Strafgericht
Serienvergewaltiger aus Birsfelden muss in die Geschlossene Psychiatrie

Strafgericht Ein 40-jähriger Serienvergewaltiger aus Birsfelden erhielt vom Strafgericht in Muttenz eine 12-jährige Freiheitsstrafe. Er kommt für unbestimmte Dauer in eine geschlossene Psychiatrie.

Patrick Rudin
Drucken
Teilen
(Symbolbild)

(Symbolbild)

KEYSTONE/LUIS BERG

Der 40-jährige Mann wird vorläufig weggesperrt: Die fünf Richter verhängten eine sogenannte stationäre Massnahme, also eine Therapie in einer geschlossenen Einrichtung. Die Dauer ist jeweils auf fünf Jahre festgelegt, kann aber vom Gericht je nach Einschätzung der Prognose mehrmals verlängert werden, auch über die zwölf Jahre der eigentlichen Strafe hinaus.

Gerichtspräsidentin Irène Laeuchli sagte am Freitag dazu, die Gutachten stuften die Rückfallgefahr des Mannes für ähnliche Delikte als hoch ein. Der Verteidiger hatte vergeblich kritisiert, dass sich die beiden eingeholten Gutachen widersprachen. Laeuchli sagte dazu, die Unterschiede seien lediglich «graduell». Konkret nannte sie als Grund für die hohe Rückfallgefahr des Zusammenspiels der Persönlichkeit und der Sexualpathologie des 40-Jährigen, ebenso den Seriencharakter der Taten sowie das Weiterdelinquieren trotz laufendem Strafverfahren. Ein wenig «Rabatt» beim Strafmass gab es wegen der leicht verminderten Steuerungsfähigkeit. Auch sagte Laeuchli, im Gegensatz zu den Aussagen in der Voruntersuchung scheinen die Aussagen des Mannes an der Hauptverhandlung überlegter, immerhin habe er über seine Taten inzwischen nachgedacht.

Frauen betäubt und geschändet

Der Mann hatte drei Frauen aus seinem Freundeskreis sowie zwei Zufallsbekanntschaften bis zum komatösen Zustand betäubt und dann über Stunden hinweg immer wieder wie eine Sexpuppe benutzt. Eine Frau ist dabei fast gestorben, die meisten der Frauen erinnerten sich allerdings später an nichts mehr. Nach einer ersten Strafanzeige durchsuchte man seine Wohnung in Birsfelden und stiess auf rund acht Terabyte an Videos.

Vieles davon zeigt laut Staatsanwaltschaft einvernehmlichen Sex. Dort, wo Frauen aber sichtlich betäubt schienen oder sich gar wehrten versuchte man, die Frauen hinterher ausfindig zu machen. Aus Beweisgründen lud man die Frauen ohne jegliche Vorabinformationen zur Vernehmung, sie schilderten einen «Filmriss». Später zeigten sie sich schockiert von den konkreten Beschreibungen der Strafverfolger. Die Videos selber wurden ihnen nie gezeigt.

Das Strafgericht bestätigte am Freitag wie von der Staatsanwaltschaft beantragt die Schuldsprüche wegen mehrfacher Vergewaltigung, Gefährdung des Lebens, sexueller Nötigung und Schändung. Nebst weiteren Delikten kam auch eine Verurteilung wegen der mehrfacher Verletzung des Privatbereichs dazu, weil er die Szenen gefilmt hatte. Offenbar trank man gemeinsam jeweils zwei Gläser Vodka, das zweite Glas enthielt dann auch K.O.-Tropfen. Der Mann hatte diesen Punkt bis zuletzt bestritten und behauptet, in einem kleinen Fläschchen lediglich «Kokaintester» besessen zu haben.

Einen Freispruch gab es am Freitag lediglich in einem Fall einer 21-jährigen Prostituierten, die den Mann wegen Vergewaltigung anzeigte: Es gab zuviele Widersprüche in den Aussagen der Frau, und die Videos seien nicht eindeutig, befand das Gericht. Auch hatte die Frau während der angeblichen Vergewaltigung Textnachrichten mit einem anderen Freier ausgetauscht, danach schminkte sie sich in Ruhe. Absurd: Die Anzeige dieser Frau hatte die ganzen Verfahren gegen den Mann überhaupt erst ins Rollen gebracht.

Ob die anderen vom Verurteilten aufgezeichneten Sexszenen alle mit dem Einverständnis der Partnerinnen gefilmt worden sind, ist unklar, viele sind wohl heimlich entstanden. Dabei geht es allerdings einzig um den Tatbestand der Verletzung des Privatbereichs, und dieser Vorwurf ist inzwischen verjährt. Der Mann ist seit August 2014 ununterbrochen in Untersuchungshaft. Das Verfahren kann er noch ans Kantonsgericht weiterziehen.

Aktuelle Nachrichten