Tarifverbund Nordwestschweiz
Schwierige Suche nach Mr.Unabhängig: Wer wird der neue TNW-Chef?

Der Tarifverbund Nordwestschweiz sucht einen neuen Chef mit möglichst wenig Verstrickungen, um Interessenkonflikte zu vermeiden. Der TNW ist der zweitgrösste öV-Zusammenschluss nach dem Zürcher Verkehrsverbund und erstreckt sich über fünf Kantone.

Moritz Kaufmann
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Bahnhof Dornach-Arlesheim – ein Verkehrsknotenpunkt des TNW: Bus und Tram der BLT sowie SBB-Züge fahren diese Station an.

Bahnhof Dornach-Arlesheim – ein Verkehrsknotenpunkt des TNW: Bus und Tram der BLT sowie SBB-Züge fahren diese Station an.

Martin Töngi

Ein neuer Chef für fünf Kantone, sechs Unternehmen und 199 Millionen Passagiere – das sucht derzeit der Tarifverbund Nordwestschweiz (TNW). Der aktuelle Mr. TNW, Andreas Büttiker – der gleichzeitig auch Chef der BLT ist –, gibt sein Amt ab. Dies mit voller Absicht: Der Direktor der BLT war traditionellerweise auch immer Chef des 1987 gegründeten TNW. Diese Verstrickung will man nun kappen. Das Bewerbungsverfahren läuft.

Aktueller Streit

Zum Tarifverbund Nordwestschweiz gehören neben BLT und BVB auch die SBB, AAGL, Waldenburgerbahn und Postauto Nordschweiz. Zwist gibt es aber vor allem zwischen den ersten beiden. Aktuelles Beispiel: Wenn dereinst der Margarethenstich, die Tramlinie zwischen Basel und Binningen, gebaut wird, wollen beide die lukrative Strecke betreiben. Die BVB wäre zu einer Kooperation bereit, die BLT hingegen erheben alleinigen Anspruch. (MKF)

Eines steht zuoberst auf der Kriterienliste: Der – oder die – Neue muss möglichst unabhängig sein. Das wird klar, wenn man sich bei den beteiligten Transportunternehmen umhört. «Es soll eine neutrale, unabhängige Person sein», sagt etwa Katharina Merkle von der Postauto Nordschweiz.

«So kann die Gefahr eines Interessenkonflikts minimiert werden.» Auch Roman Stingelin, Geschäftsführer der Autobus AG Liestal (AAGL), wünscht sich «jemand Unabhängigen». BVB-Direktor Jürg Baumgartner hätte gerne eine «neutrale Person».

Mittendrin: BLT und BVB

Der TNW ist der zweitgrösste Schweizer öV-Zusammenschluss nach dem Zürcher Verkehrsverbund und ein entsprechend komplexes Konstrukt. Mittendrin: die beiden Platzhirsche BLT und BVB. Deren Drämmli fahren zwar teilweise auf den gleichen Schienen, doch abgesehen davon schenken sich die Basler und die Baselbieter Transportunternehmen nichts.

BLT-Chef Andreas Büttiker dementierte zwar immer, dass er wegen dieses Konflikts das TNW-Mandat abgibt, doch auch er erwartet, dass sein Nachfolger möglichst unabhängig ist. Und er dementiert, dass der Knatsch zwischen seinem Unternehmen und den BVB innerhalb des TNW eine grosse Rolle spielt: «Den Konflikt zwischen der BLT und den BVB gibt es, hat aber wenig mit dem TNW zu tun.»

Und dennoch: Büttiker erwartet vom neuen Mr. TNW vor allem Sozialkompetenz, Krisenresistenz und gute kommunikative Fähigkeiten. Gesucht sei ein Vermittler.

«Wir suchen keinen CEO»

Das habe aber nichts mit der BVB und der BLT zu tun. «Im TNW gibt es elf verschiedene Player, die ernst genommen werden wollen», sagt Büttiker. Entsprechend suche man auch keinen CEO, sondern einen Projektmanager.

Die Suche jedenfalls scheint voranzukommen. «Wir sind gut unterwegs», meint Büttiker. «Es sind viele Bewerbungen eingegangen. Wir hoffen, bis Ende September jemanden gefunden zu haben.»

Wichtig: regionale Kenntnisse

Zumindest bei der Suche nach dem neuen TNW-Geschäftsführer, der Anfang Jahr seine Arbeit aufnehmen soll, scheint die Zusammenarbeit also zu funktionieren. Wie unabhängig diese Person aber dann tatsächlich ist, wird sich zeigen.

Gemäss Jobprofil muss sie nämlich die Region – inklusive den trinationalen Raum – gut kennen. Es ist also durchaus möglich, dass jemand aus dem Kader der BVB oder der BLT rekrutiert wird. «Es gibt keinen Anspruch der BVB auf diese Stelle», sagt BVB-Chef Baumgartner. Aber wenn es so kommt, dann würde man sich wohl kaum daran stören.