Energie
Solarziegel lohnen sich in Basel – nicht in Liestal

In Basel wurde das erste Vollsolardach installiert. Es ist spektakulär und fällt doch nicht auf. In Liestal dagegen scheitert ein ähnliches Projekt mangels Subventionen.

Andreas Maurer
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Hans-Ulrich Stauffer, Geschäftsführer der Stiftung Abendrot, vor dem Vollsolardach (rechts).

Hans-Ulrich Stauffer, Geschäftsführer der Stiftung Abendrot, vor dem Vollsolardach (rechts).

Nicole Nars-Zimmer

Das erste Basler Vollsolardach ist aus technologischer Sicht spektakulär: Es ist das erste Solardach der Stadt, bei dem die Solarpanels nicht auf ein bestehendes Dach montiert werden, sondern als Ziegel funktionieren und somit selber das Dach bilden. Diese Innovation fällt in der Stadt aber nicht auf: Die Basler Stiftung Abendrot hat das Vollsolardach auf einem Hinterhaus montiert, das versteckt neben dem neuen Gebäude von Herzog & de Meuron beim Bahnhofeingang Gundeldingen steht.

Das Dach würde aber auch dann nicht auffallen, wenn man das Hinterhaus von der Strasse her sehen würde. Die Solarpanels sind nicht blau, sondern schwarz und optisch ins Dach integriert. «Wenn man es nicht weiss, sieht man dieSolarpanels gar nicht», meint Matthias Wegmann, Inhaber der Solartechnik-Firma Artisolar, die das Dach geliefert hat.

Für die Stiftung Abendrot lohnt sich das Vollsolardach finanziell: Die Investitionen sollen nach zehn Jahren abbezahlt sein. Für die restlichen 15 Jahre Lebenszeit der Solaranlage erwartet die Stiftung einen Gewinn. Die Nettorendite der Anlage, die rund 20 Haushalte mit Strom versorgt, soll fünf Prozent betragen.

Kein Vollsolardach für Hanro

Finanziell interessant ist das Projekt nur dank der kostendeckenden Einspeisevergütung, mit der der Kanton Basel-Stadt den Solarstrom subventioniert. Vollsolardächer erhalten dabei mehr Geld als herkömmliche Solaranlagen, da erstere als ästhetisch wertvoller gelten. Ohne die kantonalen Zuschüsse hätte die Stiftung Abendrot trotz ihrer alternativen Ausrichtung – sie ist aus der Kaiseraugst-Bewegung entstanden – noch nicht in ein Vollsolardach investiert. «Wir hätten abgewartet, bis die Technik günstiger wird», sagt Geschäftsführer Hans-Ulrich Stauffer.

Weil der Kanton Baselland im Gegensatz zum Pionierkanton Basel-Stadt keine derartigen Subventionen vergibt, hat Liestal noch kein Vollsolardach. Architektin Barbara Buser, die das Basler Projekt realisiert hat, plante ein ähnliches Dach auf dem Liestaler Hanro-Gebäude. Den Investoren war das aber zu teuer. Aufgrund der unterschiedlichen Energiepolitik wird man im Baselbiet wohl noch länger auf das erste Vollsolardach warten. In Basel-Stadt hingegen ist bald mit weiteren zu rechnen.