Fasnacht
Schnitzelbanksingen in Liestal: Trostpflästerchen für die geschundene Fasnachtsseele

Einige Schnitzelbänkler trotzten dem Fasnachtsverbot und zogen zünftig vom Leder. Die Aufzeichnung der Schnitzelbänke des Verein Schnitzelbank Lieschtel finden Sie am Ende des Artikels.

Ulrich Fluri
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Schnitzelbanggsingen Liestal 2020

Schnitzelbanggsingen Liestal 2020

Ulrich Fluri
D’Chirsi Zwätschge in originellem Kostüm.

D’Chirsi Zwätschge in originellem Kostüm.

Ulrich Fluri

Nach der jeweils grossen Sause mit imposantem Umzug und spektakulärem Chienbäse gilt der nachfolgende Montagabend mit dem Schnitzelbanksingen seit eh und je als das Sahnehäubchen der Liestaler Fasnacht. Parallel zum Freiluftprogramm mit Gässle und Obestreich lässt es sich die grosse Masse der Fasnachtsfreudigen in der guten Stube, sprich in den gerammelt vollen Beizen und Cliquenkellern, gut gehen. Dabei stehen nebst den Värslibrünzlern auch die Küchenchefs die vom Hotdog bis zum Gourmet-Menu alles im Angebot haben, im Mittelpunkt. Und die rund ein Dutzend Schnitzelbankgruppen sorgen mit Vollportionen an meist gut bekömmlichem Witz und Humor für fasnächtliches Wohlbefinden. Wen wunderts, dass dieses traditionelle montägliche Schnitzelbank-Happening seit Jahren der grosse Renner ist.

Vorgestern Abend war aber alles nicht mehr wie sonst. Nach dem grossen Hick-Hack um das Corona-Virus bedingte Fasnachtsverbot ist auch das Schnitzelbanksingen das zwar unter der öminösen 200 Personen-Grenze in den Beizen über die Bühne geht, in Frage gestellt worden. Die Empfehlung sowohl vom Kanton wie auch von der Stadt, auf diese Form von eigentlich bewilligten Veranstaltungen zu verzichten, hat dann in der Folge den meisten Schnitzelbänklern und vielen Beizern die Lust genommen. Eine wesentliche Rolle spielte sodann auch die Solidarität gegenüber denjenigen, die aufgrund der verfügten Weisung von allen Fasnachtsaktivitäten ausgeschlossen sind.

Nur wenig Bänke, dafür sehr gute

Die schlussendlich nur noch vier Gruppen die durchs Stedtli zogen haben sich dann aber in guter Form präsentiert und mit geistreichem Wortwitz oftmals so richtig die Fetzen fliegen lassen. So meidet etwa Schnitzelfritz, der in Schweinelarve auftretende Koch, partout das Liestaler Trinkwasser: I dringg e Whisky, e Schnaps und zwei Bier, bevor i zum Schaffe fahr, mi Frau macht Kaffi us Cote du Rhone und Spagetti mit Pinot noir. Mi Hund sufft Kirsch, dr Hamschter Wodka, alli chöme total an d‘Gränze, aber besser so als mir verderbe üs mit Lieschtler Wasser d’Ränze. Bleiben wir in Liestal mit seinem neuen Damenmode-Geschäft. Da haben Die Verbissene so ihre Bedenken: Jetzt chasch nümm furchtlos ins Stedtli go! Jo, das isch halt jetzt eso. Will eus goht s so wie de meischte. 2 x Bütler chöj mir eus nit leischte!

Derweil gibt d’Chirsi Zwätschge den hiesigen Stadtplanern folgenden Tip: Im Ziegelhof het’s e Klätterhalle, jo das will nit allne gfalle. E Parkhuus würd mr dört gärn gseh, will Parkplätz bruuchts jo eh no meh.

Übrigens: Not macht kreativ. So hat Toni Brüderli, der Wirt des Restaurants Kaserne, die langen Pausen zwischen den eben nur wenigen Schnitzelbankauftritten mit einem amüsanten Lottomatch überbrückt und den Gästen in der Schützenstube wurden auf grossem Bildschirm zusätzlich die Basler Schnitzelbänke vorgeführt.

Patrouille Suisse und SVP

Ungereimtheiten aufwärmen und Eiterbeulen aufstechen, dabei zwei unterschiedliche Themen, die im Grunde nichts miteinander zu tun haben, sprachlich witzig und überraschend kombinieren – das taten die wortgewandten Bänkler an diesem Abend fast im Akkord. Allen voran eben wieder Schnitzelfritz, der sich über den Irrflug der Patrouille Suisse lustig machte: Zwei wänn zäme uf Hölste go, aber göhn uf Buebedorf. Denn wänn si witer uf Titterte, aber lande z Niederdorf. Am Schluss wänn si z Eptige in e Beiz, aber stöhn vor dr Trimbacher Chile. Gäll das isch s Gaudi, lache si luut, wemme Patrouille Suisse cha spile. Die nationale Politik blieb bei den vielen Lästereien weitgehend aus dem Spiel. Ohne Seitenhieb an die SVP ging es aber dann doch nicht. Dafür sorgten Die Raabeschwarze: D’SVP cha nüt afo mit däm Klimastreik-Gehabe. Und verpasst dr Schwiz grad prompt en Öko-Röstigrabe. Es bitsli grüen si die doch au, s’het zwar nüt gnützt. Dä Öpfel mit dä Würmer drin isch garantiert nit gsprützt! Und wieder zurück nach Liestal, dort wo noch jahrelang gegraben und gebaut wird. Die Verbissene kommentieren das stinkfrech und mit spitzer Zunge: Wöttsch es Chaos wie bi de Tschingge. En Ort wo s lut isch und duet stinke. Das cha me jetzt bi eus au finde. Für die neggschte Johr am Bahnhof hinde. Solche Widerwärtigkeiten steckt d’Chirsi Zwätschge locker weg. Sie kann sich noch über andere Liestaler Kuriositäten freuen: Es isch Stedtlifescht, ich bi so zue, ha die grösser Fahne als die Wissi Flue.

Ein Schnitzelbankabend, klein aber fein – diese Portion Fasnacht war auch in ausserordentlicher Lage möglich.

Gute Nachricht für Liebhaberinnen und Liebhaber von Schnitzelbänken

Der Verein Schnitzelbank Lieschtel hat kurzfristig organisiert, dass die diesjährigen Schnitzelbänke aus der Region dennoch ihren Auftritt haben. Zwar nicht live, aber in voller Länge können Sie zehn der zwölf Schnitzelbänke des Verein Schnitzelbank Lieschtel sehen.

Dazu der Verein Schnitzelbank Lieschtel:

„Düen d’Schnitzelbängg au nit live singe,
So chönne mir s’eu online bringe.

Die Möglichkeit isch sensationell
Drum: Vyle Dank an d EBL!“

Die Schnitzelbänke im Überblick:

- Die Raabeschwarze

- Dr Muser Schang

- Chirsizwätschge und dr Tod

- Rotznaase

- Dr Hampe vo Kleihünige

- Schlümpfli

- CHalte Kaffi

- Stedtliratte

- Die Verbissene

- Schnitzel-Fritz