Stimmungslage
Spur der Angst im Stedtli: Was das Corona-Virus mit den KMU im Baselbiet macht

Die Liestaler Läden sind ganz unterschiedlich betroffen von der Corona-Krise – aber nicht alle so, wie man es erwarten würde. Im Kantonshauptort herrscht zurzeit Unsicherheit zur wirtschaftlichen Zukunft.

Andreas Hirsbrunner
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Leeres Stedtli: Die Vorsicht vor dem Corona-Virus macht sich auch in Liestal breit.

Leeres Stedtli: Die Vorsicht vor dem Corona-Virus macht sich auch in Liestal breit.

Kenneth Nars

Das Liestaler Stedtli im Corona-Virus-Zeitalter ist nicht mehr dasselbe wie zuvor. Das zeigt eine Umfrage in diversen Geschäften. Wobei die Aussagen teils überraschen und das Leiden ziemlich ungleich verteilt ist. Am grössten sind die Umsatzeinbrüche bei der «Buchinsel». Ladenleiterin Heidi Jauslin spricht von einem Rückgang von rund einem Drittel im Vergleich zum Vorjahr. «Ob das wirklich mit dem Corona-Virus zusammenhängt, weiss ich nicht mit Sicherheit. Aber zeitlich stimmt es etwa überein. Ich erkläre mir das damit, dass die Leute derzeit alles, was nicht dringlich ist, aufschieben.»

Gleichzeitig hofft sie, dass das wirklich auch so sei und die Einkäufe nachgeholt werden, wenn sich die Lage beruhigt. Im Laden seien die Hygienevorkehrungen erhöht worden und das Personal wasche sich die Hände «extrem oft», sagt Jauslin. Sie selbst sei jedem Kunden dankbar, der mit Kreditkarte bezahle. Beim Bargeld habe sie immer ein etwas mulmiges Gefühl, es in die Hände zu nehmen.

Die Kundenfrequenz geht zurück

Einen Rückgang bei der Kundenfrequenz spürt auch Manor im Bücheli-Center. Filialleiterin Irene Schocher sagt es so: «Es kommen seit März weniger Leute, aber ich kann das noch nicht quantifizieren.» Anders tönt es bei Fabrice Bütler vom gleichnamigen Herren- und neuerdings auch Damenmodegeschäft. Er sagt: «Wir verspüren bis jetzt weder einen Umsatz- noch einen Frequenzrückgang. Wir sind aber auch kein Shoppingcenter, wo die Leute eng beieinander stehen.» Doch gleichwohl trifft ihn die Epidemie im empfindlichsten Moment. Dazu Bütler: «Unsere Lager sind randvoll.

Wir haben 90 Prozent der Frühlings- und Sommermode eingekauft und bezahlt. Es gibt keinen Weg zurück.» Und das doppelt. Denn in der zweiten Februarhälfte hat Bütler sein neues Damenmodegeschäft eröffnet. Erstmals verzichtet er beim traditionellen Modeapéro von nächstem Samstag auf ein Buffet. Aus hygienischen Gründen setze er auf eine Theke mit Bedienung. Und wie hält er es mit engen Kundenkontakten zum Beispiel beim Abstecken von Kleidungsstücken? «Ich versuche es mit Humor und sage zum Kunden: Sie haben ja keine Krankheitssymptome, darf ich schnell in Ihre Nähe kommen?» Für das Personal gelte ansonsten, Distanz zu halten und nach jedem Kunden die Hände zu waschen. Wie Jauslin von der «Buchinsel» will Bütler möglichst wenig Bargeld in die Hand nehmen: «Wir überlegen uns, ob wir eine Kartenzahlpflicht einführen sollen.»

Die Apotheke floriert, den Beizen fehlen die Kunden

Wiederum anders sieht es – nicht ganz unerwartet – bei der Saner-Apotheke aus. Die Liestaler Geschäftsleiterin Andrea Candolfi sagt: «Wir haben eher mehr Kunden. Viele sind nervös und verunsichert und kommen mit Fragen zum Corona-Virus.» Am wichtigsten sei jetzt, Abstand zu halten und ein regelmässiges Händewaschen mit Seife über 30 Sekunden. Zudem weise sie vor allem jüngere Kunden darauf hin, nicht mit anderen Menschen aus denselben Behältern zu essen oder zu trinken.

Betreffend Abstand will die Saner-Apotheke in den nächsten Tagen auf dem Boden eine Linie zwei Meter vor der Theke anbringen, um die Kundschaft zusätzlich darauf hinzuweisen. Sobald das Personal näheren Kontakt habe wie etwa beim Blutdruckmessen, werde je nach Situation eine Schutzmaske getragen, ergänzt Candolfi. Zudem versuche man, die Kundenkontakte zeitlich knapp zu halten. Und wie um die Geschäftsleiterin zu bestätigen, herrscht während des Gesprächs ein stetes Kommen und Gehen von Kunden wie in keinem andern besuchten Geschäft.

Der Italiener hat es nicht einfach

In einer Ausnahmesituation dürfte sich das Café Angolo Dolce befinden, könnte man meinen. Denn die Italianità, im Normalfall ein Bonus, könnte in Anbetracht der derzeitigen Corona-Situation in Italien zum Malus werden. Inhaber Enrico Lamano winkt ab: «Wir verspüren schon Vorsicht bei den Leuten und etwas weniger Frequenz, aber nichts von einem Vorbehalt gegen italienische Produkte oder Personen.» Mühe mache ihm aber als Italiener, dass er die Leute nicht mehr umarmen dürfe. Dieses Verhalten sei so in ihm drin, aber natürlich halte er sich jetzt an die Distanz-Empfehlungen. Auch das «herzlich», ein anderes Restaurant mitten in Liestal, spürt Auswirkungen des Corona-Virus. Über Mittag fehlt laut Inhaberin Beatrice Rieder jener Teil der berufstätigen Gäste, der jetzt zu Hause arbeitet. Das seien 10 bis 15 Prozent.

Beim Besuch der Geschäfte am Mittwoch wirkte das Stedtli als Ganzes weniger belebt als im Normalfall. Das deckt sich mit den Rückmeldungen, die Irene Müller, Sprecherin von KMU Liestal, in den vergangenen Tagen erhalten hat. Auch sie meint: «Viele Leute machen nur das, was sie unbedingt machen müssen. Das ist bitter für die Gewerbetreibenden.»