Schultheatertreffen
Schneewittchen, Dornröschen und Rapunzel zu Besuch im Theater Palazzo

Beim 2. Schultheatertreffen Baselland kommen sechs Schulklassen der Primar- und Sekundarstufe auf die Palazzo-Bühne in Liestal. Das Konzept ist einfach: Man zeigt sich gegenseitig die Theaterstücke, dann folgt das Feedback der Zuschauer.

Nils Hänggi
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Felix Bertschin, der Leiter des Schultheatertreffens Baselland, erklärt den Schülern wie es weitergeht.
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Das Schultheater-Treffen Baselland
Felix Bertschin erklärt: "Die Schüler bewerten sich gegenseitig und geben Tipps: Was nicht so gut war, was gut war. Ratschläge von Gleichaltrigen zu erhalten, ist wichtig für Kinder.“
Das Theaterstück "Wir sind klasse" der Primarschule Zuchwil aus Solothurn.
Durch das Theaterprojekt stärkte die Klasse ihren Zusammenhalt enorm. Neben Zuchwil kommen Klassen aus Münchenstein und Gelterkinden.
Der Beginn des Theaterstückes «Wir sind klasse» ist speziell. Auch das Bühnenbild ist spartanisch: Es gibt einzig Stühle.
Im Stück "Wir sind klasse" haben sich die Eltern von einer Schülerin getrennt. Die Stühle stellen das seelische Gefängnis dar.

Felix Bertschin, der Leiter des Schultheatertreffens Baselland, erklärt den Schülern wie es weitergeht.

Juri Junkov/Fotograf

«Ich habe eine Turmphobie», sagt Rapunzel. «Ich feiere gern die Nächte durch», so Dornröschen. Schneewittchen gibt an: «Ich schlafe gern in fremden Betten.» Dann schreit Herta-Dörte mit tiefer Stimme: «Ich bin schön, ich bin klug. Du musst mich nehmen.» Dabei streicht sie sich durchs Haar.

«Na dann, auf auf!» heisst das Theaterstück der Siebtklässler von der Sekundarschule Gelterkinden. Das Stück ist eine Märchenpersiflage. Ein einsamer König sucht seine grosse Liebe und veranstaltet deshalb ein Prinzessinnen-Casting. Dabei sind: Dornröschen, Schneewittchen, Rapunzel und Herta-Dörte, eine von der Klasse erfundene Figur. Der Clou: Herta-Dörte wird von einem Jungen gespielt. «Am Anfang wollte ich keine Frau spielen. Ich wollte doch kein Kleid anziehen.», erzählt Ismail Ürük, der Herta-Dörte verkörpert. Seine Klasse hätte ihn dann aber gezwungen, weil er perfekt zur Rolle passen würde. Ürük zieht seine blonde Perücke ab und grinst: «Jetzt finde ich es toll, Herta-Dörte zu spielen.»

Die jungen Schauspieler führen das Stück anlässlich des zweiten Schultheatertreffens Baselland im Theater Palazzo in Liestal auf. Das Treffen begann heute und dauert noch bis morgen Mittwochnachmittag. Das Konzept ist simpel: Jeden Tag zeigen sich drei Klassen gegenseitig ihre selber erarbeiteten Theaterstücke.

Stücke aller Art

Das Schultheatertreffen Baselland findet wie letztes Jahr im Theater Palazzo statt. Nathalie Buchli, Leiterin des Theaters erklärt: «Für die Kinder ist es toll, echte Bühnenluft schnuppern zu können.» Sechs Produktionen von Schulklassen und Schultheatergruppen der Primar- und Sekundarstufe kommen auf die Palazzo-Bühne. Einige bringen – wie die 7.-Klässler aus Gelterkinden mit «Na dann, auf auf» Interpretationen von Literatur mit, andere reisen mit Eigenproduktionen, Puppentheater oder Tanztheater nach Liestal.

Sie erzählen von Freundschaften, Feinden, und Märchenhaftem, spielen mit Licht, Musik und originellen Bühnenbildern. So entsteht insgesamt eine grosse Vielfalt von Themen und Darstellungsformen. «Im Aargau und Solothurn gibt es so Treffen schon lange. Dem Baselbiet fehlte so etwas, deshalb habe ich es initiiert», sagt Felix Bertschin, der Leiter des Schultheatertreffens Baselland. Am Dienstag führten neben den 7.-Klässler aus Gelterkinden auch die Primarschüler aus Münchenstein und Zuchwil im Solothurn, die einen langen Weg hinter sich hatten, ihre Theaterstücke auf.

Das Konzept der Tage beinhaltet jedoch nicht nur das gegenseitige Aufführen, sondern auch das Geben von Feedback. Bertschin erklärt: «Die Schüler bewerten sich gegenseitig und geben Tipps: Was nicht so gut war, was gut war. Ratschläge von Gleichaltrigen zu erhalten, ist wichtig für Kinder.» Somit folgt nach dem obligatorischen Applaus das direkte Feedback, das über eine Wertung von «gefällt mir» oder «gefällt mir nicht» hinausgeht: Es kommt zu einer echten Diskussion über die gezeigte Arbeit.

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