Baselbiet
Staatsangestellte machen ordentlich Radau vor dem Regierungsgebäude

Demonstranten kritisieren mit Trillerpfeife und Transparenten das Sparpaket der Regierung. An die 2 000 Lehrer, Polizisten und andere Staatsangestellte versammelten sich zum Protest gegen die geplanten Lohnkürzungen und den Stellenabbau.

Sebastian Schanzer
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«Noch nie gab es so geballten Protest vor dem Regierungsgebäude in Liestal», freut sich der Regionalsekretär des VPOD Matthias Scheurer, der die Veranstaltung moderierte.

«Noch nie gab es so geballten Protest vor dem Regierungsgebäude in Liestal», freut sich der Regionalsekretär des VPOD Matthias Scheurer, der die Veranstaltung moderierte.

Nicole Nars-Zimmer

Vor dem Regierungsgebäude in Liestal versammelten sich gestern am späten Nachmittag bis zu 2000 Demonstranten. Sie pfiffen, trällerten und skandierten, was das Zeug hielt. Unter dem Motto «Mit vereinter Energie gegen die Baselbieter Finanzstrategie» protestierte die Menge gegen das Sparpaket der Regierung, das ab 2016 einen Abbau von 400 Stellen und eine Lohnkürzung um ein Prozent beim Baselbieter Staatspersonal vorsieht.

Überall Polizisten

Der Regionalsekretär des VPOD, Matthias Scheurer, moderierte die Veranstaltung und zeigte sich hocherfreut über die Menschenmenge, die zur Demo erschien: «Noch nie gab es so geballten Protest vor dem Regierungsgebäude in Liestal», freute er sich. Von den Adressaten des Protestes war allerdings nicht viel zu sehen. Nach der Landratssitzung dürften diejenigen Landräte, die sich angesprochen fühlten, für einmal den Hinterausgang benutzt haben.

Nicht, dass diese etwas zu befürchten gehabt hätten: Eine überdurchschnittliche Präsenz von Polizisten an der Kundgebung fiel sofort auf. Auf den ersten Blick hätte man gar meinen können, der FC Basel sei zu Gast in Liestal. Überall standen Grüppchen von blauen Uniformierten. Ein Passant war irritiert und fragte seine Begleitung: «Sind das jetzt Demonstranten oder sind die im Dienst?» Tatsächlich waren nur drei Polizisten im Dienst, die anderen waren da, um zu protestieren.

«Bildung wahren, statt sparen»

Sie hörten zum Beispiel Sven Oppliger, dem Präsidenten des Polizeiverbandes zu, der vor einer «deutlich wahrnehmbaren Reduktion der Sicherheit» warnte, sollten die Sparmassnahmen durchgesetzt werden. Zu hören war auch eine leidenschaftliche Rede des Gymnasiasten Maurice Koller vom Petitionskomitee «Bildung wahren, statt sparen!»

Er heizte die Stimmung unter den Demonstranten ordentlich an und liess die Menge Parolen anstimmen. Roger von Wartburg, Präsident des Lehrerinnen- und Lehrervereins Baselland, setzte sich im Namen von Volksschul-, Berufsschul- und Gymnasiallehrern in seiner Rede dagegen zur Wehr, von der Politik als Kostentreiber bezeichnet zu werden. Die Lehrer leisteten viel unbezahlte Arbeit und brächten bei fehlenden Ressourcen sogar ihre eigenen Laptops in die Schule mit.

Immer wieder gab es von den Zuhörern bekräftigende Zwischenrufe und Szenenapplaus. Zum Schluss verabschiedeten die Veranstalter eine Resolution mit der Forderung, auf Lohnkürzungen beim Kantonspersonal zu verzichten. Der Abbau von Personal bedeute Einbussen bei der Qualität der staatlichen Schulen und der öffentlichen Sicherheit. Zudem verdiene eine Sanierung der Kantonsfinanzen «ohne klar bezeichnete Massnahmen auf der Einnahmenseite» den Namen Finanzstrategie nicht. Dazu bräuchte es, so könnte man den Einwand verstehen, eine Steuererhöhung.