Kriminal-Statistik
Sicherheits-Direktor Isaac Reber: «Hauptsorge bleiben Kriminal-Touristen»

Sicherheits-Direktor Isaac Reber über das Ost-West-Gefälle im Kanton, die Forderung nach mehr Grenzwächtern und die Terror-Gefahr in unserer Region.

Benjamin Wieland
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Der Vorsteher der Sicherheits-Direktion Baselland Issac Reber äussert sich zur Kriminal-Statistik 2015.

Der Vorsteher der Sicherheits-Direktion Baselland Issac Reber äussert sich zur Kriminal-Statistik 2015.

Nicole Nars-Zimmer niz

Isaac Reber, ist das Baselbiet sicher?

Isaac Reber: Ja. Das können wir mit gutem Gewissen sagen.

Zumindest die Kriminal-Statistik sagt, dass der Kanton 2015 – anders als in den Jahren zuvor – wieder sicherer geworden ist. Wie bewerten Sie diese Zahlen?

Bei der Gesamtzahl der Delikte haben wir uns stark verbessert, das Total hat sich um 16 Prozent reduziert. Bei unserem Haupt-Sorgenkind, den Einbruch-Diebstählen, liegt der Rückgang sogar bei 29 Prozent. Bei beiden Kennzahlen ist der Rückgang deutlich höher als im Schweizerischen Durchschnitt. In der Bilanz dürfen wir mit Recht sagen: Wir erzielen Wirkung, wir haben gut gearbeitet.

Auf die Polizei kommen wohl Sparmassnahmen zu – werden Sie in den kommenden Jahren Bad News zu verkünden haben?

Es ist ein Spagat, den wir da machen müssen. Auf der einen Seite wollen alle Sicherheit – andererseits muss der Kanton sparen, das ist eine Tatsache. Diese beiden Vorgaben bedeuten eine grosse Herausforderung für mich als Sicherheitsdirektor, aber auch für den Polizei-Kommandanten. Wir werden nicht ungeschoren davonkommen und werden unseren Beitrag an die Sparbemühungen leisten. Wir müssen nun schauen, dass wir dabei so intelligent vorgehen, dass möglichst wenig Schlagkraft verloren geht.

Wir stehen noch unter dem Eindruck der Terror-Anschläge vom Dienstag in Brüssel. Würde ein Ereignis von vergleichbarem Ausmass unsere Region treffen: Wäre die Baselbieter Polizei darauf vorbereitet?

Ich glaube, dass wir grundsätzlich gut aufgestellt sind. Ein solches Ereignis kann jedoch keine Kantonspolizei alleine bewältigen. Wir müssen aber derartige Ereignisse realistisch einordnen. Wir haben nicht dieselbe Ausgangslage wie andere Länder, die direkt in bewaffnete Konflikte involviert sind. Für die Schweiz ist das Risiko tiefer, direkt von Terror-Anschlägen getroffen zu werden – und Baselland ist da wohl nochmals weniger gefährdet als andere Kantone. Was nicht heisst, dass wir uns nicht auf das Unerwartete vorbereiten. Einer der entscheidenden Punkte ist die Zusammenarbeit mit anderen Kantonen und mit dem Bund. Das gilt übrigens schon bei einem planbaren Ereignis wie bei einem Spiel des FC Basel, wo sich die Polizei-Korps der Kantone gegenseitig unterstützen.

Wie gut ist die West-Grenze zu Frankreich geschützt? Es gibt in der Schweiz, aber auch innerhalb des Kantons Baselland, ein Ost-West-Gefälle: Die Gebiete, die entlang oder in der Nähe der Grenze zu Frankreich liegen, weisen eine höhere Kriminalität auf.

Dieses Ost-West-Gefälle ist auch bei uns Tatsache. Die Standes-Initiative des Kantons Baselland, die mehr Grenzwächter fordert, gerade in der Nordwestschweiz, wurde im März erfreulicherweise vom Bundesparlament angenommen. Die fast gleichlautende Initiative aus Basel-Stadt ist leider abgeschrieben. Das ist schade, aber nicht sehr tragisch, denn inhaltlich verlangen beide Vorstösse dasselbe. Nun gilt es, rasch Nägel mit Köpfen zu machen in dieser Sache, denn ein verstärkter Schutz der Grenze ist dringend notwendig. Diese Aufgabe ist aber Sache der Grenzwache und nicht des Militärs, wie da und dort gefordert wird.

Auffällig ist, dass die Asylsuchenden in der Kriminal-Statistik bei den Tatverdächtigen keine grosse Rolle spielen. Gerade nach den Ereignissen in Köln, wo in der Silvesternacht Frauen belästigt wurden und auch Asylsuchende als Täter identifiziert werden konnten, war zumindest die öffentliche Wahrnehmung anders.

Unsere Statistik geht über Jahre zurück. Dort sieht man, dass diese Personengruppe auch zuvor schon kaum eine Rolle gespielt hat. Unsere Hauptsorge gilt, wenn wir von den Tätergruppen reden, weiterhin den Kriminaltouristen und nicht den Asylbewerbern. Das bestätigen auch die Experten von der Polizei.

Wie erklären Sie sich diese Unterschiede?

Dieser Umstand lässt sich zu einem grossen Teil so erklären, dass jemand, der um Asyl ersucht, einiges zu verlieren hat, weil ein Delikt ja auch seine Chancen auf einen Verbleib im Land minimieren würde. Kriminaltouristen interessiert dieser Punkt wenig. Wir müssen sie mit Präsenz und Hartnäckigkeit abschrecken.

Kriminal-Statistik: Mehr Kinder unter den Unfall-Opfern

Generell darf man sich auf den Baselbieter Strassen sicher fühlen. Allerdings: Nachdem in den letzten Jahren die Verkehrsunfälle konstant sanken – 2014 wurde gar ein Tiefwert wie anno 1975 erreicht – zeigt die Kurve wieder leicht nach oben. Es ereigneten sich 120 Unfälle mehr. Das entspricht einer Zunahme von 12 Prozent. Von total 1142 Unfällen waren die meisten (664) «nur mit Sachschaden».

Wie üblich an der jährlichen Präsentation der Kriminalstatistik der Polizei Basel-Landschaft sprach Christoph Naef, Leiter der Hauptabteilung Verkehrssicherheit, zuletzt. Er begann so: «Jetzt kommt noch der Güterwagen.» Er meinte damit, dass im Vergleich zu den zuvor erläuterten Einbrüchen und Gewaltverbrechen die Unfallstatistik mässig sexy ist. Dennoch ist sie wichtig; immerhin starben 2015 erneut sieben Menschen auf Strassen im Kanton. Stünde diese Zahl plötzlich unter den Delikten an Leib und Leben, es gäbe einen Aufschrei. Die Zahl der Verunfallten nahm entsprechend zu: 2014 wurden 582 gezählt, letztes Jahr waren es 4 Prozent mehr (608). Während die Zahl der Leichtverletzten anstieg, sank jene der Schwerverletzten.

Schwächste verunfallen häufiger

Eine auffällig negative Entwicklung zeigt sich bei den Jüngsten und Ältesten unserer Gesellschaft. Verkehrsunfälle mit Kindern (unter 15 Jahre) blieben zwar unverändert bei 37. Aber es wurden mehr Verunfallte erfasst – 45 statt 39 im Vorjahr. Die Kinder, aber auch die anderen Verkehrsteilnehmer, missachteten häufig den Vortritt. Um auffällige 67 Prozent nahm die Anzahl der verunfallten Mitfahrenden in Personenwagen zu. «Oftmals waren Kinder nicht angeschnallt oder sassen nicht richtig im Kindersitz», sagte Naef dazu. Der KaPo-Chef konnte sich nicht verkneifen, nachzuschieben: Die Kinder immer anzuschnallen, sei eine Lebensaufgabe.

Zu denken gibt die Entwicklung bei den Senioren. 2015 hatten die über 64-Jährigen den höchsten Anteil an den Verunfallten: Fünf von sieben Toten waren Pensionäre. Bei ihnen wurden 14 Prozent mehr Verunfallte (83) und neun Prozent mehr Verkehrsunfälle (248) verzeichnet. Ins Auge sticht der Anstieg der verunfallten Fussgänger. Der Wert hat sich mehr als verdoppelt: von neun auf 20 (+ 122 %). Allerdings war jener 2014 ein absoluter Tiefwert.

Die E-Bike-Unfallzahlen stiegen erneut. Waren es im Vorjahr noch elf Verunfallte, die mit ihrem Gefährt zu Schaden kamen, betraf es 2015 15 Fälle (+ 36 %). «Die Zahl der immatrikulierten E-Bikes steigt enorm», erzählte der Vize-Kommandant. Mit der wachsenden Fahrzeugzahl seien auch mehr von ihnen in Unfälle verwickelt. Hinzu komme, dass Autofahrer deren Geschwindigkeit manchmal unterschätzen würden. Verglichen mit 2014 verlangsamt sich die Zunahme jedoch. Trotz der stark gestiegenen Verkaufszahlen waren es damals noch sechs Fälle mehr als im Vorjahr, nun vier.

Nicht Geschwindigkeit oder Alkohol am Steuer waren die häufigsten Unfallursachen. Auch wenn Verkehrsunfälle unter Alkoholeinfluss wieder zugenommen haben (+ 8 %). Der Hauptgrund war Unaufmerksamkeit. Der Anteil Fahrer, die ohne Gegensprechanlage telefonieren «ist wahnsinnig hoch», findet Naef. Ablenkung wähnt er auch als Ursache für die gestiegenen Unfälle mit jungen Erwachsenen (18 bis 24 Jahre). «Die Jungen sind heute dauervernetzt», witzelt der Vize-Kommandant. Stöpsel im Ohr und der Blick aufs Handy könnten erklären, warum doppelt so viele junge Zweirad-Lenkende verunfallten.