Trockenheit
So wenig Grundwasser wie sonst nur im Hochsommer

Die beiden Basel erleben einen der trockensten April-Monate seit Messbeginn. Die Wasser- und Stromversorgung in der Region ist dennoch garantiert.

Michael Nittnaus
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Beim Birsköpfli konnten junge Wasserratten gestern weit in den Rhein hinauswaten. Juri Junkov

Beim Birsköpfli konnten junge Wasserratten gestern weit in den Rhein hinauswaten. Juri Junkov

Die paar Tropfen Regen, die Petrus in den letzten Tagen aus den Wolken quetschte, ändern nichts daran: Die ganze Schweiz und mit ihr auch die beiden Basel erleben einen der trockensten April-Monate seit Messbeginn. Laut Meteo Schweiz fielen in Basel erst 18 Millimeter Regen – bloss 28 Prozent der April-Norm. Nicht nur für die Bauern wird die Situation langsam prekär (siehe Interview rechts). Auch der Grundwasserpegel sinkt. «Aktuell haben wir einen bis zu einem Meter tieferen Grundwasserspiegel als normal», sagt Achim Benthaus. Der Leiter Wasserversorgung vom Baselbieter Amt für Umweltschutz und Energie schliesst nicht aus, dass der Pegel weiter sinken wird, da das Grundwasser nur sehr träge auf Trockenheit reagiere.

Kleine Gemeinden eher betroffen

«Am stärksten betroffen sind die kleineren Gemeinden im Oberbaselbiet, die direkt von Quellen abhängig sind», sagt Benthaus, der jedoch noch von keiner Gemeinde auf Probleme mit der Wasserversorgung aufmerksam gemacht wurde. Er warnt aber: «Streikt irgendwo auch noch die Wasseraufbereitungsanlage, wird es problematisch.» Jetzt gelte es, die Situation genau zu beobachten.

Ungewöhnlich früh musste das Grundwasser im Birstal künstlich mit Birswasser angereichert werden. Die Versickerungsanlage in Aesch läuft seit Mitte März – und damit einen Monat früher als normal. «Sonst hätte bereits das eine oder andere Pumpwerk zu wenig Wasser gehabt», sagt Benthaus. Der Fachmann möchte die Situation aber auch nicht dramatisieren, wenn er sagt: «Die Wasserversorgung ist sichergestellt. Wir haben nun eben im April eine Lage wie im Hochsommer. Kritisch wird es nur, wenn auch die nächsten Monate trocken bleiben.»

Mehr Schiffe auf Rhein unterwegs

Auch die Flüsse führen sehr wenig Wasser. Das Bundesamt für Umwelt misst beim Rhein mit 500 Kubikmetern pro Sekunde bloss 45 Prozent des normalen Abflusses, bei Ergolz und Birs sind es sogar nur rund 20 Prozent. Noch bringt der Pegelstand von rund fünf Metern die schweizerischen Rheinhäfen nicht ins Schwitzen: «Der Rhein musste überhaupt noch nie wegen Niedrigwasser für den Verkehr gesperrt werden», sagt Sprecherin Nina Hochstrasser. Aktuell könnten die Schiffe aber weniger laden. Um dennoch die gleiche Materialmenge transportieren zu können, verkehren deutlich mehr Schiffe zwischen Birsfelden und Rotterdam. Hochstrasser: «Das ist zwar unerfreulich und kostet die Unternehmen viel Geld, aber noch haben wir genug Kapazitäten.» Die Auswirkungen der Havarie vor ein paar Monaten seien bedeutend schlimmer gewesen.

Wenig Wasser in Rhein und Birs bedeutet auch, dass die dort angesiedelten Wasserkraftwerke weniger Strom produzieren können. Bei den beiden regionalen Rheinkraftwerken in Birsfelden (29 Gigawattstunden statt 50) und Augst (14 statt 20) sind die Einbussen alleine im April massiv. Die Folge: Da die Betriebskosten gleich bleiben, steigen die Strompreise für die Energieunternehmen – am Beispiel Birsfelden etwa um rund 80 Prozent. Der Endverbraucher spüre davon aber nichts, wie EBM-Sprecher Jo Krebs versichert: «Der Werkpreis bleibt für uns dennoch günstig. Und die Lücke an Wasserstrom gleichen wir mit Gas- oder Atomstrom aus.»