Baselbiet
Sparversuch abgebrochen: Tunnel werden wieder nachts saniert

Die Unterhaltsarbeiten an Schönthal- und Chienbergtunnel tagsüber durchzuführen kam bei der Bevölkerung schlecht an. Während der Sperrungen herrschte Verkehrschaos, die lokalen Geschäfte machten Verluste. Die Tunnel werden nun wieder nachts saniert.

Sebastian Schanzer
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Der Stau auf der Rheinstrasse Ende Oktober verursachte Kosten für das lokale Gewerbe und den öV und nervte die Verkehrsteilnehmer.

Der Stau auf der Rheinstrasse Ende Oktober verursachte Kosten für das lokale Gewerbe und den öV und nervte die Verkehrsteilnehmer.

Martin Töngi

100 000 Franken wollte die Baselbieter Baudirektion sparen, indem sie die halbjährlichen Unterhaltsarbeiten am Schönthal- und am Chienberg-Tunnel von der Nacht auf den Tag verlegte. Durch diese Massnahme entfielen beispielsweise die Lohnzulagen für die Nachtarbeit. Die Summe wäre zwar erst ein Fünftel dessen, was man an Sparvorgaben für die kantonalen Hochleistungsstrassen einhalten müsste, aber immerhin. Frühzeitig teilte man die Massnahmen den Medien mit und signalisierte Tunnelsperrung und entsprechende Umleitungen ausführlich durch Verkehrstafeln. Dies in der Hoffnung, die Verkehrsteilnehmer würden sich darauf einstellen.

Kritik von allen Seiten

An den darauffolgenden vier Tagen herrschte Verkehrschaos. Auf der Rheinstrasse zwischen Liestal und Pratteln gab es lange Blechkolonnen und es entstanden betriebs- wie auch volkswirtschaftliche Schäden, weit höher als die erhofften Einsparungen von 100 000 Franken. «Die Auswirkungen der Massnahmen auf den Verkehr standen in keinem Verhältnis zu den Einsparungen», sagt Oliver Jacobi, Leiter des Tiefbauamts Baselland.

Baudirektorin Sabine Pegoraro erntete Kritik von allen Seiten. Im Landrat genauso wie von Vertretern der regionalen Verkehrs- und Wirtschaftsverbände. «Der grösste Unmut aber kam mir von der Bevölkerung entgegen», sagt Pegoraro. Ein erzürnter Autofahrer habe ihr per Mail sogar angedroht, dass er ihr seine Benzinrechnung schicken werde.

Regierung lenkt ein

Pegoraro fällte bald darauf den Entscheid, die Aktion abzublasen. Zu gross war der Unmut in der Bevölkerung, zu gross auch die entstehenden Kosten für private und gewerbliche Verkehrsteilnehmer. Die Arbeiten am Schönthal-Tunnel wurden bereits letzte Woche wieder nachts durchgeführt, und viele erhitzte Gemüter beruhigten sich. Was bleibt, ist die Frage: Wie verhandelbar sind eigentlich die Sparmassnahmen der Regierung? Denn noch vor gut zwei Wochen beteuerte Jacobi, es gäbe bei diesem Budget keinerlei Spielraum für andere Lösungen. Dem Kanton fehle schlichtweg das Geld.

Regierungsrätin Pegoraro sagt nun: «Wir wollten hier bewusst die Umsetzbarkeit solcher Massnahmen testen.» Es sei also darum gegangen, erst einmal abzutasten, wie der Verkehr und die Bevölkerung darauf reagieren würden. «Es hat sich allerdings schnell gezeigt, dass die Tunnelsperrung tagsüber nicht funktioniert. Diese Massnahmen waren nicht opportun», sagt die Baudirektorin im Nachhinein.

Aber hätte man dies nicht voraussehen können? Christoph Keigel, Präsident der «IG – Rheinstrasse vernünftig» meldete in einer Medienmitteilung Anfang Woche «erhebliche Produktivitäts- und Umsatzeinbussen» für Gewerbetreibende durch die Staus in der Rheinstrasse. Er sagt: «Natürlich hätte man das Chaos voraussehen können.» Da die Regierung aber sparen müsse, habe er durchaus Verständnis dafür, dass man solche Massnahmen ausprobiere. «Wenn man aber sieht, dass es nicht klappt, muss man den Versuch wieder abbrechen.»

Wo sparen?

Dass es vorerst beim Versuch bleibt, hat möglicherweise auch mit dem Verhalten der Verkehrsteilnehmer zu tun. Jacobi, dessen Auftrag es unter anderem ist, die Sparpläne in seinem Tiefbauamt umzusetzen, übt leise Kritik: «Die Ansprüche von Bevölkerung und Wirtschaft sind so hoch, dass wir den Sparauftrag der Regierung kaum erfüllen können. Dass wir solche Arbeiten nachts ausführen, ist für die Gewohnheit der Autofahrer komfortabel, also auch ein Nice-to-have.

Aber wo, wenn nicht da, sollen wir sparen?» Er hätte sich gewünscht, dass Autofahrer beispielsweise die Zeit am Morgen jeweils vor der Tunnelsperrung um 8 Uhr genutzt hätten. Ab 16. November werden die Unterhaltsarbeiten am Chienberg-Tunnel durchgeführt, und zwar nachts. Sparen muss man woanders.

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