Umzug
Sportmuseum packt in Basel die Kisten

Jetzt ist es definitiv: Das Sportmuseum zügelt von Basel ins Baselbiet. Nach 50 Jahren an der Missionsstrasse in Basel gehts definitiv in ein Begehlager in Münchenstein. Es sei die ideale Liegenschaft am idealen Standort, sagt der Museumsleiter.

Jürg Gohl
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Das neue Heim des Sportmuseums in Münchenstein

Das neue Heim des Sportmuseums in Münchenstein

Nicole Nars-Zimmer

Der Zügeltag dauert eigentlich einen Monat: Ab 1. Juni stehen die neuen Räumlichkeiten, ein ganzes Stockwerk im Dreispitz-Areal an der Reinacherstrasse 1 und 3 in Münchenstein, zur Verfügung. Am 30. Juni endet die Ära des Sportmuseums in der Schiess’schen Villa an der Missionsstrasse 28 in Basel nach genau 50 Jahren. Am neuen Standort kann sich das Museum auf einer Ausstellungsfläche von 820 Quadratmetern ausbreiten. «Für uns eine ideale Liegenschaft an einem idealen Standort», sagt der Museumsleiter Gregor Dill und verweist dabei auf die Entwicklung und Aufwertung, die das Dreispitz-Areal in den nächsten Jahren durchleben wird.

Dill sieht zudem einen alten Wunsch erfüllt: Die mehrheitlich kleineren Objekte und Dokumente, die derzeit an der Missionsstrasse in Zügelkisten eingepackt werden, und die grösseren Objekte, die im Birsfelder Industriequartier im Sternenfeld in einer Art Schaulager aufbewahrt sind, können auf diese Weise nun zusammengeführt werden. Rund ein Viertel der total 150000 Einheiten, wie die Ausstellungsstücke jeder Grösse bezeichnet werden, lagert in Birsfelden, wie zum Beispiel Hochräder, Turngeräte oder die insgesamt 30 Bob-Schlitten.

Begehlager an der Kantonsgrenze

Aus diesem Grund sprechen weder Dill noch der Baselbieter SP-Landrat Martin Rüegg, der im Stiftungsrat des Museums sitzt, von einem Umzug von Basel-Stadt nach Baselland. Volumenmässig sei der grössere Teil des Sammelguts bereits im Baselbiet aufbewahrt worden. Das Begehlager rückt sogar noch mehr in Stadtnähe, denn die Kantonsgrenze führt am Eingang des neuen Museums vorbei. Zudem wird die Geschäftsstelle weiterhin in Basel geführt, allerdings nicht mehr an der Missionsstrasse. Denn dort wurde dem Museum die Miete um ein Mehrfaches erhöht.

Dass das Sportmuseum damit zugleich in Baselland und Basel-Stadt zu Hause ist, ist aus politischen Gründen nicht ganz unerheblich. Der Grosse Rat, er diesen Monat, wie auch der Landrat, er im Herbst, müssen über einen Kredit über je 150000 Franken entscheiden – und zwar rückwirkend auf das Jahr 2010 (die bz berichtete mehrfach). Diese Subvention steht in keinem Zusammenhang mit dem Umzug. «Es besteht ein grosser Investitionsbedarf bei der Sammlung», sagt Historiker und Museums-Mitarbeiter Claudio Miozzari.

Geld fehlt für Sammlungspflege

Das Sportmuseum benötige das Geld, um die Sammlung zu katalogisieren und zu pflegen. Die verschiedenen Projekte wie etwa die geplante Unterwasser-Ausstellung im neuen Gitterli-Schwimmbad, das mobile Museum zu Anlässen wie die Olympischen Spiele oder die Schwingerbildli-Aktion sind kostendeckend. Und auch der kostspielige Umzug schlägt dank eines Sponsors – gemäss Rüegg handelt es sich um die EBM – nicht zu stark zu Buche.

An der Reinacherstrasse will sich das Sportmuseum in ein Begeh-Lager wandeln. Darin steht dem Besucher die ganze Sammlung offen. Kein Kurator legt die Themen und die Objekte fest, die dem Besucher gezeigt werden. Dies ermöglicht, dass dank technischen Hilfsmitteln Führungen zu einem speziellen Thema jederzeit möglich sind. Dill spricht von einer «Lagerästhetik»: «Es wird ein Lager sein, kein Museum im klassischen Sinn. Die Sammelstücke sind dort auch vermehrt zum Anfassen.»

Nachdem das Sportmuseum mit seiner mobilen Variante sehr erfolgreich gewesen ist, sich aber die Besucherzahlen an der Missionsstrasse in engen Grenzen gehalten haben, ist Stiftungsrat Martin Rüegg guter Dinge. Als er mit einer Gruppe Landräte oder zuletzt mit Gymnasiasten das Schaulager in Birsfelden besuchte, seien die Gäste begeistert gewesen.

Rüegg wünscht sich, dass nicht nur Baselland und Basel-Stadt bereit sind, an das einzigartige Sportmuseum zu zahlen, sondern sich auch Swiss Olympic, der nationale Sport-Dachverband, stärker engagiert. «Kein Bereich hat eine grössere Bedeutung für das öffentliche Leben als der Sport», sagt Rüegg, «und ein bisschen mehr Kultur tut dem Sport doch auch ganz gut.»