Schlammschlacht
Schon wieder Gift in der ARA: Belebtschlamm kam zum Einsatz

Schon wieder hat ein Schadstoff die Abwasserreinigungsanlage (ARA) Frenke 2 lahmgelegt. Als Reaktion begannen die Mitarbeiter der ARA heute Morgen sofort damit, frischen Belebtschlamm aus der ARA in Bubendorf nach Niederdorf zu bringen.

Andrea Schäfer
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In der Abwasserreinigungsanlage in Niederdorf speist man neuen Belebtschlamm ein, um die Reinigungsleistung der Anlage wieder zu erhöhen.

In der Abwasserreinigungsanlage in Niederdorf speist man neuen Belebtschlamm ein, um die Reinigungsleistung der Anlage wieder zu erhöhen.

Nicole Nars-Zimmer niz

Es ist kaum zu fassen: Schon wieder hat ein Schadstoff die Abwasserreinigungsanlage (ARA) Frenke 2 lahmgelegt. Wie im Januar wurden in der Nacht von Mittwoch auf heute Donnerstag erneut erhöhte Ammoniumwerte in der ARA festgestellt. Wieder hat ein vorerst unbekannter Verursacher illegal einen Schadstoff ins Abwasser abfliessen lassen. Als Reaktion begannen die Mitarbeiter der ARA heute Morgen sofort damit, frischen Belebtschlamm aus der ARA in Bubendorf nach Niederdorf zu bringen. Zusätzlich wurden erneut Grundwasserpumpwerke in Hölstein, Bubendorf, Liestal, Frenkendorf und Füllinsdorf vorsichtshalber abgestellt.

Beteiligte erleben ein Déjà-vu

Die Beteiligten erleben ein Déjà-vu: Damals wurde man durch ein Fischsterben am 16. Januar in der Vorderen Frenke im Abschnitt Niederdorf/ Hölstein darauf aufmerksam, dass ein illegaler Schadstoff die ARA Niederdorf geschwächt hatte. Damals gelangten ungenügend gereinigtes Abwasser und Reste des Schadstoffes von der ARA in den Fluss. Sieben Grundwasserpumpwerke mussten vorsorglich abgeschaltet werden. In Bubendorf führte dies zu einer Wasserknappheit, die am 19. Januar den Bau einer Notwasserleitung nach Ziefen nötig machte. Erst Ende Januar konnte Entwarnung gegeben werden.

Nun geht die Sache wieder von vorne los. Im aktuellen Fall konnte man aber schneller handeln. Im Januar wurde bei der ARA Niederdorf eine Online-Sonde angebracht, die laufend die Werte der ARA überwachte. Diese Sonde wurde bei der ARA wohlweislich beibehalten. «Wir haben die Sonde belassen, um eine Art Frühwarnsystem zu erhalten. Dieses System hat jetzt gewirkt», sagt Stephan Loosli, der Betriebsleiter der ARA in Bubendorf und Niederdorf. Laut Loosli habe man dank der Sonde sehr viel schneller reagieren können. Kantonschemiker Peter Wenk stellt klar: «Das Abschalten der Grundwasserpumpwerke ist eine reine Vorsichtsmassnahme. Das Trinkwasser der betroffenen Gemeinden ist einwandfrei.»

Das zu reinigende Abwasser befindet sich laut Loosli während 24 Stunden in der ARA. So gestern Donnerstag auch das schadstoffhaltige Wasser. Durch die sofortige Beifügung von gesundem Belebtschlamm versuche man nun, die Reinigungsleistung der ARA wieder zu erhöhen. «Das Ziel ist, dass sich durch den beigefügten gesunden Belebtschlamm die Reinigungsleistung so erholt, dass wir die Schadstoffgrenzwerte im Auslauf gar nicht überschreiten», sagt Loosli. Ob dieses Ziel erreicht werden könne, war gestern nicht klar. Es sei nicht zu verhindern, dass schadstoffhaltiges Wasser in die Vordere Frenke gelange, die Frage sei jedoch, in welcher Konzentration. Liege diese tief genug, würde dies keine schwerwiegenden Konsequenzen, wie zum Beispiel ein Fischsterben, nach sich ziehen.

Schadstoff vorerst unbekannt

In Bubendorf war die Lage gestern bei einem abgeschalteten Pumpwerk noch ruhig. «Wir brauchen keine Notwasserleitung wie letztes Mal. Mit den zwei verbleibenden Pumpwerken haben wir genügend Wasser,» sagte Gemeindepräsident Erwin Müller am frühen Nachmittag. Im Scherz erklärte Müller dann auch, dass selbst wenn man eine Notwasserleitung brauchen würde, dies nicht so ein Problem wäre: «Die Notleitung liegt immer noch vor Ort. Man könnte sie also einfach wieder ausrollen und anhängen.» Am Abend war dann jedoch niemandem mehr zum Scherzen zumute: Die Bau- und Umweltschutzdirektion (BUD) vermeldete, dass noch zwei weitere Pumpwerke vorsorglich abgestellt wurden, darunter ein zweites in Bubendorf. «Wir haben den regionalen Führungsstab des Zivilschutzes bereits aktiviert», sagte Müller am Abend. Die Notwasserleitung wird vermutlich am Wochenende wieder in Betrieb genommen werden.

Um welchen Schadstoff es sich aktuell handelt, sei noch unklar, erklärte Dominic Utinger vom Amt für Umweltschutz und Energie (AUE). Ebenso, wer der Verursacher sei. «Wir analysieren verschiedene Wasserproben aus der ARA, um den Schadstoff zu ermitteln und die Situation zu überwachen», sagte Utinger.

Bei der Rero AG in Waldenburg, die im Januar verdächtigt worden war, den Schadstoff abgeleitet zu haben, äussert man sich vorsichtig. «Wir haben die Protokolle unserer Tagesproben überprüft und nichts Auffälliges festgestellt, was darauf hindeuten könnte, dass wir für die aktuelle Verschmutzung verantwortlich sind», sagte Geschäftsführer Reinhold Tschopp. Er betont, dass die Rero seit dem Vorfall im Januar den vom AUE verdächtigten Schadstoff nicht mehr verwenden würde. An diesem Stoff könne es also diesmal sicher nicht liegen.