Offene Schützenhäuser
Schiesssport mit Nachwuchsproblemen: Nur noch jeder zehnte Schütze ist ein Jungschütze

Baselbieter Schützenvereine kämpfen gegen die Überalterung und verschärfte Waffengesetze. Zu diesem Zweck riefen sie am Samstag den ersten kantonsweiten Tag der offenen Schützenhäuser ins Leben.

Boris Burkhardt
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Trotz Nachwuchssorgen: Am Samstag schossen in Augst einige Jugendliche mit.

Trotz Nachwuchssorgen: Am Samstag schossen in Augst einige Jugendliche mit.

Boris Burkhardt

Es war dem früheren Präsidenten der Kantonalschützengesellschaft Baselland Walter Harisberger ein grosses Anliegen, den ersten kantonsweiten Tag der offenen Schützenhäuser zu organisieren. «Der Schiesssport hat heute sicher nicht mehr den Stellenwert und die gesellschaftliche Unterstützung wie früher einmal», sagt er.

Aber genau um zu zeigen, dass Schiessen weit mehr sei als «einfach Hinliegen und Ballern», wurden in zahlreiche Schiessanlagen der 92 Baselbieter Sektionen am vergangenen Samstag interessierte Besucher erwartet. Ziel war, neben Neumitgliedern Wiedereinsteiger anzusprechen. Harisberger und sein im März gewählter Nachfolger Beda Grütter selbst begrüssten Ehrengäste auf der Gemeinschaftsschiessanlage (GSA) Rauschenbächlein bei Augst, einer besonderen Einrichtung des Baselbieter Schiesssports – besonders deshalb, weil hier vor zehn Jahren Vereine aus den fünf Gemeinden Augst, Kaiseraugst, Giebenach, Arisdorf und Füllinsdorf fusionierten.

Immer wieder Fusionen

Das Gebäude stehe auf Füllinsdörfer Bann, der Scheibenstand in Giebenach, erklärt Harisberger; und das Land gehöre der Bürgergemeinde Augst. Fusionen finden unter den Baselbieter Schützenvereinen laut Grütter immer wieder statt, meist dort, wo bereits gemeinsame Anlagen genutzt würden.

So seien die personalintensiven Sicherheitsvorkehrungen ehrenamtlich besser zu leisten. Rund 11'000 Vereinsschützen gibt es im Baselbiet, Tendenz sinkend. Grütter ist sich der Überalterung des Schiesssports bewusst: Unter den 2430 lizenzierten Schützen seien aber immerhin 250 Jugendliche.

Alle Arten des Schiessens möglich

Die GSA Rauschenbächlein ist auch deshalb besonders, weil sie alle Untersportarten des Schiessens an einem Ort ermöglicht: Kleinkaliber und Vorderlader auf 10 und 25 Meter, Sturmgewehr auf 300 Meter, Biathlon und sogar Bogenschiessen. Das sind Synergieeffekte, die Grütter auch bei anderen Schiessanlagen im Kanton fördern will. Lärmbelästigung durch die Anlagen sei kaum noch ein Thema, seit die Schiesszeiten eingeführt worden seien. Die Baselbieter Vereine seien ausserdem sehr vorbildlich beim Umweltschutz. Kugelfänge am Scheibenstand verhinderten, dass die Patronen ins Erdreich gelangten.

Grütter und Harisberger legen beim Rundgang durch die verschiedenen Schiessstände grossen Wert darauf, die Sicherheitsvorkehrungen zu erläutern. So dürften Pistolen nur direkt am Schiessstand ausgepackt werden und müssten dort auch wieder entleert, gesichert und eingepackt werden. Bei den Gewehren sei es genau umgekehrt: Die Kontrolle vor Eintritt und nach Verlassen des Schiessstands solle sicherstellen, dass niemand Munition mitbringe oder nach Hause mitnehme.

Das neue EU-Waffengesetz, das derzeit im Schweizer Parlament behandelt wird, sieht Harisberger, der auch Vorstandsmitglied des Schweizer Schiesssportverbands ist, kritisch: «Wir unterstützen den Kampf gegen Terror. Ich kann im Gesetz aber keine Massnahmen entdecken, die helfen würde, Anschläge zu verhindern.»

Kontrolle «fast unmöglich»

Käme das Gesetz wie vorgesehen, würde das mehrheitlich von den Sportschützen genutzte Sturmgewehr 90, das übliche Schweizer Militärgewehr, illegal, weil es eine halbautomatische Waffe mit über zehn Schuss im Magazin ist. Das eigentliche Sportgewehr, das weiterhin erlaubt wäre, sei mit 5000 bis 6000 Franken ungleich teurer.

«Der Bundesrat will Ausnahmebewilligungen für das Sturmgewehr ausstellen an Sportschützen, die in einem Verein sind oder einen Nachweis erbringen, dass sie regelmässig schiessen», erklärt Harisberger. Doch das sei fast unmöglich zu kontrollieren, weil man niemanden zu einer Vereinsmitgliedschaft zwingen könne. So würden die Sportschützen kriminalisiert.