Gesundheitswesen
Spitalpsersonal darf keine Flugblätter verteilen

Die Spitaldirektoren beider Basel wollen am nationalen Protesttag des Gesundheitspersonals keine Flyer-Verteilaktionen auf ihrem Areal zulassen. Die Patienten sollen auf Spitalarealen nicht von Flugblättern verunsichert werden.

Michael Nittnaus
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Das Gesundheitspersonal hat genug. Übermorgen Donnerstag protestiert es schweizweit gegen schlechte Arbeitsbedingungen.

Das Gesundheitspersonal hat genug. Übermorgen Donnerstag protestiert es schweizweit gegen schlechte Arbeitsbedingungen.

Keystone

Die Zitrone ist ausgepresst. Das Gesundheitspersonal in Spitälern, Pflegeheimen oder der Spitex hat sich in der ganzen Schweiz organisiert und ruft aus: «Wir sind sauer.» Am Donnerstag soll ein nationaler Signaltag dem Unmut Luft verschaffen (siehe Kasten). «Wir befürchten, dass sich die Arbeitsbedingungen immer weiter verschlechtern. Es droht ein Personalnotstand», sagt etwa Daniel Simon. Der Vizepräsident der Sektion beider Basel des Berufsverbands der Pflegefachpersonen (SBK) äussert die Angst, dass «Patienten langsam nur noch abgefertigt statt betreut werden». Dies gerade im Hinblick auf die Einführung der Fallpauschalen oder der neuen Pflegefinanzierung 2012.

Flyer-Aktion abgeblasen

Eigentlich wollte der SBK übermorgen auch vor den Eingängen der verschiedenen Spitäler präsent sein und mit Flyern auf die schwierige Lage des Personals hinweisen. Doch sowohl die Direktoren der Baselbieter Kantonsspitäler Liestal, Bruderholz und Laufen wie auch ihre Basler Kollegen aus dem Universitäts- und Felix-Platter-Spital wiesen explizit darauf hin, dass politische Werbung auf dem gesamten Spitalareal verboten sei. «Dieses Verbot enttäuscht uns sehr. Vor allem die Radikalität erstaunt», sagt Simon. Es gehe schliesslich nicht um einen lauten Protestmarsch, der die Patienten stören könnte. Ähnlich sieht das Susanne Nese von der Basler Sektion der Gewerkschaft des Personals im öffentlichen Dienst (VPOD): «Die harsche Reaktion auf den Signaltag fördert nicht unbedingt das gegenseitige Vertrauen», sagt sie.

Angestellte vor Repressalien schützen

SBK und VPOD beugen sich aber dem Verbot und verzichten sogar komplett auf die Flyer-Aktion. «Natürlich dürften wir auf öffentlichem Grund wie der Bushaltestelle beim Bruderholz Flyer verteilen, doch wir wollen die dortigen Angestellten vor Repressalien schützen», sagt Nese. Was geplant bleibt, sind Ansteckclips in Zitronenform oder gelbe Kleidung: «Das kann die Spitalleitung definitiv nicht verbieten», fügt Nese an.

Die Spitaldirektoren haben für die Kritik an der Arealsperre wenig Verständnis. Das Politwerbungsverbot sei nichts Neues und gelte dem Schutz der Patienten, heisst es unisono. Dieser dürfe nicht verunsichert werden. Bruderholz-Direktor André Hug hält aber fest: «Das ist das erste Mal überhaupt, dass ich eine Protestaktion auf dem Gelände verbiete.» Der Inhalt des schweizweit identischen Flyers könnte von den Patienten fälschlicherweise auf die Baselbieter Spitäler bezogen werden. «Auf uns trifft dies aber nicht zu», sagt Hug überzeugt.

Personal teilweise überlastet

Auf dem Flyer heisst es unter anderem: «Das Gesundheitspersonal will seine Arbeit verantwortungsvoll und zum Wohl der Patienten machen. Unsere Arbeitsbedingungen lassen dies jedoch immer weniger zu.» Nese steht auch mit Blick auf die Region hinter dieser Formulierung. «Wir haben auch Rückmeldungen aus dem Bruderholz-Spital, dass einige Abteilungen zu wenig Personal beschäftigen und die Angestellten so stark belastet sind.» Zudem gehe es nicht zuletzt um die von härterem Wettbewerb geprägte Zukunft nach Einführung der Fallpauschalen 2012.

«Man soll sich Veränderungen stellen und das Beste daraus machen», kontert der Liestaler Spitaldirektor Heinz Schneider. Generell bevorzuge er den Dialog dem Protest. «Die Ausgangslage für faire Gespräche hat sich auf alle Fälle verschlechtert», sagt aber Simon vom SBK. Beide Seiten sind sichtlich sauer.