Tenniken
Sich nicht bei der Feuerwehr melden, könnte teuer werden

Eigentlich ist er unübersehbar, der Ruf der Feuerwehren nach frischen Kräften. Über dem gesamten Kantonsgebiet hallt er von Plakaten und Kinoleinwänden: «Wanted – Firefighters!», Feuerwehrmänner und -frauen gesucht.

Lucas Huber
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Wenn es brennt, ist die Feuerwehr Bölchen gefragt, wie hier vor einem Jahr in Diegten. Aber der Nachwuchs fehlt. Archiv/lhu

Wenn es brennt, ist die Feuerwehr Bölchen gefragt, wie hier vor einem Jahr in Diegten. Aber der Nachwuchs fehlt. Archiv/lhu

Bis nach Tenniken scheint der Ruf allerdings nicht vorgedrungen zu sein, anders lässt es sich nicht erklären, dass sich zur diesjährigen Rekrutierung der Feuerwehr Bölchen kein einziger Freiwilliger aus dem Dorf im Diegtertal blicken liess.

Der Gemeinderat zeigte sich darauf sehr befremdet über die Interesselosigket – und überlegt sich Massnahmen. Schliesslich geht es hier nicht nur um die Sicherheit des Dorfes und die Ehre, sondern ebenso um Geld. 1000 Franken hat die Gemeinde dem Feuerwehrverbund nämlich pro Jahr für jeden fehlenden «Firefighter» zu entrichten.

Gemäss Statuten hat Tenniken 15 Angehörige der Feuerwehr zu stellen, nach «Pensionierungen» per Ende des laufenden Jahres wird die Gemeinde so für das kommende Jahr 6000 Franken zu zahlen haben. Mit einer Mitteilung im Gemeindeblatt hofft der Gemeinderat nun, Kurz- und Unentschlossene doch noch ins Feuerwehrboot zu holen.

Erhöhung abgelehnt

«Wir hoffen, doch noch junge Leute motivieren zu können. Doch wenn das nichts bringt, überlegen wir uns, die Feuerwehrersatzabgaben massiv zu erhöhen», sagt Tennikens Feuerwehrchefin und Vizegemeindepräsidentin Heidy Tonazzi. Dies hatte auch der Liestaler Stadtrat für 2012 geplant, doch der Einwohnerrat war dagegen. Man hoffe allerdings, von derart drastischen Mitteln absehen zu können und versuche, diese durch die allgemeine Präsenz der Einsatzkräfte im Dorf sowie in persönlichen Gesprächen mit potenziellen Feuerwehrleuten zu umgehen, sagt Tonazzi. Schliesslich freue sich jeder über die Feuerwehr, wenn das Dach brenne, nur dabei sein wolle ganz offensichtlich niemand mehr.

0,3 Prozent des steuerbaren Einkommens beträgt die Feuerwehrersatzabgabe heute in Tenniken, 40 Franken der Mindest-, 300 Franken der Höchstbetrag. «Lächerlich», wie Tonazzi findet: «Das gibt nicht einmal einen finanziellen Anreiz, sich für die Feuerwehr zu interessieren.» Zum Vergleich: In Allschwil sind sechs Prozent des Einkommens fällig, in Gelterkinden oder Sissach sind es allerdings ebenfalls 0,3 Prozent.

Für Feuerwehrinspektor Werner Stampfli ist die Situation in Tenniken unbefriedigend, aber kein Grund zur Panik: «Punktuell kommt es immer wieder vor, dass in einzelnen Gemeinden Feuerwehrleute fehlen. Die demografische Entwicklung ist ein Grund dafür, das geht auch an der Feuerwehr nicht spurlos vorbei.» Die vermehrte Bildung von Verbünden sei dieser Problematik geschuldet, erklärt Stampfli weiter und betont: «Es ist ein Problem, aber kein latentes, und unser Bestand ist ausreichend.»

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