht es jetzt weiter?

Anwohner der Schiessanlage fürchten, Pratteln und Birsfelden könnten ihnen mehr Lärm einbrocken

Boris Burkhardt
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Auf der Lachmatt wird rege geschossen, hier beim letzten Feldschiessen 2013.

Auf der Lachmatt wird rege geschossen, hier beim letzten Feldschiessen 2013.

Kenneth Nars

1. Was ist das Problem mit der Schiessanlage Lachmatt?

Die Schiessanlage Lachmatt liegt gerade noch auf Muttenzer Boden an der Grenze zu Pratteln. Neben diesen beiden Gemeinden wird sie gleichberechtigt von der Einwohnergemeinde Birsfelden getragen. Seit 1954 regelt ein Gesellschaftsvertrag die gemeinsame Trägerschaft; 2006 wurde er erneuert. Seit 2013 möchten die drei Gemeinden die einfache Gesellschaft zu einem Zweckverband aufwerten, um politisch agiler handeln zu können. Die Statuten des dazu nötigen neuen Vertrags wurden Ende Oktober von der Gemeindeversammlung Muttenz abgewiesen.

2. Was stört die Muttenzer am Zweckverband?

Gegen den Zweckverband an sich gebe es nichts einzuwenden, sagt Dieter Rist von der IG Schalldämpfer. Wie der Name der Interessensgemeinschaft aber schon bedeutet, möchten die Mitglieder die Lärmemissionen begrenzen. In der Vergangenheit wurden die Schiesshalbtage zwar von 225 auf 80 reduziert; und diese Zahl soll auch in den neuen Statuten nicht angetastet werden. Dennoch gab es dieses Jahr wegen des Kantonalen Schützenfestes laut Rist 98 statt der erlaubten 80 Schiesshalbtage. Das macht die IG Schalldämpfer misstrauisch; denn die Ausnahmegenehmigung wurde von den drei Gemeinden erteilt. Und deren Vertretung würde im Zweckverband anders geregelt als bisher – zuungunsten von Muttenz, befürchtet die IG Schalldämpfer.

3. Was ändert sich an der Vertretung der Gemeinden im Zweckverband?

Die bisherige einfache Gesellschaft hat drei Mitglieder, jeweils den zuständigen Gemeinderat. Im neuen Zweckverband soll es insgesamt neun Mitglieder, je drei pro Gemeinde geben, die jeweils der Gemeinderat bestimmt. Hier fürchtet die IG, dass die übrigen Delegierten von den Schützenvereinen rekrutiert würden – eine Furcht, die Birsfeldens Gemeinderätin Regula Meschberger (SP) unberechtigt findet: «Wir wollten die Entscheidungen im Verband breiter abstimmen und dachten deshalb an Leute aus der Einwohnerschaft, nicht unbedingt an Schützenvereine.» Das ist für die IG Schalldämpfer aber nicht der Knackpunkt.

4. Warum fühlen sich die Muttenzer übervorteilt?

Der entscheidende Punkt für das Misstrauen der IG Schalldämpfer ist die bisher nötige Einstimmigkeit im Gremium, die im Zweckverband einer einfachen Mehrheit weichen soll. Theoretisch könnten also Pratteln und Birsfelden die Muttenzer Delegation überstimmen und die Auflagen erneut entschärfen, deren Folgen dann die Muttenzer Anwohner ausbaden müssten, fürchtet IG-Mitglied Rist. Das weist Prattelns Gemeinderat Ruedi Brassel (SP) von sich: «Den grössten Lärm hat wohl Pratteln.» Tatsächlich sind die Prattler Wohngebiete näher an der Schiessanlage als die nächsten Muttenzer Häuser. In Pratteln gebe es aber kaum Protest der Anwohner wegen des Lärms, versichert Brassel: «Die Prattler haben eine relativ hohe Toleranzgrenze.»

5. Ist die Angst der IG Schalldämpfer nicht berechtigt, dass es weiterhin Ausnahmen bei den Schiesshalbtagen geben könnte?

Laut Prattelns Gemeinderat Brassel wurde die Ausnahmegenehmigung dieses Jahr gemäss den gültigen Statuten des Gesellschaftsvertrags erteilt, um als einer von drei Standorten im Kanton das kantonale Schützenfest ausrichten zu können. Brassel bittet die Anwohner für diese Ausnahme um Verständnis: «Ein solcher Anlass findet vielleicht wieder in 10 oder 15 Jahren auf der Lachmatt statt. Bis dahin haben die Anwohner Zeit, sich zu erholen.» Er erinnert nochmals, dass die Schiesshalbtage in den vergangenen Jahren bereits drastisch reduziert wurden.

6. Wie geht es jetzt weiter?

Nachdem die IG Schalldämpfer an der vergangenen Muttenzer Gemeindeversammlung Ende Oktober erfolgreich die Statuten bekämpft hat, ist für sie der Fall erledigt. Sie wäre auch mit den alten Regeln zufrieden. Die IG fühlt sich mit ihren Forderungen nicht ernst genommen, weil sie nicht zur Vernehmlassung eingeladen wurde. In Birsfelden und Pratteln wartet man ebenfalls, bis Muttenz zu einer Einigung komme: «Bis dahin sind wir politisch blockiert», sagt Meschberger. Heute Vormittag werden sich die drei zuständigen Gemeinderäte die Statuten nochmals anschauen.