Sissach
Sissacher Rapper wollen die Weltherrschaft

Die Baselbieter Rapgruppe Tafs verehrt Hasen, Baselbieter «Gschwäll» und Chuck Norris. Seit vergangenem Jahr ist die Combo ein Verein. Er soll die Freude am Baselbieter Slang schüren.

Lucas Huber
Merken
Drucken
Teilen
Die Baselbieter Tafs spielen und arbeiten mit Baselbieter Wörtern. zvg

Die Baselbieter Tafs spielen und arbeiten mit Baselbieter Wörtern. zvg

Aargauer Zeitung

Tagsüber sind sie Zimmermann und Marketingstrategen, abends dreht sich alles um eins: Musik. Rap, um genau zu sein, Baselbieter Rap. Wie sich das anhört? «Kä Zit zum Grüble, gschwälle mit dä Süürmle, Studio grümple, s Füürobäbier isch wohlvrdiiient, dr TV trainiert, Maie im ’Biet.» So klingt es im Song «Vor dr Tür», Nummer 12 von total 14 auf dem aktuellen Album der Tafs, erschienen im vergangenen Oktober. «Gschwäll» nennt sich dieses und strotzt vor: Gschwäll. Schwadroniertes also, Dahergeredetes, Geplapper, vielleicht Gemunkel, gar Geschwätz um nichts?

Hundehäufchen für alle

Nein. Denn mit ihrer Meinung halten die Musiker keineswegs hinter dem Berg. Ihre Texte handeln allerdings nicht nur vom Essenziellen. Es geht auch darum, dass jeder einmal in Hundekacke tritt und dass man mit Orangensaft fast alles mixen kann. Dabei sind sie aber stets ehrlich: «Mir erfinde s Rad nid nöi.»

Die Tafs sind alte Hasen im Business des Sprechgesangs. Offizielle Gründung war 1997 in Liestal, gemeinsam aufgetreten sind sie aber schon vorher. Erste Kellergigs der drei Gründer Taz, Aman und DJ Flink folgten, 1999 die erste Maxiplatte, «8i Bahnhof», mit «44» 2003 das erste Album, später eine Live-CD und schliesslich, 2010, «Gschwäll».

Dazwischen machte jeder sein eigenes Ding, Taz und Aman solo, Flink produzierte mit Soulbarde Seven. In diesen Jahren stiess auch der einzige Unterbaselbieter zur Crew: der Muttenzer OK. Bis dahin hatte die Gruppe aus zwei Liestalern und einem Hölsteiner bestanden.

Nach 15 Jahren wollen die Tafs nun einzig noch das tun, wozu sie Lust und Laune haben. «Genug der Distanz und des Reimens – ohne Szene-Codes und Labelverpflichtungen», sagen sie. So sei das, was früher als Ventil diente, zur Energie-Tankstelle geworden.

Das Wörterbuch dient als Bibel

Ein Blick ins Vereinslokal in Liestal zeigt, dass man es bei den Tafs gern behaglich mag. Im Dachstuhl über Studio und Aufnahmeraum fläzt man auf einem gelben Sofa, schlürft Tee, hört Musik, vereinsmeiert – und «gschwällt», was das Zeug hält. «Wir zelebrieren die Wörter», poltert OK und zeigt auf das Baselbieter Wörterbuch: «Unsere Bibel», ergänzt Vereinspräsident Taz.

Kampfsportlegende Chuck Norris ziert als ewig Kickender in Lebensgrösse eine Ecke der Stube, hinter dem Sofa brüllt die Schwarzweiss-Kopie eines Tigers – und überall harren Hasen. Die seien, sagt Taz, irgendwie zu Maskottchen geworden – «und Flink ist unser Hasenwärter». Vereinsstubengemütlichkeit halt. Man lacht, spricht vom nächsten Tafs-Album, das 2012 erscheinen soll; vom Vereinsziel, den Baselbieter Slang zu verbreiten und die Weltherrschaft zu erlangen – und überlegt, welches die Lieblingsbaselbieterwörter sind. «Ruggede» sei selbstverständlich eins, «föpple» und «chörble» weitere. In den Songs hört man dann noch mehr. «Chnuppere» und «d Rampasse göigele». Das tun sie auch morgen, rappend im KiK in Sissach.