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Spital Liestal kriegt, was Bruderholz gern hätte

Ab 2011 bietet das Spital Liestal eine hausärztliche Notfallpraxis fürs Oberbaselbiet. Fürs Unterbaselbiet gibt es wohl noch einige Vorstösse.

Michael Nittnaus
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Am Schluss ging alles ganz schnell: Ende Oktober beschlossen die Oberbaselbieter Hausärzte, ab 2011 eine zentrale Notfallpraxis im Kantonsspital Liestal einzurichten («Der Sonntag Ausgabe Baselland» berichtete). Dass man sich einigen konnte, nächstes Jahr zu starten, schien nach monatelangen Verhandlungen eigentlich kaum mehr realistisch. «Nachdem sich die Baselbieter Ärztegesellschaft entschlossen hatte, fürs Oberbaselbiet und Unterbaselbiet auch verschiedene Lösungen zu akzeptieren, war der Weg für uns frei», freut sich Heinz Schneider.

Hausärzte gaben beim Lohn nach

Der Direktor des Kantonsspitals Liestal lobt das Entgegenkommen der Ärzteschaft: Diese hatte lange Zeit eine Stundenpauschale von mindestens 200 Franken für ihre Einsätze in der Spitalpraxis gefordert – analog zur Entlöhnung im Unispital Basel. Nun einigte man sich auf 150 Franken. «Die absolute Obergrenze» für Schneider – «eigentlich viel zu wenig», hält Ärztegesellschafts-Präsident Lukas Wagner dagegen fest.

Beide sehen aber die Dringlichkeit, gegen die beim Notfalldienst teilweise unzumutbare Belastung für Hausärzte im Oberbaselbiet etwas zu tun. Ab nächstem Jahr werden deshalb die drei bestehenden Notfallkreise um Liestal, Bubendorf und Sissach zusammengelegt. Werktags von 18 bis 23 Uhr und an den Wochenenden von 10 bis 23 Uhr müssen Patienten dieser Kreise dann ins Spital Liestal kommen – auch wenn sie in Zeglingen wohnen. So sollen die dienstpflichtigen Hausärzte entlastet werden, von denen es gerade im Ober-
baselbiet immer weniger gibt. Für immobile Patienten wird es einen Pikettarzt geben, der Hausbesuche macht. Leute ohne Hausarzt werden zudem tagsüber in eine von drei
Tagespraxen gehen können. An der Ärztegesellschafts-GV vom 25.November dürfte die nötige Anpassung der Notfalldienstordnung reine Formsache sein.

Während man sich im Oberbaselbiet einig ist, dürfte eine Lösung für den unteren Kantonsteil noch eine Weile dauern. «Wir sind bereit», betont Bruderholzspital-Direktor André Hug, seit das Spital vor einem Jahr einen eigenen «Fast Track» für leichte Verletzungen eingeführt hat und diesen seither mit eigenem Personal und extra angestellten Assistentinnen betreut. Hug macht denn auch Druck: «Auf lange Sicht ist das für uns nicht tragbar.»

Unterbaselbiet gespalten

«Auf die GV hin wird es bei uns sicher noch keine Einigung geben – und garantiert auch keine zentrale Notfallpraxis per 2011», wird Esther Ramseier deutlich. Die Oberwiler Hausärztin ist an den Verhandlungen der Unterbaselbieter Ärzteschaft dabei. Dabei deutet sich eine Spaltung an: Während Binningen, Bottmingen, Muttenz, Birsfelden und Pratteln eher einer Bruderholz-Variante zugeneigt sind, möchten die Gemeinden der Notfallkreise Münchenstein, Reinach, Oberwil und Allschwil dies nicht. Daher könnte am Ende die Notfallpraxis im Bruderholzspital nur an den Wochenenden von willigen Hausärzten besetzt sein.

«Bei uns funktioniert das dezentrale System der Notfallkreise. Eine Zentralisierung brächte bloss Nachteile für Hausärzte und Patienten», sagt Ramseier. So seien genug Ärzte vorhanden und diese könnten in ihrem Kreis schneller reagieren – auch die Patienten hätten kürzere Wege. Und Ramseier verschweigt nicht: «Natürlich haben wir auch andere Lohnvorstellungen.»