Spezialisierte Medizin
Spitäler in der Region buhlen um komplexe Bauchchirurgie

Zwischen den Spitälern herrscht Konkurrenzkampf. Ein Beschlussorgan entscheidet, wo die komplexesten Operationen durchgeführt werden. Bereits einen hohen Stellenwert hat das Unispital Basel. Auch das Kantonsspital Baselland könnte bald seltene Eingriffe vornehmen.

Leif Simonsen
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Ärzte operieren einen Patienten. (Symbolbild)

Ärzte operieren einen Patienten. (Symbolbild)

Keystone

Seit der Einführung des neuen Krankenversicherungsgesetzes 2012 herrscht Konkurrenzkampf zwischen den Spitälern. Nur in der hoch spezialisierten Medizin (HSM) gibt es noch eine ordnende Hand.

Ein Beschlussorgan, unter anderem bestehend aus den Gesundheitsdirektoren der Kantone Aargau, Basel-Stadt, Bern, Fribourg, Genf, Tessin, Luzern, Waadt, St.Gallen und Zürich, darf entscheiden, in welchen Spitälern die komplexesten und seltensten aller Operationen vorgenommen werden dürfen. Damit soll die Anzahl der Eingriffe an den einzelnen Standorten hochgehalten werden, was zu besserer Qualität führen soll.

Claraspital und KSBL mit Premiere

Seit vier Jahren definiert das HSM-Beschlussorgan die Bereiche, die zu regulieren sind und entscheidet über die Zuteilungen. Diese verdeutlichen, welchen Stellenwert schon heute das Unispital Basel in der Schweizer Spitallandschaft geniesst. Im Kantonsspital Baselland (KSBL) macht man sich dagegen seit der neuen Spitalfinanzierung Sorgen im Umfeld der universitären Spitzenmedizin.

Da dürfte der bevorstehende Entscheid zur komplexen Bauchchirurgie dem KSBL wieder Auftrieb geben. Wie Recherchen der bz ergeben haben, sieht die Vereinbarung vor der entscheidenden zweiten Lesung anfangs Juli neben dem Unispital nämlich das KSBL und das Basler St. Claraspital als Anbieter vor.

Dies ist insofern bemerkenswert, als schweizweit nur 20 Spitäler eine Zulassung bekommen werden - 10 davon sind definitiv, 10 provisorisch. Es ist überhaupt das erste Mal, dass in der Region in der Erwachsenenmedizin ein Spital ausserhalb des Basler Unispitals berücksichtigt wird. Die als komplex oder selten definierten Eingriffe umfassen in der Bauchchirurgie die vier Organe Speiseröhre, Leber, Bauchspeicheldrüse und Rektum. Zudem wird separat über die Zuteilung der Bariatrie (Behandlung von Übergewichtigen) entschieden.

Insbesondere für das Claraspital ist der Entscheid wegweisend, ist die Bauchchirurgie doch einer seiner profiliertesten Bereiche. «Hier sind wir einer der bedeutendsten überregionalen Anbieter - sei es, was die Fallzahlen angeht, aber auch die Infrastruktur, die Prozesse und die Mortalität», sagt Direktor Peter Eichenberger. Urs-Peter Modespacher, Sprecher des KSBL, sieht dem Entscheid des HSM-Beschlussorgans auch entspannt entgegen: «Wir gehen davon aus, dass wir den Zuschlag bekommen.»

Wenn der Baselbieter Kantonsarzt Dominik Schorr die Interkantonale Vereinbarung über die hoch spezialisierte Medizin als «Bedrohung für die mittelgrossen regionalen Spitäler» sieht, dann meint er im Umkehrschluss: Die Grossen gehen als Sieger vom Platz. Und zu diesen gehören zumindest in der Bauchchirurgie die Häuser in der Region Basel.

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