Schwarzbubenland
Spuren und mögliche Sichtung: Ist der Wolf in der Region?

Ein Jagdaufseher aus dem Schwarzbubenland behauptet, einen Wolf gesehen zu haben. Und auch eine Wildtier-Spezialistin glaubt, Wolfsspuren entdeckt zu haben. Doch der absolute Beweis – DNA-Spuren oder ein Schnappschuss einer Fotofalle – fehlen noch.

Andreas Hirsbrunner
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Streift Isegrim in den Wäldern unserer Region umher?

Streift Isegrim in den Wäldern unserer Region umher?

KEYSTONE

Der Natur- und Vogelschutzverein Blauen-Dittingen-Nenzlingen hatte nie und nimmer mit einem solchen Volksaufmarsch gerechnet. Schliesslich wohnten am Mittwochabend über 100 Personen im Dittinger Gemeindesaal dem Vortrag «Luchs und Wolf in der Schweiz mit Fokus auf das Baselbiet» von Kora-Mitarbeiterin Manuela von Arx bei.

Zur wahrscheinlich brennendsten Frage sagte von Arx: «Man weiss nie, wann ein Wolf auftaucht. Das kann auch hier jederzeit der Fall sein.» Denn das Raubtier lege auf seinen Wanderungen Hunderte von Kilometern zurück. Tatsächlich sei denn im letzten Januar westlich von Kleinlützel an der Grenze zu Frankreich auch eine Wolfsspur entdeckt worden. Aber ein handfester Nachweis fehle. Dies wäre eine genetische Probe in Form einer DNA-Analyse von Kot oder Speichel bei einem Riss oder eine Aufnahme von einer Fotofalle.

Das gilt auch für die Wolfssichtung des Seewner Jagdaufsehers Heini Dalcher. Der in Jagdkreisen als sehr erfahren und als guter Beobachter geltende Dalcher sagte diese Woche zur bz: «Ich bin hundertprozentig sicher, dass ich diesen Sommer einen Wolfsrüden am Holzenberg gesehen habe.» Er habe bis etwa vor drei Wochen im Raum Hochwald-Seewen auch wiederholt Wolfsspuren ausgemacht. Aber eben, der endgültige Beweis fehlt. So sagen denn auch von Arx und die beiden Jagdverwalter von Solothurn und Baselland unisono: «Das ist nicht auszuschliessen. Aber uns ist nichts bekannt.»

Von Arx veranschlagt den Schweizer Wolfsbestand auf 35 bis 40 Tiere. Die meisten sind Bestandteil der drei Rudel am Bündner Calanda-Massiv, im Morobbia-Tal bei Bellinzona und in der Walliser Augstbord-Region. Das Bündner und Tessiner Rudel hatte in diesem Jahr acht respektive fünf Junge; das Walliser Wolfsrudel blieb ohne Nachwuchs.

Monitorings mit Fotofallen

Anders ist die Situation beim Luchs. Hier hat Kora, eine Stiftung, die sich seit über 20 Jahren auf wissenschaftlicher Basis mit den Raubtieren in der Schweiz befasst, detaillierte Kenntnisse über dessen Vorkommen. Dies vor allem dank regelmässiger, intensiver Monitorings mit Fotofallen. Das Letzte fand im nördlichen Jura von Mitte Februar bis Mitte April 2016 statt und bezog zum ersten Mal auch grössere Teile des Kantons Baselland mit ein. Das Resultat: Im Nordjura gibt es 15 Luchse, wovon deren sechs – je drei Männchen und Weibchen – ihr Revier im Solothurner und Baselbieter Jura haben. Wobei ein Luchsrevier bei einem Männchen durchschnittlich 210, bei einem Weibchen 140 Quadratkilometer umfasst.

Den gesamten Luchsbestand im Jura beziffert von Arx mit 54 bis 62, in den Alpen mit 125 bis 143 Tieren (ohne Jungtiere). Luchse, deren Hauptbeute Rehe und Gemsen sind, haben im letzten Jahr 39 Nutztiere (Schafe, Ziegen) gerissen. Die Schweizer Wölfe, die vor allem Hirsche und Wildschweine fressen, wirken da in einer höheren Liga: Sie haben 2016 nachgewiesene 389 Nutztiere getötet.

Beachtenswert dabei: Das grösste Schweizer Wolfsrudel am Calanda vergriff sich dank guter Herdenschutzmassnahmen letztes Jahr an keinem einzigen Nutztier. Der Riss von Nutztieren gehört laut von Arx zusammen mit der Konkurrenzierung der Jäger und – vor allem beim Wolf – den Ängsten in der Bevölkerung zu den drei grossen Konfliktfeldern Mensch-Luchs respektive Wolf. Und sie ergänzte: «Am schwierigsten ist der Umgang mit den Ängsten, die von früheren Darstellungen in Märchen und auf Bildern stammen.» Die beiden andern Konfliktfelder lassen sich pekuniär entschärfen.