Universität
Stadt-Land-Streit um Uni Basel: "Ein politisches Armutszeugnis"

Baselbieter Politiker fordern, dass neue Personen in den Unirat gewählt werden sollen, die den Kanton besser vertreten. Solche Diskussionen schaden der Universität, kontern Basler Bildungspolitiker.

Jonas Hoskyn
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Die Universität Basel droht in eine Abwärtsspirale zu geraten. Juri Junkov

Die Universität Basel droht in eine Abwärtsspirale zu geraten. Juri Junkov

Juri Junkov

Die Forderung nach einem Unirat, der stärker die Interessen des Baselbiets vertreten soll, stösst in der Stadt auf wenig Verständnis. Politiker aus SVP und FDP hatten in den letzten Tagen die Forderung gestellt, dass die Baselbieter Regierung bei den Wahlen für den Unirat diesen Frühling die bisherigen Delegierten durch Personen ersetzen solle, die sich stärker für den Landkanton einsetzen. Wie die bz weiss, ist Gschwind selber unzufrieden mit der Baselbieter Delegation. Immer wieder stehe sie bei Abstimmungen im Unirat alleine auf weiter Flur. Gestern wurden dann Stimmen laut, dass der Präsident des Unirats Ueli Vischer zugunsten eines Baselbieters weichen soll.

«Das ist eine total falsche Einstellung», sagt SVP-Grossrat Oskar Herzig. «Statt nach tragbaren Lösungen für die Zukunft der Universität zu suchen, schafft man nur noch mehr Unruhe und lenkt von den eigentlichen Fragen ab.» Die Mitglieder des Unirats hätten sich bewährt, so Herzig, es gebe keinen Grund, diese zu ersetzten. «Die Universität hat ihre Arbeit gemacht und wie gefordert Sparvorschläge vorgelegt. Dass mann jetzt den Unirat zum Spielball machen will, ist ein politisches Armutszeugnis.»

Ähnlich tönt es bei anderen Basler Bildungspolitikern. «Der Unirat muss im Interesse der Universität handeln und nach Parteibüchlein oder Wohnort der Mitglieder.» Vertreter, die politisch statt sachbezogen argumentieren, könnten viel Schaden anrichten, meint Vischer: «Die Uni soll sich weiterentwickeln können und nicht von Grabenkämpfen gelähmt werden.» Wenn bei der Universität ein Streit entbrennt, ist das ein verheerendes Signal, etwa wenn es um die Akquirierung von Drittmitteln geht.»

Allerdings ist die Baselbieter Regierung unabhängig in der Wahl ihrer Delegierten. «Man kann nur an die Vernunft appellieren und hoffen», sagt Vischer. «Der Unirat muss die Interessen der Uni vertreten, nicht jene der Trägerkantone», sagt auch David Jenny. Der FDP-Grossrat zeigt aber auch ein gewisses Verständnis für die Forderungen nach einem Turnus-System beim Präsidium, betont aber gleichzeitig: «Ueli Vischer hat sich immer in den Dienst der Uni gestellt.»

«Unseriös und sachfremd»

Auch der frühere Baselbieter Bildungsdirektor Urs Wüthrich warnt vor Schnellschüssen. «Die Baselbieter Vertreter im Unirat haben alle einen ausgezeichneten Leistungsausweis.» Die aktuelle Diskussion trage nichts zur Stärkung des Wissenschafts- und Forschungsstandorts bei. Wenig Verständnis hat Wüthrich für das Argument des Baselbieter SVP-Präsidenten Oskar Kämpfer. Dieser hatte den Unirat dafür kritisiert, dass die Forderung nach einem namhaften Fakultätsstandort auf dem Land bisher noch nicht umgesetzt wurde. «Das ist ein unseriöser und sachfremder Vorwurf. Eine Fakultät im Baselbiet ist noch nie am Unirat gescheitert», sagt Wüthrich.

«Ich finde es komisch, wenn ausgerechnet derjenige Kanton, der als letzter seine Fachhochschule baut, jetzt lauthals einen Uni-Standort fordert», sagt der ehemalige SP-Bildungsdirektor mit Blick auf den 300 Millionen Franken teuren FHNW-Neubau beim Muttenzer Bahnhof. Überhaupt seien Aspekte wie die Erschliessung oder mögliche Synergien wichtiger bei der Suche nach dem richtigen Standort als die Postleitzahl, so Wüthrich. «Beim FCB kommt auch niemand auf die Idee, dass er jedes zweite Heimspiel in Gelterkinden durchführen soll, nur weil der Verein viele zahlende Zuschauer aus dem Baselbiet hat.»

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