Allschwiler Wald
Spaziergänger werden behutsam durch den Wald gelenkt

Im Allschwiler Wald werden die Besucherströme mit Dickicht und engen Wegen durch das Grün gelenkt, so dass die Tier- und Pflanzenwelt durch die vielen Waldbesucher nicht zu sehr belastet wird. Die Schutzmassnahmen fallen kaum auf.

Michel Ecklin
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Revierförster Markus Lack zwischen Holzzäunen, die beim Dorenbach die Waldbesucher kanalisieren und so die Vegetation schützen.

Revierförster Markus Lack zwischen Holzzäunen, die beim Dorenbach die Waldbesucher kanalisieren und so die Vegetation schützen.

Allein beim Dorenbach betreten über 40 Spaziergänger pro Stunde den Allschwiler Wald. «An sonnigen Wochenenden haben wir an den Waldeingängen wahre Völkerwandungen», sagt Markus Lack, Revierförster Allschwil/Vorderes Leimental. Bei solchen Besucherfrequenzen kann er seinen Wald nicht pflegen, wie wenn er sich abgelegen auf Jurahöhen befände. Eines seiner Ziele ist, die Besucherströme zu konzentrieren und so zu verhindern, dass der Wald zu sehr belastet wird.

So stösst der Spaziergänger beim Parkplatz Spitzwald entlang der Wege auf eine regelrechte Wand aus Dickicht. «Da läuft kaum jemand hinein», sagt Lack. Hier wurde gezielt Mittelwald gefördert. Dieser besteht aus wenigen hohen Bäumen. Dazwischen wächst dank des Lichts dichtes Gebüsch.

Der Mittelwald schützt sich also selber vor zu vielen menschlichen Eindringlingen. Mit ihm lebt aber auch eine Kulturtradition auf. Jahrhundertelang lieferte der künstlich erhaltene Mittelwald viel Brennholz. Heute weiss man zu schätzen, dass er zahlreichen Pflanzen und Tieren Lebensraum bietet.

Ähnlich subtil ist die Besucherführung mit liegen gelassenem Totholz und Stämmen entlang der Wege. An anderen Orten ist die Lenkung deutlicher erkennbar, etwa beim Übergang über das Tobel des Dorenbachs: Wo der Waldboden früher mehrere Meter abgelaufen war, stehen jetzt Holzzäune, dahinter spriesst es.

An den rund 20 Kilometern Waldrand des Allschwiler Waldes werden gezielt alte Baumbestände entfernt, um Jungwald zu fördern. Das schafft nicht nur ökologisch wertvolle Übergangsräume. Es hindert auch die Spaziergänger daran, die Wege zu verlassen. «Die meisten wollen auf breiten Wegen durch den Wald spazieren», hat Lack festgestellt.

Auf den bewusst enger gehaltenen Pfaden findet man hingegen Ruhe. Drastisch zum Ausdruck kommt dies mit dem Kuhgatter bei der Feuerstelle Unterlangholz. Die Botschaft ist unmissverständlich: Hier sind weder Reiter noch Velofahrer erwünscht.

Auch einfach mal austoben

Und dann gibt es auch Gebiete, wo der Wald frei betreten werden darf und soll. So ist es bei einigen Feuerstellen kahl. Doch die Bereiche sollen nicht grösser werden. Rund um die Plätze erstellt der Revierförster regelmässig Holzhaufen. Dort nehmen die Griller ihr Brennholz – und lassen den Wald dahinter in Ruhe.

Beim Spielplatz Plumpi gibt es einen steilen Hang, für Kinder eine ideale Rutschbahn. Da wächst auf mehreren Metern Breite nichts mehr zwischen den Bäumen. «Die Kinder sollen sich doch auch mal austoben dürfen», sagt Lack. Doch um den Bereich zu begrenzen, liess er neben der Naturrutschbahn einige Bäume entfernen. Das Licht förderte den Unterwuchs – der Rutschbereich ist jetzt auf natürliche Weise definiert.

Beim Geniessen des Naturraums Allschwiler Wald muss man sich wohl verabschieden von der Idee, dass hier die Natur frei wuchert. «Es gab schon immer eine Symbiose zwischen Allschwil und seinem Wald», sagt Lack. «Der Mensch gestaltet eben den Wald nach seinen Bedürfnissen.»

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