Birsfelden
Stadtentwicklung: Der grosse Wurf bleibt aus

Das Stadtentwicklungskonzept von Birsfelden schlägt viele kleine Massnahmen vor, allerdings ist im 70 Seiten dicken Bericht der Arbeitsgruppe nirgends mehr die Rede von grössen Würfen.

Michel Ecklin
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Mehr als nur eine Verkehrsschneise: So stellt sich die Arbeitsgruppe die Hauptstrasse in Birsfelden vor.

Mehr als nur eine Verkehrsschneise: So stellt sich die Arbeitsgruppe die Hauptstrasse in Birsfelden vor.

Gemeinde Birsfelden

Was wurde in den letzten Jahrzehnten nicht schon alles geplant, um Birsfelden attraktiver zu machen. Die alte Turnhalle hätte eine Mehrzweckhalle werden sollen, was ebenso abgelehnt wurde wie ein 74-Meter-Hochhaus beim Kraftwerk. Die Gemeindeverwaltung wollte man verschieben und ein Tunnel sollte den Verkehr vom Ortskern fernhalten. Es gab Gesamtkonzepte, eine Potenzialstudie und Workshops mit der Bevölkerung - immer in der Hoffnung, die Gemeinde zu verschönern. Konkrete Ergebnisse gab es kaum. Der letzte Versuch ging 2009 bachab, als eine Testplanung scheiterte.

Ein neuer Anlauf liegt jetzt in Form eines Stadtentwicklungskonzepts (Stek) vor. Von grossen Würfen ist im 70 Seiten dicken Bericht der Arbeitsgruppe nirgends mehr die Rede. Die vielen kleinen Massnahmen kommen eher unspektakulär daher – und vor allem gehen sie kaum in die Details.

Grösster Brocken ist erwartungsgemäss der Zentrumsplatz, der zum attraktiven Durchgang von der Haupt- zur Kirchstrasse werden soll. Angedacht sind Mischnutzungen in Neubauten und eine Tiefgarage, die den Parkplatz ersetzen soll. Wie das genau aussehen soll, dafür verweisen die Autoren auf ein noch einzuleitendes Projektierungsverfahren.

Die Fläche der Hauptstrasse soll neu aufgeteilt werden, damit für mehr als nur Autoverkehr Platz ist. Entlang der Birs sieht das Stek Potenzial für Luxuswohnungen, Ausnahmeregelungen im Zonenplan sollen Verdichtungen erlauben. Viel erhofft man sich rund um die Sternenfeldstrasse, die eine Allee werden soll. Derzeit unternutzte Areale sollen verdichtet werden und so als «Impulsgeber» für die lange ersehnte Entwicklung des Hafens dienen.

Hier findet man eine der konkretesten Forderungen des ganzen Berichts: Das Migros-Produktionsgebäude an der Hafen-/Sternenfeldstrasse soll einem «städtebaulichen Akzent» weichen. Ansonsten bleibt die vorgeschlagene «Grundkonzeption für Nutzungszuordnung» fürs Quartier vage, die Zukunft der Sportanlagen zum Beispiel bleibt ungewiss. An neun «Hotspots», wo die Grundeigentümer sowieso bauen wollen, schlägt das Stek Wettbewerbe vor. Damit soll zum Beispiel an den Ortseinfahrten «auffallende Architektur» stehen.

Bäume könnten wegfallen

Auch einige heikle Punkte spricht das Konzept an, etwa eine Überbauung der Hagnau. Die Gemeinde hatte vor 30 Jahren das Land ausgezont, was zu einem Rechtsstreit mit der Landbesitzerin führte. Im Stek-Bericht ist die Rede von einem «Dialog mit den Grundeigentümern». Ebenfalls für Unmut dürfte die Idee sorgen, Grünraum zwischen den Hochhäusern am Rhein dichter zu nutzen. Wie auch andernorts könnten Bäume wegfallen, die im derzeit geltenden Grünraumkonzept gesichert sind.

Am konkretesten wird das Stek beim Thema öffentlicher Verkehr. Es zeichnet nämlich Varianten auf, wie das 3er-Tram das Sternenfeld- und Hafenquartier bedienen könnte. In welcher Linienführung und in welcher Kombination mit den Buslinien, dafür empfiehlt das Stek eine vertiefte Untersuchung.

Noch bis zum 12. Juni liegt der Bericht öffentlich auf. Nimmt man die Anzahl Leserbriefe im Lokalblatt zum Massstab, ist das Stek derzeit kaum Gesprächsthema in Birsfelden. Der Bericht, den der Gemeinderat schliesslich verabschieden wird, ist zwar behördenverbindlich. Doch er wird nicht die demokratischen Verfahren ausser Kraft setzen können, etwa bei Zonenplanänderungen.

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