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Jetzt gilt es Ernst für den Dom: Aesch entscheidet über 19,5-Millionen-Kredit

In der neuen Eventhalle sollen unter anderem die Volleyballerinnen von Sm'Aesch Pfeffingen ihre internationalen Spiele austragen. Doch auch die Vereine und der Amateursport würden von der Multifuktionshalle profitieren, schreibt der Gemeinderat. Die Kritiker bezweifeln jedoch, ob es die neuen Flächen überhaupt braucht.

Benjamin Wieland
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Visualisierung des Aescher Doms. An der Gemeindeversammlung vom 15. Juni 2021 entscheidet die Gemeindeversammlung über den Investitionskredit.

Visualisierung des Aescher Doms. An der Gemeindeversammlung vom 15. Juni 2021 entscheidet die Gemeindeversammlung über den Investitionskredit.

Visualisierung: Häring & Co AG

Am Dienstag gilt es ernst. Dann stimmt Aesch über den Dom ab, die neue Sport- und Kulturhalle, die bis zu 1800 Zuschauer fassen soll. Zweimal war das Traktandum verschoben worden – jetzt hätte der Gemeinderat gerne Klarheit darüber, ob der Souverän die Holzkuppel will. Einmalig wäre sie zwar in der Region Basel, aber sie hat auch ihren Preis: 19,5 Millionen Franken.

Die Front der Befürworter und Gegner läuft quer durch alle Parteien. Die SP hat Stimmfreigabe beschlossen, die SVP empfiehlt ein Nein, die CVP ist dafür. Am lautesten für ein Ja setzt sich die FDP ein. Es war «ihre» Marianne Hollinger, bis 2020 Gemeindepräsidentin, die das Projekt vorangetrieben hat.

Hollingers Nachfolgerin, Eveline Sprecher von der SP, weibelt ebenso für die Multifunktionshalle. Doch gerade aus ihrer Partei kommt ein gewichtiger Dom-Kritiker. Alt-Gemeinderat Paul Svoboda äusserte sich mehrfach ablehnend zum Projekt. Für ihn steht fest: An der Freiluft-Gemeindeversammlung am kommenden Dienstagabend erhält die Holzkuppel von ihm ein Nein.

«Dom ist nice to have – nicht weniger, aber auch nicht mehr»

«Der Gemeinderat kann noch so lange von einem Platzproblem reden in Aesch», sagt Svoboda zur bz. «Aber ich stelle das klar in Frage.» Der viel beschworene Hallen-Notstand existiere nicht, das könne er einschätzen, als ehemaliger Handballer, der auch 16 Jahre lang Juniorinnen und Junioren trainiert habe. «Es mag vorkommen, dass zwei Vereine am selben Abend die gleiche Halle benutzen möchten und ein Team auf einen anderen Tag ausweichen muss. Aber bitte, darum baut man doch keine teure neue Halle.»

Als vor ein paar Jahren die bestehende Löhrenackerhalle für 4,5 Millionen Franken saniert worden sei, habe niemand von Hallenproblemen gesprochen. «Wie erklärt man sich diesen Umstand?» Es sei in einer unsicheren Zeit wie jetzt schlicht nicht zu verantworten, so viel Geld auszugeben. «Der Dom ist nice-to-have, nicht weniger, aber auch nicht mehr.»

Dom schlägt gleich mehrere Fliegen mit einer Klappe

Der Gemeinderat sieht das anders. In den Unterlagen zur Gemeindeversammlung wird eine Studie erwähnt, die den Hallenmangel belegen soll. Es gehe auch darum, Räume zu schaffen, die es derzeit noch gar nicht gebe. So fehle etwa dem Musikverein ein geeignetes Lokal, schreibt der Gemeinderat. Mit dem Dom würden auch dringend benötigte Garderoben für den Mädchenfussball erstellt. Fünf Millionen Franken seien schon an Drittmitteln versprochen.

Nicht zuletzt könnten die Volleyballerinnen von Sm’Aesch Pfeffingen mit dem Dom ihre Europacup-Partien endlich zu Hause austragen, müssten nicht mehr nach Basel ausweichen. Die finanziellen Aussichten für Aesch seien auch gut. Darum, schreibt der Gemeinderat, solle man mutig sein:

«Wir sind Aesch bigott».

Aesch brauche mehr Räume, sagt Cyrill Thummel. «Der Dom ist eine patente Lösung für alle.» Als Trumpf bezeichnet der Alt-Gemeindepräsident (CVP) die Lage der Halle, am nordwestlichen Rand des Siedlungsgebiets, gleich bei der heutigen Löhren­ackerhalle, die stehen bleiben soll. «Kultur im Dorf kann man vergessen», sagt Thummel. «Wenn der Musikverein nach zehn Uhr probt, gibt’s gleich ein Telefon an die Polizei, Lärmbelästigung.»

Die Lage des Doms bei Aesch Nord.

Die Lage des Doms bei Aesch Nord.

Der Dom vereine alle Bedürfnisse unter einem Dach, Sporthallen, Aula, Übungslokal, die neuen Mädchengarderoben und so weiter. «Für Aesch wäre der Dom ein neues Aushängeschild. Eine viereckige Kiste hinstellen kann jeder.» Der Preis sei zudem tief, wenn man die schon gesprochenen Beiträge betrachte. «Eine Dreifachturnhalle mit allen Extras, die der Dom bietet, würde rasch einmal 12, 13 Millionen Franken kosten. Der Dom wird, abzüglich der 5 Millionen an Drittmitteln, 14,5 Millionen Franken teuer. Das können und sollten wir uns leisten.»

«Ewiggestrige» seien die Dom-Gegner, sagt Thummel. «Wissen Sie, wenn jetzt Corona nicht wäre, würden sie irgendeinen anderen Grund finden, um gegen den Dom zu sein.»

Der Hersteller versichert: Das Preisschild ist fix

Immerhin: Die Aescherinnen und Aescher dürfen sich sicher sein, dass der Dom nicht teurer wird als die 19,5 Millionen Franken. Die Herstellerin, die Häring & Co AG, hat das Kostendach garantiert. Von Häring stammen unter anderem die Salzlagerhallen Saldome I und II in Riburg bei Möhlin.

Dass jetzt schon klar ist, wer die Kuppel bauen darf, sorgte für Kritik. Der Gemeinderat vergab den Auftrag ohne öffentliche Ausschreibung an die Schreinerei Häring in Eiken, weil nur diese Firma das Projekt nach den Wünschen Aeschs zu bauen in der Lage sei, wie der Gemeinderat verlauten liess.

Paul Svoboda hegt Zweifel: «Ich habe Mühe mit der Begründung für die freihändige Vergabe. Ich hätte mir bei einem Generationenprojekt einen Wettbewerb gewünscht. Stattdessen sagte sich der Gemeinderat: ‹Uns gefallen diese Häring-Dome, so einen wollen wir auch!›.»

Zur Studie über die Platzprobleme sagt er: «Ich war in der Anfangsphase der Planungen für den Dom noch im Gemeinderat. Es war nicht so, dass die Vereine auf uns zugekommen wären mit dem Wunsch nach mehr Räumlichkeiten – eher war es umgekehrt: Der Gemeinderat liess die Vereine anfragen, ob sie neue Hallen brauchen könnten.»

Wenn der Investitionskredit für den Dom am Dienstag ein Ja erhält, ist immer noch ein Referendum möglich. Svoboda sagt, er würde es unterstützen. «Dann könnte die Bevölkerung abstimmen. Das wäre wichtig bei einem solch grossen Projekt.»