Leerstand
Schwierige Zeiten für Städter auf Wohnungssuche

In keiner anderen Schweizer Stadt gibt es so wenig freie Wohnungen wie in Muttenz. Obwohl sich der Wohnungsmarkt schweizweit entspannt, besonders in der Nordwestschweiz, hat sich die Situation in Muttenz noch verschärft. Und auch in anderen Städten in den beiden Basel sieht es nicht viel besser aus.

Julia Gohl
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Ein seltener Anblick: Wohnungen zu vermieten in Muttenz.

Ein seltener Anblick: Wohnungen zu vermieten in Muttenz.

Juri Junkov

Wer in Muttenz eine Wohnung sucht, ist nicht zu beneiden. Denn so wenig freie Wohnungen wie dort gibt es in keiner anderen Stadt der Schweiz. Das zeigt die neuste Auflage der «Statistik der Schweizer Städte». 173 Gemeinden wurden dazu unter die Lupe genommen. Im Durchschnitt weisen diese eine Leerwohnungsziffer von 1,19 Prozent auf. Das ist eine Verbesserung gegenüber dem letzten Jahr, als die Ziffer noch bei 1,08 Prozent lag. Am stärksten stieg die Leerwohnungsziffer in der Nordwestschweiz. Trotzdem sind die beiden Basel mit einer Leerwohnungsziffer von 0,34 (Stadt) respektive 0,39 Prozent (Land) schweizweites Schlusslicht in Sachen freie Wohnungen.

In Muttenz gehts weiter abwärts

Muttenz hat den Aufwärtstrend verpasst und ist von tiefen 0,11 weiter auf 0,09 Prozent gesunken. Zur Zeit der Erhebung waren in Muttenz genau acht Wohnungen zu vermieten, zum Verkauf ausgeschrieben keine einzige. Beim Rekordhalter Zuchwil SO (5,73 %) steht mehr als jede zwanzigste Wohnung frei.

«In Grossstädten und der Agglomeration war der Leerstand lange in einem ähnlich tiefen Bereich wie in Muttenz», weiss Martin Tschirren, stellvertretender Direktor des Schweizerischen Städteverbands, Herausgeber der Städtestatistik. «Das gab den Impuls für mehr Wohnungsbau. So viele Wohnungen wie im vergangenen Jahr wurden schon sehr lange nicht mehr erstellt. Das hat die Situation entspannt.»

Das zeigt sich etwa in Zürich, das 2009 ein Rekordtief von 0,03 Prozent verzeichnete und es letztes und dieses Jahr immerhin auf eine Leerwohnungsziffer von 0,22 Prozent gebracht hat. Auch Basel, das letztes Jahr mit 0,2 Prozent sogar hinter Zürich lag, steht jetzt immerhin bei 0,31 Prozent. Allerdings spricht man bis zu 0,5 Prozent von einem sehr angespannten Wohnungsmarkt. Die Städte der beiden Basel liegen also fast alle darunter. Ausnahmen sind Allschwil (0,72 %), Oberwil (0,97 %), Pratteln (0,99 %) und Riehen (0,57 %).

Wenn die Leerwohnungsziffer in einer Gemeinde nicht steigt, kann das damit zusammenhängen, dass zu wenig Wohnungen gebaut werden, etwa weil Investoren von der Gemeinde vergrault werden, indem sie zu wenig Interesse an Quartierplanungen zeigen. Das sei in Muttenz nicht der Fall, betont Gemeindeverwalter Aldo Grünblatt. «Die Bautätigkeit bei uns ist rege, die Nachfrage ist einfach sehr gross. Oft liegen schon diverse Zusagen vor, bevor ein Investor überhaupt zu bauen angefangen hat.» Deshalb kommen viele Investoren mit grossen Vorhaben auf die Gemeinde zu. «Da bieten wir Hand. Bedingung ist allerdings, dass die Projekte städtebaulich zu Muttenz passen.» Er glaubt, dies sei mit ein Grund, weshalb Muttenz so beliebt sei: das schöne Ortsbild. «Zudem gibt es hier Naherholungsgebiete und viele Freizeitmöglichkeiten. Die Verkehrsanbindung ist sowohl mit dem Auto als auch mit dem öffentlichen Verkehr optimal. Und schliesslich bieten wir hier viele Arbeitsplätze.»

«Von Grund auf sympathisch»

«Muttenz ist einfach von Grund auf sympathisch», schwärmt auch Caroline Kohler, stellvertretende Direktorin und Leiterin Liegenschaften bei der Werner Sutter & Co. AG. Diese hat nicht nur ihren Sitz in Muttenz, sondern vermietet und verkauft dort Wohnungen und verwirklicht zahlreiche Bauprojekte. Die Nähe zu Basel und die gute Verkehrsanbindung seien wichtig, so Kohler. «Und doch hat Muttenz einen dörflichen Charakter, ist fast ländlich, mit richtigem Dorfkern, der gut bespielt wird.» Im Gegensatz zu anderen Gemeinden würden kaum Läden leerstehen.

Für Kohler ist der Muttenzer Rekord eine positive Nachricht und auch Tschirren sieht Vorteile: «Es bedeutet, dass eine Stadt attraktiv ist und meist auch, dass es ihr wirtschaftlich gut geht.» Wenige freie Wohnungen könnten aber auch zu einem Miteanstieg und damit zur Verdrängung gewisser Bevölkerungsschichten aus der Stadt führen.

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