Arlesheim
«Sicherheitsrisiko»: Fasnächtler werden aus Einstellhalle verbannt

Fünf Basler Cliquen müssen ihren Einstellplatz auf dem Arlesheimer Schorenareal räumen und eine neue Halle suchen, wo sie vor der Fasnacht an den Wagen basteln können.

Fabian Schwarzenbach
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Waggiswagen sind in der Einstellhalle nicht mehr erwünscht.

Waggiswagen sind in der Einstellhalle nicht mehr erwünscht.

Kenneth Nars

«Wir wollen keine Waggiswagen mehr!» Die Auskunft, die fünf Basler Wagencliquen bei der Immobilienverwaltung einer grossen Einstellhalle am Arlesheimer Schorenweg erhalten haben, schockiert die Fasnächtler. Sie würden ein Sicherheitsrisiko darstellen, so die Auskunft weiter.

Neben den Wagencliquen haben auch alle übrigen Parkplatzmieter, die keine anderen Räumlichkeiten in der Liegenschaft gemietet haben, die Kündigung erhalten. Ihnen gegenüber wird der Rauswurf mit der Mehrwertsteuer, die neu entrichtet werden müsse und mit Sicherheitsmassnahmen begründet.

Die Wagencliquen haben keine Begründungen zur Kündigung erhalten. Rolf Imboden, Obmaa der Heumatt-Rueche, bezeichnet das Vorgehen als «fadenscheinig und enttäuschend». Auch die Pub-Rueche sind konsterniert. «Unser Hobbyraum, der gleich neben dem Einstellhallenplatz liegt, wurde uns ebenfalls gekündigt», erzählt Obmaa Hanspeter Lüdin.

Beide Obmänner gelangen wie die anderen Cliquen an die Schlichtungsstelle. Dort räumt ihnen Andreas Beguin, Co-Präsident des Mieterverbandes Baselland, Chancen ein. «Die Kündigung anfechten und allenfalls eine Erstreckung verlangen», empfiehlt er den Betroffenen. Allerdings bietet die Eigentümerin Uptown Basel gewissen Fahrzeughaltern neue Verträge an. «Diejenigen, die gewillt sind, sich an die Sicherheitsregeln zu halten, bekommen neue Mietverträge, die anderen nicht», erklärt Hans-Jörg Fankhauser.

Brandalarme eindämmen

Der Reinacher Architekt entwickelt für Uptown Basel das Areal und möchte es «auf ein neues Niveau bringen». Das gehe nur via Kündigungen, ist er überzeugt. «Die Fasnachtswagen wollen wir nicht mehr», sagt er, der selber Fasnächtler ist. Zudem sollen die Brandalarme eingedämmt werden.

Ein Blick auf die im Internet publizierte Einsatzliste der Feuerwehr Arlesheim zeigt vier Alarme im ersten Halbjahr 2018 in der betroffenen Halle. Einer wurde von den Abgasen eines Traktors ausgelöst, der zu einem der Waggiswagen gehört haben dürfte. Die anderen Alarme wurden aber von anderen Fahrzeughaltern oder durch Streiche von Lausbuben ausgelöst.

Dass sie alle auch an ihren Wagen gearbeitet haben, räumen die Wäägeler ein. Sie verweisen aber auf den Oldtimerbesitzer, der seine Reparaturen macht, den Camper, der seine Inneneinrichtung zusägt oder auf die Bootsbesitzer, die das Schiffchen wassertüchtig machen. «Wenn die Wagen fahrtüchtig und nur parkiert sind, ist es kein Problem», erklärt Attila Matiscak, Leiter Brandschutz bei der Basellandschaftlichen Gebäudeversicherung. «Aber es darf nicht daran repariert werden», redet er allen Garagennutzern gleichermassen ins Gewissen. Vor allem an die Camper hat Matiscak eine Botschaft: «Gasflaschen dürfen nicht in Innenräumen gelagert werden.»

Das Problem, das die Wagencliquen nun haben, kennt auch Pia Inderbitzin. «Wir sind bemüht, die Cliquen zu unterstützen und nach Lösungen zu suchen», sagt die erste Obfrau des Basler Fasnachts-Comités. «Der Raum wird enger und das gibt Probleme», ergänzt sie. Das Comité suche das Gespräch mit den Behörden. Allerdings bleibe die Suche nach Räumlichkeiten Sache der Cliquen, ergänzt sie.

Baselbieter Polizei darf bleiben

Arealentwickler Fankhauser macht am Schluss des Gespräches mit der bz die Türe ein klein wenig auf: «Wenn die Wäägeler eine Ecke in der Halle finden, die feuersicher abgetrennt werden kann, dann werden wir die Sache anschauen.» Darüber freut sich Jean-Claude Steiner, Obmaa der Zoggelispalter. Er möchte nach Rücksprache mit den anderen Cliquen mit Uptown reden.

Der grösste Mieter, der Kanton Baselland, ist von der Kündigungswelle nicht betroffen, wie Nico Buschauer, Sprecher der Bau- und Umweltschutzdirektion, bestätigt. Die Kantonspolizei hat in der anliegenden Halle Einsatzfahrzeuge parkiert. Die geplante Überbauung für die «Industrie 4.0» wird ebenfalls von Uptown Basel vorangetrieben, betrifft aber das angrenzende Areal.

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