Punktesieger
SP-Nussbaumer gewinnt nach Punkten am grossen Ständeratspodium im Baselbiet

Auf dem Podium in Liestal kreuzten die vier Kandidierenden die Klingen. Die bz sieht SP-Nationalrat Eric Nussbaumer als Punktesieger.

Hans-Martin Jermann
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Ständeratswahlen Baselland Podium Kandidaten 2019
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Elisabeth Augstburger, EVP.
Maya Graf, Grüne.
Daniela Schneeberger, FDP.

Ständeratswahlen Baselland Podium Kandidaten 2019

bz

So spannend waren im Baselbiet die Wahlen um den einzigen Ständeratssitz seit Jahren nicht mehr. Die drei Nationalräte Maya Graf (Grüne), Eric Nussbaumer (SP) und Daniela Schneeberger (FDP) sowie Aussenseiterkandidatin Elisabeth Augstburger (EVP) möchten den abtretenden Ständeherrn Claude Janiak (SP) beerben. Am gemeinsamen Wahlpodium der bz und des «Regionaljournals Basel» von SRF konnten sich 120 Zuschauer im propenvollen Saal des Liestaler Kulturhotels Guggenheim von den Qualitäten der Kandidierenden überzeugen. Der Wahlkampf neigt sich dem Höhepunkt zu. Nach mehreren Podien und zahlreichen Medienauftritten werden die Konturen der Kandidierenden, deren Positionen und inhaltliche Differenzen immer klarer.

Die bz sieht den staatsmännisch wirkenden Eric Nussbaumer als Punktesieger des Podiums. Der SP-Nationalrat, den das Manko, ein Mann zu sein, aus der Defensive starten liess, scheint zuletzt Boden gut gemacht zu haben. Doch das will in Bezug auf den Wahlausgang nichts heissen. Für FDP-Kandidatin Schneeberger sprechen ihre Volksnähe und Verwurzelung im Oberbaselbiet sowie die politischen Verhältnisse im Kanton. Dieser wählt in aller Regel mehrheitlich bürgerlich; Schneeberger ist die einzige bürgerliche Kandidatin. Für Maya Graf spricht ihre ausgesprochen grosse Beliebtheit: Es gibt keine zweite Baselbieter Politikerin, die sowohl im ländlich-konservativen als auch städtisch-weltoffenen Umfeld so gut ankommt wie die Sissacher Grüne. Das Rennen ist auch dreieinhalb Wochen vor der Wahl völlig offen.

Die Kandidaten im Überblick:

Daniela Schneeberger

Hier war sie stark: Die FDP-Nationalrätin wirkte in ihren Kernthemen Wirtschaft und Sozialwerke dossierfest. Platzierte beim Thema AHV mutige Vorschläge («müssen über eine Bindung des Rentenalters an die Lebenserwartung nachdenken»). Hatte vor dem mehrheitlich linken Publikum im Guggenheim trotz moderatem Auftritt einen schweren Stand. Ihre Aussage, den Klimawandel mit Innovation und Eigenverantwortung anzugehen, sorgte für Murren. Dies steckte die einzige bürgerliche Kandidatin aber scheinbar locker weg. Bei persönlichen Fragen bewies die volksnahe Oberbaselbieterin Selbstironie.

Hier schwächelte sie: Wenns kompliziert wurde, geriet Schneebergers argumentativer Fluss ins Stocken. Unsicher bei spontanen Fragen.

Zitat des Abends: «Man darf auch mit dem eigenen Bundesrat mal fighten.» (Zu Differenzen mit FDP-Magistrat Ignazio Cassis beim EU-Rahmenabkommen).

Fazit: Abgeklärter und moderater, wenn auch nicht fehlerfreier Auftritt der FDP-Nationalrätin.

Daniela Schneeberger, FDP.

Daniela Schneeberger, FDP.

CH Media

Maya Graf, Grüne

Hier war sie stark: Die Grüne trat selbstbewusst und ernsthaft auf. Sie wies auf die mangelnde Vertretung der Frauen im Ständerat hin – aktuell nur sechs von 46. Machte verständliche und klare Aussagen. Im Duell mit Augstburger zum Thema Homosexualität hielt die Sissacherin ein flammendes Plädoyer für gesellschaftlichen Liberalismus: «Ich finde, wir sollten uns nicht einmischen, wie die Menschen zusammenleben und ob sie Kinder haben wollen. Die Ehe ist für alle da.»

Hier schwächelte sie: Graf wirkte angestrengt – und geriet bei einer wahltaktischen Frage in Erklärungsnot. Die SP hat angekündigt, dass sich Nussbaumer nach dem ersten Wahlgang zurückziehen würde, sollte er weniger Stimmen als Graf erzielen. Weshalb sie und die Grünen keine solche Zusicherung machen, konnte sie nicht erklären.

Zitat des Abends: «30 Franken nach Barcelona: Es kann nicht sein, dass Flüge so unanständig billig sind.»

Fazit: Reifer, inhaltlich klarer, aber etwas spröder Auftritt der Nationalratspräsidentin 2012/2013.

Maya Graf, Grüne.

Maya Graf, Grüne.

Keystone/Gaetan Bally

Eric Nussbaumer, SP

Hier war er stark: Der Liestaler Nationalrat präsentierte sich als Brückenbauer, der Mitte-Links-Wähler ansprechen will. EU-Rahmenabkommen, Krankenkassenprämien, Gleichstellung: Nussbaumer hielt zu allen Fragen massgeschneiderte Antworten bereit, bewies Schlagfertigkeit und Humor – auch bei Persönlichem. Im Regierungswahlkampf 2013 war die Gesichtsbehaarung des Sozialdemokraten Thema negativer Leserbriefe. Nun sei diese weg, stellte der Moderator fest. Nussbaumer: «Ich habe mich entschieden, anders als Sie nicht mit einem Dreitagebart anzutreten».

Hier schwächelte er: Der geschliffene Auftritt überdeckte, dass Nussbaumer oft unverbindlich blieb. Hat sich fast zu stark in die Rolle des ausgleichenden Ständeherrn reingedacht. Da und dort ein klares «Ja» oder «Nein» hätte gutgetan.

Zitat des Abends: «Man muss nicht alles im Ständerat korrigieren, man kann dies auch im Nationalrat tun.» (Zur Frauen-Vertretung im Stöckli).

Fazit: Staatsmännischer, souveräner Auftritt des SP-Silberrückens. Punktesieger des Abends.

Eric Nussbaumer, SP.

Eric Nussbaumer, SP.

CH Media

Elisabeth Augstburger, EVP

Hier war sie stark: nach dem medialen Shitstorm um ihre Aussagen zur Homosexualität hatte die EVP-Kandidatin aus Liestal ihre Argumente offensichtlich geordnet. Augstburger präsentierte sich ruhig und aufgeräumt. Homosexualität sei für sie keine Krankheit, stellte Augstburger klar. Sie respektiere die unterschiedlichen Formen des Zusammenlebens, die Ehe von Mann und Frau will sie aber priorisieren. Die ehemalige Landratspräsidentin, die im Gegensatz zu den anderen drei Kandidierenden über keine Erfahrung in der Bundespolitik verfügt, hatte sich auf das Podium gut vorbereitet und schlug sich auch bei den Themen AHV und Gesundheitskosten wacker.

Hier schwächelte sie: Augstburger hatte auf Nachfragen der Moderatoren oft keine schlüssigen Antworten bereit.

Zitat des Abends: «Ich bin nicht die Aussenseiterin, ich bin die Kandidatin der Mitte.»

Fazit: Trotz augenfälliger Defizite gegenüber den drei Favoriten ein beherzter Auftritt Augstburgers.

Elisabeth Augstburger, EVP.

Elisabeth Augstburger, EVP.

fotosmile - daniel jenni