Tschoppenhof
Sensationsfund: Baselbiet ist um eine Burg reicher

Wie ein Archäologie-Späher in Liedertswil auf das Relikt aus dem Mittelalter stiess und sein schlechtes Gewissen abstreifte.

Simon Tschopp
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Bruno Jagher sucht mit Metalldetektor.

Bruno Jagher sucht mit Metalldetektor.

Zur Verfügung gestellt

Kachelofen und Tonkrüge

Neben der neu entdeckten Burg präsentierte Archäologie Baselland weitere Höhepunkte von 2014. Bei Ausgrabungen in Lausen-Bettenach wies man den ältesten Kachelofen Europas aus dem 10. Jahrhundert nach. Im Ortskern von Reinach fanden sich Spuren früherer Migration und zahlreiche handgeformte Keramikgefässe (6. Jahrhundert), die ortsfremd sind. Auch der Ort der gestrigen Medienorientierung passte: das Restaurant Löwen in Rünenberg. Dieses wurde frisch restauriert. Mit einer Bauuntersuchung, die eine ganze Hausbiologie liefert, hat man wichtige Informationen gewonnen. 1765 wurde das Haus erbaut und diente als Schenkstube.

Jagher (67), pensionierter Biologielaborant und seit 2008 Basler SVP-Grossrat, war damals illegal auf der Mörlifluh mit einem Metalldetektor unterwegs. Deshalb verheimlichte er lange seinen Fund. Als er einen in den Fels gebrochenen Halsgraben entdeckte, vermutete er einen Schützengraben aus dem Zweiten Weltkrieg. Mit seinem Metalldetektor ortete er dort jedoch einen Reitsporn und ein paar Pfeileisen. «Zuerst hatte ich Freude, danach ein schlechtes Gewissen», erklärte Bruno Jagher gestern an der Präsentation des Jahresberichts 2014 von Archäologie Baselland in Rünenberg.

Eiserner Reitsporn und Pfeileisen.

Eiserner Reitsporn und Pfeileisen.

Zur Verfügung gestellt

Der Basler ist einer von 35 Spähern von Archäologie Baselland – und einer der aktivsten. Späher sind ehrenamtliche Mitarbeiter, die archäologische Funde sichern und für Zuwachs an Fundstellen sorgen. Laut dem stellvertretenden Kantonsarchäologen, Andreas Fischer, ist diese Tätigkeit schriftlich klar geregelt. Die Späher – nur eine Frau zählt zu ihnen – sind abseits des Siedlungsgebiets in Wald und Flur unterwegs; Zonen, die sonst zu kurz kommen. «Das Ziel sind historische Erkenntnisse», fasst Kantonsarchäologe Reto Marti zusammen.

Fachleute rätseln

Von der neu entdeckten Burg ob Liedertswil existieren weder Angaben noch schriftliche Quellen. Unbekannt ist, wie gross sie war. Auch ist nicht mehr viel davon erhalten. Die Burg wurde auf einem schmalen, steilen Grat im Hochmittelalter um das 12. Jahrhundert errichtet. Mit 890 Meter über Meer ist sie die höchstgelegene Burg im Baselbiet. Aufgrund der Fundobjekte ist sie von Adligen bewohnt worden. «Waffen gehörten zum Adel», erzählt Marti.

Weshalb suchte Bruno Jagher gerade in diesem Gebiet? «Primär aus geostrategischen Gründen», sagt er. Die Ruine Waldenburg wurde auf derselben Krete gebaut. Im Raum der Mörlifluh verbrachte Jagher schon über 100 Stunden. Seine Funde dokumentiert er akribisch und übergibt sie danach Archäologie Baselland.

Das Baselbiet ist reich an Burgen. Über 70 mittelalterliche Burgstellen sind mittlerweile bekannt. «Dies schmälert den Wert der neu entdeckten Burg – so wenig wir derzeit über sie wissen – indes keineswegs, denn sie zeigt, dass schon im frühen Hochmittelalter auch abgelegene Seitentäler des Jura herrschaftlich erschlossen wurden», schreibt der Kantonsarchäologe im Jahresbericht.

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