Initiative
Sind Uni-Abgänger die besseren Lehrer?

Wer die Ausbildung zum Seklehrer ausschliesslich «nur» an einer Pädagogischen Hochschule absolviert, soll im Baselbiet keine Festanstellung mehr erhalten. Hier die wichtigsten Fakten zur Abstimmung vom 21. Mai.

Julia Gohl
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Noch dominieren die Plakate der Befürworter die Baselbieter Strassen. Doch heute Donnerstag startet die Gegnerschaft ihre Nein-Kampagne.

Noch dominieren die Plakate der Befürworter die Baselbieter Strassen. Doch heute Donnerstag startet die Gegnerschaft ihre Nein-Kampagne.

Kenneth Nars

1. Wie werden Sekundarlehrer im Baselbiet derzeit ausgebildet?

Es gibt zwei Möglichkeiten: die integrierte und die konsekutive Ausbildung. Bei der integrierten Variante absolvieren angehende Lehrer das gesamte Studium an der Pädagogischen Hochschule (PH), lassen sich für drei Fächer ausbilden und brauchen dafür mindestens neun Semester. Bei der konsekutiven Ausbildung wird zuerst ein Bachelor in meist zwei Fächern an einer Universität erworben und danach an der PH eine pädagogisch-didaktische Ausbildung absolviert. Das dauert mindestens zehn Semester.

2. Was möchte die Initiative «Ja zu fachlich kompetent ausgebildeten Lehrpersonen» ändern?

Die Initiative möchte festschreiben, dass nur noch Seklehrkräfte, die eine universitäre Ausbildung haben, Festanstellungen erhalten. Für Lehrer mit integrierter Ausbildung soll es nur noch befristete Anstellungsverträge geben. Damit möchten die Initianten erreichen, dass wieder vermehrt angehende Lehrer den Weg über die Universität einschlagen. Zurzeit entscheiden sich mehr für die integrierte Ausbildung.

3. Wer steht hinter der Initiative?

Lanciert wurde sie vom Komitee «Starke Schule beider Basel» rund um den Landrat der Grünen-Unabhängigen Jürg Wiedemann. Naheliegend: Die Grünen-Unabhängigen, die sich noch weitere Vorstandsmitglieder mit der «Starken Schule» teilen, sagen Ja.

4. Wer hat sich gegen die Initiative ausgesprochen?

Alle anderen Kantonalparteien, also BDP, CVP, EVP, FDP, GLP, Grüne, SP und SVP, haben die Nein-Parole gefasst. Im Landrat wurde die Initiative mit 75 zu 0 Stimmen bei vier Enthaltungen abgelehnt. Auch der Regierungsrat tritt für ein Nein ein. Ausserdem ist die Baselbieter Schulratspräsidentenkonferenz gegen die Vorlage und aus der Bildungs-, Kultur- und Sportkommission heraus hat sich ein Nein-Komitee gebildet, das sich heute an einer Pressekonferenz präsentieren wird.

5. Welche Argumente führen die Befürworter ins Feld?

An der PH werde das fachliche Wissen marginalisiert und die Bereiche Methodik, Didaktik und Psychologie bevorzugt. Dass führe dazu, dass Lehrer mit integrierter Ausbildung nur ein sehr bescheidenes Fachwissen erwerben und im Schulalltag immer wieder an ihre Grenzen stossen. Es könne vorkommen, dass die begabtesten Schüler mehr Fachwissen als die Lehrer hätten.

6. Und womit argumentieren die Gegner?

Es gebe keine Studien, die belegen, dass eine universitäre Ausbildung der Lehrer besser für die Schüler sei. Ausserdem sei die fachliche Ausbildung an der PH der Fachhochschule Nordwestschweiz (FHNW) sehr gut. Weiter seien die verschiedenen Ausbildungen für den leistungsdifferenzierten Unterricht sinnvoll: Im Niveau P etwa sei eher ein intellektueller, im Niveau A ein pädagogischer Zugang zu den Schülern wichtig. Die Annahme der Initiative würde zudem die Kündigung der interkantonalen Vereinbarung über die Anerkennung der Ausbildungsabschlüsse von Lehrern bedeuten. Das könnte bedeuten, dass die Baselbieter Ausbildung in anderen Kantonen nicht mehr anerkannt würde. Und Lehrkräfte aus anderen Kantonen könnten im Baselbiet nur noch befristet eingestellt werden.

7. Welche Kostenfolgen hätte die Annahme der Initiative?

Hier gehen die Meinungen von Befürwortern und Gegnern auseinander. Erstere sagen, dass es sich bei der aktuellen Situation um eine teure Doppelspurigkeit handle. Die Verlagerung von der integrierten zur konsekutiven Ausbildung hätte Millioneneinsparungen an der PH zur Folge, ohne bei der Uni relevante Mehrkosten zu verursachen. Sämtliche Lehrgänge würden heute schon an der Uni geführt, und die Kapazitäten seien vorhanden. Die Regierung hingegen sagt, eine universitäre Ausbildung käme den Kanton pro Studierenden teurer als eine Ausbildung an der PH. Ausserdem sei beim Neubau der FHNW in Muttenz davon ausgegangen worden, dass dort alle Lehrerausbildungen der Region Basel stattfinden. Die Initiative könnte also eine Redimensionierung notwendig machen, während an der Uni Zusatzkosten für mehr Räumlichkeiten anfallen könnten.