Regierungsratswahl
Sie will Thomi Jourdan in die Baselbieter Regierung managen

Eigentlich ist Erika Gröflin bei der EVP nur zu 12,5 Prozent als Sekretärin angestellt. Doch seit die Klein-Partei in die Regierung will, hat sie alle Hände voll zu tun. Als Wahlkampf-Managerin will sie Thomi Jourdan in den Regierungsrat bringen.

Michel Ecklin
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Hier laufen die Fäden der Kampagne für Thomi Jourdan zusammen: Erika Gröflin in ihrem Büro bei sich zu Hause in Gelterkinden.

Hier laufen die Fäden der Kampagne für Thomi Jourdan zusammen: Erika Gröflin in ihrem Büro bei sich zu Hause in Gelterkinden.

Michel Ecklin

In einem unscheinbaren Einfamilienhaus in Gelterkinden wohnt Erika Gröflin mit ihrer Familie. Hier befindet sich die Schaltzentrale der Kampagne für den Regierungsrats-Kandidaten Thomi Jourdan. In einer Ecke von kaum mehr als vier Quadratmetern hat sie das Parteibüro eingerichtet. Von der Partei als Sekretärin angestellt ist sie eigentlich nur zu 12,5 Prozent. «Dass wir jetzt jemanden in die Regierung bringen wollen, war natürlich nicht eingeplant», sagt sie – und lacht.

Als Parteileitungsmitglied wusste Gröflin früh von den Kandidatur-Plänen der EVP. Ihre Reaktion war erst gespalten – sie zweifelte nicht etwa an Thomi Jourdans Fähigkeiten, aber wusste: Einen Regierungsratswahlkampf zu stemmen, ist für die Kleinpartei EVP ein Riesenbrocken. Doch als Jourdans Kandidatur öffentlich wurde, erhielt sie unzählige Mails von begeisterten Parteimitgliedern, die meinten: «Tolle Kandidatur! Wo kann ich mithelfen?»

Für Gröflin ist das «typisch EVP»: Die Mitglieder seien es gewohnt, Engagement zu zeigen. Zurückführen lässt sich das wohl auf ihre Verankerung in Kirchgemeinden. «Wer sich in der Kirche einsetzt, setzt sich auch fürs Gemeinwohl ein», hat sie in ihrer langen Tätigkeit für die christliche Partei festgestellt. Sich vor Gott verantworten zu müssen, aus Nächstenliebe miteinander zu teilen: «Es gibt schlechtere Grundlagen als die christlichen, um Politik zu machen.»

Kampagne, Teilzeitjob, Mutter

Zudem könne man in einer kleinen Partei nicht so einfach delegieren. «Jeder weiss, dass er voll anpacken muss.» An der Parteiversammlung vorletzte Woche zeigte sich das deutlich. Jourdan fragte in die Runde, wer noch am selben Abend ins Laufental mit ihm Plakate aufhängen komme. Es meldeten sich spontan mehrere Mitglieder. Jourdan selber füttert Twitter, Facebook und seine Webseite früh am Morgen mit News zu seiner Kampagne. «In den Social Media ist er schon lange», sagt Gröflin. «Das macht er am besten selber.»

Trotz breiter Unterstützung: Bis zur Wahl am 9. Juni arbeitet Gröflin voll für die Partei, neben ihrer Teilzeit-Administrationsstelle beim Blauen Kreuz Baselland und als Mutter von drei Jugendlichen. Und dann fiel auch noch die Konfirmation des jüngsten Sohnes mitten in den Wahlkampfstart. Unterstützung bietet ihr ihr Mann, der sich Zeit nimmt, um die Medienreaktionen zur Kampagne zu verfolgen. «Und er übernimmt jetzt öfter als üblich die Wäsche», sagt Erika Gröflin.

Schliesslich erhält Gröflin informell Unterstützung von SP und Grünen, etwa um Kosten für ein Mailing abzuschätzen. In der Mittepartei EVP ist man seit je her gewöhnt, mit anderen Parteien zu arbeiten.

Kaum Zeit bleibt derzeit für Sitzungen mit der Parteispitze, den Landratsmitgliedern und Jourdan. Fragen werden per Mail oder Telefon geklärt. Jourdan arbeitet während des Wahlkampfs weiterhin zu 80 Prozent und ist zudem Gemeinderat in Muttenz. Gröflin koordiniert seine Agenda mit derjenigen der Partei über eine virtuelle Festplatte. «Ich arbeitete bisher weniger mit solchen Instrumenten», erklärt sie.

Heftig, aber kurz

Trotz Wahlkampf macht sie einen ruhigen Eindruck. «Zurzeit bin ich nicht gestresst», sagt sie. Der Wahlkampf sei heftig, aber kurz. Aber sie räumt ein, dass es anstrengende Momente gebe. «Da bin ich froh, wenn man mir nicht nur Hilfe im Wahlkampf anbietet, sondern auch mal fragt: Erika, wie gehts dir?»