Baselbieter Heimatschutz
Schutz für Kraftwerkareal in Birsfelden gefordert

Man müsse sorgfältig mit den beliebten Freiräumen bei der Schleuse in Birsfelden umgehen, findet der Baselbieter Heimatschutz.

Michel Ecklin
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Die öffentlichen Flächen beim Kraftwerk Birsfelden sind bei Erholungssuchenden beliebt.

Die öffentlichen Flächen beim Kraftwerk Birsfelden sind bei Erholungssuchenden beliebt.

Nicole Nars-Zimmer

«Kompromisslose Inszenierung der Technik und gleichzeitig selten harmonischem Zusammenspiel von Stromlandschaft und technischer Anlage» - mit diesen schmeichelnden Worten wird das Birsfelder Rheinkraftwerk im Inventar der schützenswerten Ortsbilder der Schweiz gelobt. Der Bau aus dem Jahr 1954 ist dort in der höchsten Schutzkategorie aufgeführt. Zudem heisst es, jede bauliche Massnahme an den Uferzonen solle gründlich auf Auswirkungen auf die Kraftwerkanlage geprüft werden.

Nur: Das sind alles Empfehlungen. Auch kantonal ist die Anlage nur als «schützenswert» eingestuft. Tatsächlich unter Schutz gestellt ist einzig der eigentliche Kraftwerksbau, und das nur kommunal. Ohne jeglichen Status sind die grossen Freiflächen, etwa die Insel, aber auch die Areale am Birsfelder Festland.

«Die Bauten wirken nur zusammen mit ihrer Umgebung»

Doch jetzt fordert der Baselbieter Heimatschutz in einem Positionspapier, dass das Areal rund um das Kraftwerk unter Schutz gestellt wird. Das ist brisant, weil die Kraftwerk Birsfelden AG dort eine Wasserstofffabrik bauen will. Und noch vor einigen Jahren wollte sie auf einem Teilareal eine Wohnüberbauung erstellen. Demgegenüber möchte der Heimatschutz erreichen, dass «die einmalige Qualität der ganzen Kraftwerkanlage und ihrer Umgebung erkannt und bei jeder Weiterentwicklung in aller Konsequenz berücksichtigt wird», so das Papier. «Wir wollen der Öffentlichkeit zeigen, was sie mit dem Areal hat», erklärt Heimatschutz-Präsident Ruedi Riesen. «Die Bauten wirken nur zusammen mit ihrer Umgebung.»

Das Positionspapier habe man mit dem Birsfelder Gemeinderat besprochen. Es decke sich mit dem Grünraumkonzept der Gemeinde, das den Erhalt der beliebten Erholungsräume fordere. «Wir ziehen am gleichen Strick», sagt Riesen. Er hofft deshalb, dass der Gemeinderat beim Kanton eine Unterschutzstellung beantragen wird, denn der Heimatschutz selber wird das nicht tun.

Grundeigentümer müssten einverstanden sein

Da ist Riesen aber wohl etwas zu optimistisch. «Wir haben das Positionspapier interessiert zur Kenntnis genommen», sagt Gemeindepräsident Christof Hiltmann (FDP). Und man teile die Einschätzung, dass es sich um ein besonderes Areal von hoher Qualität handle. «Wir sehen momentan aber keine Notwendigkeit, weitere Schritte zu unternehmen.» Denn der Status quo biete jetzt schon genügend Schutz vor siedlungsorientierten Entwicklungen.

Hiltmann weist zudem darauf hin, dass gemäss Gesetz bei einer Unterschutzstellung das Einverständnis der Grundeigentümer notwendig wäre - also vor allem der Kraftwerk Birsfelden AG. Und diese, das hat Riesen bereits festgestellt, ist einer Unterschutzstellung gegenüber kritisch eingestellt. Deutlich wurde das im Herbst, als an der Birsfelder Gemeindeversammlung ein Vorstoss eingereicht wurde, wonach eine Parzelle beim Kraftwerk in die Grünzone einzuteilen sei. Bereits da hiess es seitens der Kraftwerkbetreiberin, der Bund fordere, genug Platz zu lassen für eine allfällige Erweiterung der Schifffahrtsanlagen.

Kompromiss sei möglich

Für Riesen ist das kein Hindernis. Welche Areale von einem Schutz betroffen wären und welcher Schutzstatus wo gelten solle, habe man im Papier bewusst offen gelassen. Das müsse man im einzelnen mit Grundeigentümern und Gemeinde aushandeln. Bund und Kanton lassen verschiedene Schutzabstufungen zu. «Wir wollen keinesfalls den Ist-Zustand einfrieren», betont Riesen. Selbstverständlich müsse das Kraftwerk die Möglichkeit behalten, bei Bedarf zu expandieren. Deshalb glaubt er, dass man mit dem Kraftwerk einen Kompromiss finden könnte.