Interview
Stadtpräsident Daniel Spinnler: «Liestal soll in die Schweiz ausstrahlen»

Stadtpräsident Daniel Spinnler schwärmt vom kommenden Stadtfest, hofft auf den Zuzug der Uni und glaubt nicht ans Ende des Spitals.

Andreas Hirsbrunner
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«Ich bin nicht nur eine Repräsentationsfigur, ich arbeite beim Stadtfest voll mit.»

«Ich bin nicht nur eine Repräsentationsfigur, ich arbeite beim Stadtfest voll mit.»

Kenneth Nars

Am übernächsten Wochenende geht in Liestal zum ersten Mal seit 30 Jahren wieder ein Stadtfest über die Bühne. Und das im XXL-Format mit über 100 Angeboten und Attraktionen. Erwartet werden um die 40 000 Besucher. OK-Präsident ist Stadtpräsident Daniel Spinnler. Seit seinem Amtsantritt vor eineinhalb Jahren hat ihn die Festvorbereitung stark in Anspruch genommen, entsprechend freut er sich jetzt.

Wie fühlen Sie sich so kurz vor der Meisterprüfung?

Daniel Spinnler: Meisterprüfung? (lacht) Meinen Sie das Stadtfest?

Genau. Ihr erster grosser eigener Akzent, den Sie in der Öffentlichkeit setzen.

Das würde ich so nicht sagen. Ich setzte meine Akzente schon bei der Kampagne zur Ausgleichsinitiative, bei der ich stark involviert war. Ich schaue es auch nicht als Meisterprüfung an, weil es ja eigentlich nicht zum Pflichtenheft eines Stadtpräsidenten gehört, ein solches Fest zu organisieren. Das kam einfach noch obendrauf. Aber es ist schon so, das Stadtfest ist ein riesiges Projekt, das mich seit eineinhalb Jahren stark beansprucht. Denn ich bin nicht nur eine Repräsentationsfigur, sondern arbeite voll mit. Hinter dem Fest steht ein tolles OK aus Leuten, die alle am Karren reissen. Das hat mich auch entlastet.

Im neusten Lokalanzeiger schüren Sie Vorfreude und schreiben, es «so richtig krachen» zu lassen. Kracher sind etwas sehr kurzfristiges. Hat das Fest auch eine nachhaltige Wirkung?

Ja natürlich. Das grosse Highlight ist die Lichtschau vom Freitag- und Samstagabend. Die Idee ist, dass mit einem Fest-Überschuss beispielsweise alle zwei Jahre eine solche Lichtschau mit neuen Akzenten finanziert und die Ausstrahlung von Liestal weiter belebt werden kann. Das ist ja auch die Idee des ganzen Fests – dass Liestal in die Region und restliche Schweiz ausstrahlt. Nachhaltig ist auch das Stadtfestlied, zu dem mein Stadtratskollege Daniel Muri den Text beisteuerte und das wir von Urs Rudin komponieren liessen. Das singen in Zukunft hoffentlich die Liestaler Schüler. Dann gibt es weitere Programmteile, die sich künftig wiederholen sollten. So etwa die abendliche Disco «Liestal tanzt».

Angesagt sind in der Altstadt und unmittelbar darum um die 100 Angebote. Helfen Sie den bz-Lesern: Was dürfen sie sich nicht entgehen lassen?

Die viertelstündige Lichtschau, die insgesamt sechsmal läuft, müssen sie unbedingt gesehen haben. Ich gehe sicher auch auf die Tyrolienne, bei der man wie bei einem Seilpark an einem Stahlseil von der Post über die Allee gleiten kann. Und ich lasse mir als altgedienter Feuerwehrmann die Verkehrsrettungsdemo von Feuerwehr, Sanität und Polizei nicht entgehen.

Sie wollen mit dem Stadtfest die Aufbruchstimmung in Liestal verstärken. Diese hat aber zuletzt Dämpfer erhalten. So gaben die Regierungen von Stadt und Land Liestal einen Korb als Uni-Standort. Ist der Uni-Traum endgültig ausgeträumt?

Im Gegenteil. Mit jeder Meldung, die ich lese, zeigt es sich, dass das Uni-Projekt auf dem Dreispitz nicht ausgegoren ist. Ich meine, wenn die Uni auf die Landschaft kommt, dann gehört sie in die Hauptstadt. Wir haben ein gutes Projekt eingereicht, das auf die Flächen durchgerechnet ist. Beim Dreispitz scheint nicht mal gesichert zu sein, welche Parzelle es denn sein soll. Aber auch sonst gibt es Hoffnung. Im Landrat wird mit einem Vorstoss Druck gemacht, und wir haben einen neuen Baudirektor. Wir wollen mal schauen, wie er sich zur Thematik äussert.

Ein anderer Dämpfer ist, dass Liestal der Verlust des Spitals droht, sollte das KSBL einen Neubau auf grüner Wiese umsetzen.

Ich glaube nicht, dass es so weit kommt. Ich bin jetzt sehr gespannt, die Argumente für einen Neubau im Detail zu erfahren. Aber betriebswirtschaftlich gesehen macht ein neues Spital keinen Sinn. Liestal positioniert sich als Gesundheitszentrum, das Kantonsspital ist ein wichtiger Pfeiler davon.

Böte ein Wegzug des Spitals Liestal denn auch Chancen, weil dadurch ein attraktives Areal frei würde?

Wir sind ja zusammen mit dem Kanton an der Planung des gesamten Gebiets entlang der Rheinstrasse. Wir haben eine Studie gemacht und fahren derzeit die Projektorganisation hoch mit dem Ziel Masterplanung für dieses Liestaler Filetstück. Dabei wollen wir die Durchgrünung erhalten, die Verwaltung konzentrieren und einen Mix aus Dienstleistungen und Wohnen ermöglichen. Aber dieses Gefüge ist so gross, dass wir gar nicht so viele Wohnungen füllen könnten, wenn auch noch das Spitalareal dazukäme.

Unabhängig davon legt Liestal im Wohnbereich massiv zu. In nächster Zeit kommen Hunderte von Neubauwohnungen auf den Markt, vor allem im Heidenloch- und im Hanro-Quartier. Droht Leerstand?

Der Leerwohnbestand liegt bei uns unter dem Schweizer Schnitt. Die aktuellste Zahl vom 1. Juni beträgt für Liestal 1,43 Prozent. Von einem Problem spricht die Immobilienwirtschaft bei einem Leerstand von vier Prozent. Davon sind wir also weit weg. Der Raum Basel ist wirtschaftlich dynamisch unterwegs, und der Pharmabereich ist konjunkturell resistenter als andere Bereiche. Schon allein deshalb gehe ich davon aus, dass in Liestal nicht halbe oder ganze Mehrfamilienhäuser leerstehen werden wie im Mittelland. Zudem hat Liestal viel zu bieten, allem voran die gute Verkehrsanbindung und die vielfältigen Einkaufsmöglichkeiten in einer historischen Altstadt.

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