Step 2035
Sei umschlungen, Milliarde! Warum die Region doch vom Bahn-Ausbau profitiert

Im allgemeinen Wehklagen über das Herzstück geht vergessen: In der Nordwestschweiz sind mehrere Bahn-Projekte schon beschlossen – auch bei Step 2035 gibts grosse Gewinner, etwa das Birs- und das Laufental.

Benjamin Wieland
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Herzstück Regio-S-Bahn
7 Bilder
Visualisierung Haltestelle Mitte, Ausgang Hauptpost
Visualisierung Haltestelle Mitte, Ausgang Uni / Unispital
Visualisierung Haltestelle Mitte, Ausgang Schifflände
Herzstück Variante Hoch Y
So soll der Streckenplan 2030 aussehen.
Die Margarethenbrücke soll beim Margarethenplatz verbreitert werden.

Herzstück Regio-S-Bahn

key/zvg

Der Bund will im Rahmen des Bahn-Ausbauschritts 2035 das Basler Herzstück nur halbherzig unterstützen: Geld gibts nur fürs Planen, aber nicht fürs Projektieren. Das kommt in Basel-Stadt und Baselland nicht gut an. Beide Kantone forderten am Mittwoch in einer gemeinsamen Medienmitteilung mehr Gelder für das Jahrhundert-Vorhaben. Für die beiden Basel sei der Entscheid «nicht nachvollziehbar».

Was beim Jammern etwas unterging: Der Bahnausbau Step 2035 bringt für die Region starke Verbesserungen mit sich – gerade auf einer Achse, die bisher eher stiefmütterlich behandelt wurde: Basel–Delémont.

Bahn-Projekte in BL

- Vierspur-Ausbau Bahnhof Liestal: 340 Mio Franken

- Entflechtung Basel – Muttenz: 300 Mio Franken

- Neubau Waldenburgerbahn: 300 Mio Franken

Total: 940 Mio Franken

Projekte aus Step 2035

- Viertelstunden-Takt auf dem Abschnitt Basel – Aesch

- Neuer Halbstunden-Takt auf der Strecke Basel – Biel (Doppelspur-Ausbau Laufental)

- Neue SBB-Haltestelle Dornach-Apfelsee

- Anschlussverbesserungen Waldenburgerbahn/Liestal

Mit den zwölf Milliarden Franken, die bis 2035 in die Schweizer Schienen-Infrastruktur fliessen, profitieren die Passagiere auf diesem Abschnitt besonders stark, darunter vor allem die Pendler im Birstal. So gibt es zwischen Bahnhof Basel SBB und Aesch den Viertelstundentakt, im Laufental wird der Abschnitt Grellingen–Duggingen auf Doppelspur ausgebaut, was den Halbstundentakt auf der Strecke Basel–Biel ermöglicht. Und besonders erfreulich: die neue S-Bahn-Station Apfelsee in Dornach.

Die Baselbieter öV-Verantwortliche Eva Juhasz spricht denn auch vom «sehr erfreulichen Entscheid des Bundes, wenn man vom – notabene grossen – Wermutstropfen der Projektierungsmittel für das Herzstück absieht». Der Bund habe dem Kanton Baselland und der Region Nordwestschweiz mit den in Aussicht gestellten Investitionen «viele Wünsche erfüllt».

Gut für Allschwil

Juhasz erwähnt auch ein Vorhaben auf Stadtgebiet, auch wenn es «nur» in der Kategorie der sogenannten ersten Dringlichkeit aufgeführt ist: die S-Bahn-Station Morgartenring. Von ihr könnte vor allem Allschwil profitieren. Die Station wäre Teil der neuen Verbindung zum Euro-Airport – der Schienenanschluss des Flughafens ist ebenfalls Teil von Step 2035.

Und da wäre noch ein weiterer Aspekt: Baselland wollte den Doppelspurausbau im Laufental mit einer Vorfinanzierung auf die Sprünge zu helfen, falls sich der Bund weiterhin bockig zeigen sollte. Seit Mittwoch ist das nicht mehr notwendig. Im Mai 2017 hatte der Landrat rund
126 Millionen Franken für die Vorfinanzierung gesprochen – vorbehältlich der Aufnahme des Ausbaus in Step 2035.

Laut Juhasz ist die Einweihung des Doppelspurbetriebs Ende 2023 vorgesehen. Das Bauprojekt werde gemeinsam mit den SBB in diesen Tagen lanciert.

Immer nur Zürich, Zürich, Zürich

Liestal zeigte sich gestern ebenfalls unzufrieden, aber nicht wegen des Herzstücks. Dem Kantonshauptort missfiel, dass er zwar besser an Aarau/Zürich angebunden wird, jedoch Verbindungen in Richtung Olten/Luzern verliert. Konkret: Liestal–Zürich soll den Halbstundentakt erhalten, in Richtung Olten hingegen würde noch eine statt heute zwei Kompositionen pro Stunde verkehren.

Liestal belegt seine Bemängelungen mit Zahlen. In der Medienmitteilung heisst es: «Heute nutzen 60 Prozent der in Liestal einsteigenden Fahrgäste die Verbindungen nach Olten und weiter Richtung Luzern oder Bern, 40 Prozent die Destinationen Richtung Zürich. Eine Gleichbehandlung beider Achsen ist somit mehr als gerechtfertigt.»

Betrachtet man die bereits beschlossenen Ausbaumassnahmen für Liestal, ist aber klar: Die Stadt profitiert überdurchschnittlich stark von Bahn-Ausbauprojekten. Von den Mitteln, die in den vergangenen Jahren für die Nordwestschweiz gesprochen wurden, fliesst rund eine Milliarde Franken in die Achse Basel–Liestal–Waldenburg (siehe Tabelle).

Klares Bekenntnis zum Herzstück

Damit wird die S-Bahn zwischen Liestal und Basel voraussichtlich ab 2025 im Viertelstunden-Takt verkehren, und die Anschlüsse der Waldenburgerbahn werden verbessert. Auch Liestal lässt das Herzstück nicht unerwähnt. Man unterstütze die Bemühungen von Basel-Stadt und Baselland, die Projektierungskosten für das «Herzstück» in die Botschaft zum Bahnausbauschritt Step 2035 aufzunehmen.

Beim Herzstück sei die Ausgangslage zu relativieren, sagt Juhasz. Die Mittel für die weitere Planung seien gesprochen, die Kantone hätten sich darüber hinaus weitere 120 Millionen Franken Projektierungsmittel gewünscht. «Trotzdem ist festzuhalten: Das Projekt ist so weit fortgeschritten wie nie zuvor. Der Bund anerkennt die Notwendigkeit für die neue Schienenverbindung zwischen Bahnhof SBB und Badischer Bahnhof. Bern hat versichert: Es gibt keinen Stillstand.»