Strafgericht
Sexchats und Facebook-Anmache von Minderjährigen: 37-jähriger Oberbaselbieter muss ins Heim

Ein geistig leicht behinderter Mann suchte jahrelang Sexkontakte zu Minderjährigen. Seine Diagnose ist unklar, er lebt nun eng betreut in einem Heim.

Patrick Rudin
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Der 37-jährige Mann aus dem Oberbaselbiet hatte sich in einem abgekürzten Verfahren mit der Staatsanwaltschaft auf eine unbedingte Freiheitsstrafe von 16 Monaten geeinigt.

Der 37-jährige Mann aus dem Oberbaselbiet hatte sich in einem abgekürzten Verfahren mit der Staatsanwaltschaft auf eine unbedingte Freiheitsstrafe von 16 Monaten geeinigt.

Keystone

«Gewisse Sachen muss man aus mir rauskitzeln», erklärte der 37-jährige am Freitag im Gerichtssaal in Muttenz zögernd. Das war eine ziemliche Untertreibung, denn klare Antworten gab er eigentlich nur dann, wenn Gerichtspräsident Andreas Schröder ihm Suggestivfragen stellte.

Das Ergebnis war allerdings schon ziemlich vorbestimmt: Der 37-jährige Mann aus dem Oberbaselbiet hatte sich in einem abgekürzten Verfahren mit der Staatsanwaltschaft auf eine unbedingte Freiheitsstrafe von 16 Monaten geeinigt. Die drei Richter in Muttenz prüften am Freitag lediglich, ob tatsächlich ein Geständnis vorliegt, die Strafe angemessen ist und auch, ob die Geschädigten keine Einwände hatten. Das war hier laut Schröder der Fall, und das Strafgericht genehmigte deshalb auch den «Deal». Die Strafe wird vorläufig nicht vollzogen, formell ist von einer ambulanten Massnahme die Rede. Faktisch lebt und arbeitet der Mann allerdings seit Herbst 2016 stationär in einem Heim mit enger Betreuung und Kontrolle, daran wird sich die nächsten Jahre auch nichts ändern.

Er hatte in den vergangenen Jahren immer wieder Kontakt zu Jugendlichen gesucht und meist via Facebook oder Whatsapp Penisbilder von sich versendet, nach Telefonsex gefragt oder auch auf ein Treffen gedrängt. Immer suchte er sich männliche Jugendliche zwischen 12 und 15 Jahren aus, einmal geriet er allerdings auch an einen 25-Jährigen, der als Profilfoto auf Facebook ein Bild von sich als 10-jährigen Jungen verwendete.

Trotz Hausdurchsuchung, Untersuchungshaft und laufendem Verfahren machte der Mann weiter. Einmal sprach der Angeklagte auch ein Trio auf der Strasse an und steckte dabei einem 12-Jährigen eine Zehnernote in die Hosentasche. Anderen bot er 1000 Franken für Sex an, dazu kam es allerdings nie. Als IV-Rentner hatte er das Geld dazu auch gar nicht.

Pädophilie und Behinderung

«Dachten Sie denn, die 14- und 15-Jährigen könnten Ihre Freunde werden?», fragte Schröder. «Naja, ich bin geistig etwas zurückgeblieben», antwortete der Mann unsicher. «Hat man Ihnen das gesagt?» «Ja, schon». «Aber was denken Sie selber?», hakte Schröder nach. «Ich finde, ich bin geistig eher 17 oder 18. Daher kann ich mir viele Sachen nicht gut merken», erklärte der Angeklagte daraufhin.

Ein Gutachten spricht von «Intelligenzminderung», nebst seiner pädophilen Ausrichtung machte am Rande der Verhandlung auch das Wort «Hebephilie» die Runde. Damit ist die sexuelle Ausrichtung auf Zwölf- bis 16-Jährige gemeint. Ganz
einig über die Diagnose sind sich aber auch die Gutachter nicht. Sie fragen sich, ob das Hauptproblem nicht in einer Entwicklungsstörung zu suchen ist.

Im Verfahren ging es einzig um versuchte und vollendete sexuellen Handlungen mit männlichen Minderjährigen. Der Mann weist aber auch eine Vorstrafe aus dem Jahr 2009 auf, damals hatte er ein junges Mädchen begrapscht. Auf seinem Tablet fanden die Ermittler auch mehrere Hundert kinderpornographische Bilder. Aus einem Befragungsprotokoll wurde klar, dass der Mann ein eher rudimentäres Wissen über Sexualität besitzt. Er muss weiterhin zur Therapie, und während der ambulanten Massnahme gilt ein Kontaktverbot zu unter 16-Jährigen. «Sonst riskieren Sie, dass sie die Strafe im Gefängnis absitzen müssen», warnte ihn Gerichtspräsident Schröder.