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Schweizer Holzöfen kommen aus dem Baselbiet

Tonwerk Lausen und Tiba sind die einzigen Holzofenfabrikanten in der Schweiz. Die Technologie hat in den letzten Jahren einen enormen Sprung gemacht.

Stefan Schuppli
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Auf dem Bild sind Lukas Bühler, Tiba (l.) und Peter Brogle, Tonwerk (r.). Juri Junkov

Auf dem Bild sind Lukas Bühler, Tiba (l.) und Peter Brogle, Tonwerk (r.). Juri Junkov

In der «Halle Süd» sind sie alle versammelt, die Storenfabrikanten, Wintergartenbauern, Haustechniker und Energiespezialisten. Nimmt man die Anzahl Aussteller als Gradmesser, sind ganz offensichtlich Holzöfen im Trend. Das ist nicht überraschend. Denn die Technologie hat in den vergangenen Jahren einen Riesensprung gemacht: Alles dreht sich um die optimale Verbrennung mit der optimalen Luftzufuhr, um die Speicherung und der Verteilung der Wärme. «Es ist wichtig, dass das Feuer nicht zu stark brennt», sagt Peter Brogli, Geschäftsführer der Tonwerk Lausen AG.

Steckbrief

Tonwerke Lausen AG
Ofenproduktion, Schamottsteine Handel
Umsatz: 9-10 Mio. Fr.
Angestellte: 30

Tiba, Bubendorf
Umsatz: ca. 20 Mio. Fr.
Handel 40%, Produktion 60%,
die Hälfte davon Herde

Scheite, die wie Kerzen brennen

Der Trick der Tonwerk-Ingenieure: Die Holzscheite stehen im Brandraum, und sie brennen von oben nach unten – wie eine Kerze. Dabei werden die Rauchgase durch die Flamme geleitet. Der Schadstoffausstoss sinkt, die Energieausbeute steigt.

Die Ofentüre ist ganz dicht, «falscher Zug» ist Gift für ein optimiertes Brandgerät. Es reicht, den Ofen am Morgen und am Abend einzuheizen. Das reiche, um ein Niedrig-Energie-Haus warm zu halten, so Brogli. Das einzige Erfordernis: Das Holz muss trocken sein, die Ofentüre geschlossen. Die Öfen beziehen ihre Zuluft nicht aus den zu beheizenden Räumen, sondern von aussen. Mit Preisen von 6 000 bis 10 000 Franken gehören sie «zum oberen Preissegment», sagt Brogli.

Etwas fehlt halt doch ...

Was auf der Strecke bleibt, ist das, was wir früher an einem Feuer so schön fanden: das Rustikale-Gemütliche, der Rauch ... Die neuen Design-Ofen sind irgendwie kalt, auch wenn man die Flammen hinter den Glastüren züngeln sieht.

Heute wissen wir: Was so gemütlich nach Cheminéefeuer riecht, wenn wir beispielsweise am Samstagabend durch die Villenquartiere schlendern, sind die krebsfördernden Benzpyren.

Und zudem verursachen sie Feinstaub, 400 Milligramm pro Kubikmeter. Bei einem modernen Hightech-Ofen sind es 20 bis 30 Milligramm. Ihre Öfen würden die strengen Normen Deutschlands mit einer grossen Marge erfüllen, sagt Brogli. Im Herbst 2013 hatte das neue Speicherofenmodell von Tonwerk Lausen den deutschen «Plus x Award» für Innovation, Qualität, Design, Funktionalität und Ökologie erhalten. Diese Auszeichnung tituliert sich selbst als den Award für «die besten Produkte der Welt».

Tiba: Wieder aufwärts

In der Region gibt es noch eine zweite Firma, die auf den Energieträger Holz spezialisiert ist: Tiba in Bubendorf, keine fünf Kilometer Luftlinie von Lausen entfernt. Noch bis vor wenigen Jahrzehnten stand in vielen Bauernhöfen ein Tiba-Herd. Nach einem Einbruch in den 90er-Jahren ging Tiba in die Hände der Familie Bühler über. Ein Glücksfall. Seither geht es bei der 1902 gegründeten Firma wieder aufwärts. Die Produktpalette ist vielfältig (Kombination mit elektrisch etc.). Die Preise liegen je nach Ausführung zwischen 4 000 und 11 000 Franken.

«Wir haben immer etwas Gewinn gemacht und konnten Schulden zurückzahlen», sagt Geschäftsführer Lukas Bühler. In Bubendorf arbeiten 100 Personen, die Hälfte davon in der Produktion. Jährlich wird über eine halbe Million in Fabrikationsmaschinen neuster Generation investiert. In der Entwicklung arbeiten sieben Fachleute. «Stolz sind wir auch auf die in Bubendorf entwickelten elektronischen Steuerungssysteme für Holz, Solar und andere Energiequellen», sagt Bühler. In Zusammenarbeit mit der Fachhochschule Luzern und dem Bundesamt für Berufsbildung und Technologie entwickelt Tiba derzeit einen Holzvergaser-Herd aus den 90er-Jahren weiter. Dieser verbrennt im Prinzip «nur» das Holzgas – aber mit Höchsttemperaturen bis zu 1 200 Grad.