Neues Kunstrasenfeld
Sissach zeigt sich erneut äusserst sportfreundlich

Wenn an Sissacher Gemeindeversammlungen Infrastrukturprojekte für den Sport zur Debatte stehen, erscheinen die Leute in Scharen. Das war vor einigen Jahren bei der Überdachung der Kunsteisbahn sowie später beim Neubau der Eishalle und bei der Sanierung des Kunsti der Fall.

Simon Tschopp
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Dass das 2005 erstellte Kunstrasenfeld erneuert werden muss, darüber ist man sich an der Gemeindeversammlung einig. (Symbolbild)

Dass das 2005 erstellte Kunstrasenfeld erneuert werden muss, darüber ist man sich an der Gemeindeversammlung einig. (Symbolbild)

Keystone

Am Dienstag ging es um den Ersatz des ausgedienten Kunstrasens auf den Sportanlagen Tannenbrunn. Und wieder: Die Turnhalle der Primarschule Dorf war mit über 150 Stimmberechtigten gut gefüllt. Die örtlichen Sportvereine verstehen es bestens, zu mobilisieren. Dass das 2005 erstellte Kunstrasenfeld erneuert werden muss, darüber ist man sich an der Versammlung einig. Der Gemeinderat beantragt eine Minimalvariante: 1:1-Ersatz der Nettospielfläche von 87,3 auf 55 Meter für 640'000 Franken.

Komitee überzeugt Gemeindeversammlung

Das Komitee pro Breitensport, das sich speziell für dieses Vorhaben gebildet hat, fordert mit einem Änderungsantrag eine reglementskonforme Minimalgrösse von 90 auf 57,6 Meter. Dazu soll der Baukredit der Exekutive um fast das Doppelte auf 1,265 Millionen Franken aufgestockt werden. «Pro Breitensport» will eine grössere Fläche, damit der Platz auch für Fussballmeisterschaftsspiele im Elfer-Format sowie bis und mit 2. Liga taugt – ohne Ausnahmebewilligung des Verbands wie jetzt. Mit 111 gegen 27 Stimmen bei wenigen Enthaltungen setzt sich schliesslich der Vorschlag des Komitees durch.

Gemeinderätin Beatrice Mahrer verteidigt das behördliche Projekt. Dieses sieht einen umweltverträglicheren, unverfüllten Kunstrasen ohne Granulat sowie eine neue Beregnungsanlage vor, um die Halme in der heissen Jahreszeit zu schützen. Mahrer findet, «wir müssen das Nötige vom Wünschbaren trennen» und warnt vor einer Kostenüberschreitung bei der teureren Version.

«Wir geben das Geld mit beiden Händen aus»

Dem widersprechen Jürg Chrétien und Daniel Schaub. Die führenden Köpfe des Komitees erklären, dieses habe seine Forderungen von Fachleuten sorgfältig abklären und berechnen lassen. Den Grossteil der Mehrkosten fürs grössere Feld verursachen auf der Seite zur Autobahn das Abtragen des Hangs und die erforderliche Stützmauer. Chrétien: «Packen wir die Chance für eine Lösung von längerer Dauer.» Schaub ergänzt: «Damit setzen wir ein starkes Signal für die Sport- und Nachwuchsförderung.»

Alt Gemeindepräsident und Komiteemitglied Ruedi Schaffner wirft den sozialen Aspekt ein. Sport habe eine integrative Funktion, meint der frühere Leiter des Kantonalen Sozialamts. «Die zusätzlichen 600'000 Franken sind gut investiertes Geld. Nur jemand, der durch die Maschen fällt, kostet den Staat Millionen.» Ruedi Hirsbrunner, Mitglied der Gemeindekommission, entgegnet, dass Integration nicht von der Platzgrösse abhängig sei. Er spricht von einer «Luxusvariante».

Sonja Gerber lässt ihrem Frust freien Lauf. Immer wenn es um Sportliches gehe, kämen Junge an die Gemeindeversammlung, die sich sonst für Nichts interessierten, enerviert sie sich über das Lobbying der Sportvereine. Zudem sei das Debakel der Kunsteisbahn noch nicht abgeschlossen. «Wir geben das Geld mit beiden Händen aus, ein richtiger Selbstbedienungsladen.» Wenige weitere Wortmeldungen kritisieren ebenfalls die Idee des Komitees. Ein Rückweisungsantrag des Traktandums scheitert aber klar.

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