Landwirtschaft
Seit Jahren integriert in Hof und Familie, trotzdem ist er «illegal»

Er arbeitet seit Jahren bei einem Baselbieter Bauern. Doch eine Aufenthaltsbewilligung hat er keine, denn er kommt aus dem Kosovo, einem Drittstaat. Diese absurde Situation wirft ein Schlaglicht auf die bäuerliche Arbeitswelt.

Daniel Haller
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Ein Bauer pflügt ein Feld um (Symbolbild)

Ein Bauer pflügt ein Feld um (Symbolbild)

Keystone

Als sein Vater starb, konnte er nicht in den Kosovo zur Beerdigung reisen, denn in seinen Papieren fehlt die Aufenthaltsgenehmigung für die Schweiz. Dabei arbeitet er seit Jahren für den gleichen Baselbieter Bauer.

«Die legalen Kurzaufenthalter, meistens Polen, kommen nur kurz, arbeiten, nehmen das Geld und gehen. Ich aber weiss viel über den Betrieb. Wenn ich gehen würde, hätte mein Chef ein Problem, denn ich habe alles Wissen im Kopf.»

Gekommen ist er damals nach dem Kosovokrieg mit einem Touristenvisum für drei Monate. Er wusste wie er Arbeit finden konnte, da sein Bruder zuvor als Saisonnier in der Schweiz gearbeitet hatte. Aus den drei Monaten wurden Jahre, und nun ist K.* ein Sans-Papiers. Er hatte das Pech, zu spät zu kommen: «Für den Kosovo gibts keine Aufenthaltserlaubnis mehr.» Der Arbeitgeber war so zufrieden mit seiner Leistung, dass er nicht mehr nachfragte. K. kennt Sans-Papiers in anderen Kantonen: «In der Waadt sagt die Polizei bei einer Kontrolle: ‹Du musst die Schweiz in 48 Stunden verlassen!› Aber sie nimmt die Personalien nicht auf, und so passiert dann nichts.»

Im Baselbiet liegt K. viel daran, dass er und sein Chef nicht erkannt werden. Im Gespräch in der Beratungsstelle für Sans-Papiers in Basel bedauert er, dass deswegen auch Positives nicht in die Zeitung darf. Von seinem Arbeitgeber spricht er mit dessen Vornamen: «Wir essen zusammen, wir trinken zusammen.» Und als jemand auf dem Hof starb, stand K. mit auf dem Trauerzirkular – Familienanschluss.

K.s Beraterin Olivia Jost bestätigt, dass der Arbeitgeber sich korrekt verhalte. Es geht also in diesem Fall eines Sans-Papiers nicht um spezielle Ausbeutung. Der Lohn entspricht dem Normalarbeitsvertrag für landwirtschaftliche Angestellte. «Oftmals bedauern es auch die Arbeitgeber, dass das Ausländergesetz keine Möglichkeit vorsieht, um diese Arbeitsverhältnisse zu regularisieren. Die Sans-Papiers haben erst nach vielen Jahren eine kleine Chance über die Härtefallregelung eine Bewilligung zu erhalten. «, meint Jost. Und K. kommentiert in flüssigem Deutsch: «Wenn ich es eines Tages schaffen sollte, legal zu werden, dann trinken wir zusammen einen guten Wein.»

Name von der Redaktion geändert