Schulreform
Schulreform im Baselbiet: Das Semesterzeugnis wird abgeschafft

Ab 2015 wird es im Kanton Baselland keine Halbjahresbewertungen mehr geben. Einerseits ist das ein Schritt zur Harmonisierung des Schulwesens. Andererseits erhofft man sich auch grössere Flexibiliät im Schuljahr. Widerstand der Lehrer gibt es kaum.

Leif Simonsen
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Nur noch einmal im Jahr erhältlich: Das – oft verschmähte – Schulzeugnis.

Nur noch einmal im Jahr erhältlich: Das – oft verschmähte – Schulzeugnis.

Franco Greco/Keystone

2015 eliminiert die Bildungsharmonisierung eine weitere Besonderheit des Baselbieter Schulsystems: das Semesterzeugnis. Eine vom Kanton eingesetzte Arbeitsgruppe unter der Leitung des Muttenzer Gymnasium-Rektors Ulrich Maier hat das so entschieden. Die Verordnung, die gemäss Recherchen der bz demnächst in die Vernehmlassung geht, sieht auf allen Stufen Ganzjahrespromotionen vor. Für die Gymnasien und Sekundarschulen ist das neu: Heute werden hier die Leistungen im Halbjahresrythmus abschliessend beurteilt.

Grund für die Reform ist einerseits das Streben nach einem einheitlichen Bildungssystem. In Basel hat das Semester als Beurteilungszeitraum auf Gymnasialstufe schon länger ausgedient. Die Orientierungsschule, die mit der Bildungsharmonisierung Harmos durch die Sekundarschule ersetzt wird, kennt das Zeugnis als Promotionsgrundlage nicht; die Leistungen der Schüler werden hier in Lernberichten festgehalten.

Flexiblere Jahresplanung

Die Baselbieter Schüler kennen bis heute aber den Druck, ihren Vierer-Schnitt im Halbjahresrythmus erreichen zu müssen. Ziel der neuen Bewertungsperiode ist nicht zuletzt, diese «Hektik» zu minimieren, wie Maier sagt. «Ein ganzes Jahr ermöglicht kontinuierliches und längerfristiges Schaffen». Die Lehrer seien bei der Einteilung der Prüfungen flexibler und könnten beispielsweise Organisatorisches wie Schullager besser und früher aufgleisen. Weil heute Schüler auch mitten im Schuljahr die Klasse wechseln müssen, ist die Schuljahrplanung sehr kurzfristig angelegt. Ein weiterer Nachteil im heutigen System ist bei sogenannt provisorischen Promotionen die Übergangszeit von Sekundarschule zu Gymnasium. Wer nach einem halben Jahr am Gymnasium nicht aus diesem Provisorium rauskommt, der müsste für seine Ehrenrunde theoretisch zurück an die Sekundarschule. «Das ist für alle Beteiligten eine ungünstige Situation», sagt Maier. Oft habe man in solchen Situationen improvisieren müssen - beispielsweise mit Auslandaufenthalten.

Die Vorteile der ganzjährigen Bewertungsperiode kennt Regula Meschberger, Präsidentin der Schulleitungskonferenz Primar und Kindergarten, schon seit der Einführung des Bildungsgesetzes 2003. Die Primarschulen preschten damals mit der Ganzjahresbewertung vor. «Und eines ist klar: Wir wollen nicht zurück zu den Semesterzeugnissen.»

Viele Sekundarschul- oder Gymnasiallehrer sind indes zwiespältig. So auch Werner Baumann, Rektor am Gymnasium in Oberwil. «Ich habe diesbezüglich schon dreimal meine Meinung geändert.» Er will auch auf die negativen Konsequenzen einer solchen Reform aufmerksam machen. «Ich weiss von meinen Kindern, die in Basel zur Schule gehen, dass es einige ziemlich lange schleifen lassen.» Will heissen: Anfangs Jahr lässt die Motivation zu wünschen übrig. Trotzdem ist er heute der Meinung, dass die Vorteile der Ganzjahrespromotion überwiegen.

Kaum Widerstand der Lehrer

Dieser Meinung ist auch Dieter Kaufmann vom Baselbieter Amt für Volksschulen. Er hebt im neuen System die Vorteile für Schüler und Lehrer hervor: «Ein halbes Jahr reicht oft nicht aus, um einen Schüler abschliessend beurteilen zu können. Das kann mehrere Gründe haben - oft ist es ja auch so, dass Schüler über eine kurze Periode einen Hänger haben und sich im Verlaufe des Schuljahrs wieder fangen.»

Der Kanton steht nun unter Zeitdruck: Das harmonisierte Schulsystem wird 2015 eingeführt. Bis 2014 sollte das Gesetz also verankert werden. Widerstand wird es dagegen aber kaum geben. «Ich denke, dass die Lehrer grösstenteils einverstanden sein werden», sagt Kaufmann.

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