Stadtpräsidium Liestal
Stadtrat Lukas Ott will auf der Erfolgswelle ins Präsidium

Der grüne Liestaler Stadtrat Lukas Ott ist überzeugt, dass er Präsidentin Regula Gysin ablösen kann. Bei den Stadtratswahlen vom Sonntag erzielte Ott das beste Ergebnis überhaupt – Gysin reagiert gelassen auf die Kampfansage von Ott.

Leif Simonsen
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Lukas Ott möchte neuer Liestaler Stadtpräsident werden.

Lukas Ott möchte neuer Liestaler Stadtpräsident werden.

Martin Töngi

Am 17. Juni wird in Liestal das Stadtpräsidium neu besetzt. Die beiden Kandidaten bringen sich schon jetzt in Position. Herausforderer Lukas Ott (Grüne) stichelt gegen die amtierende, freisinnige Präsidentin: «Wenn man den richtigen Zeitpunkt verpasst abzutreten, geben die Wähler die Antwort an der Urne.»

Er weiss, dass er auf gutem Weg ist, Regula Gysin in Pension zu schicken. Denn bei den Stadtratswahlen vom Sonntag schwang Ott obenauf. Er erreichte mit über 400 Stimmen mehr als Gysin das beste Ergebnis überhaupt. Gysin reagiert gelassen auf die Kampfansage. «Das macht mir kein Bauchweh. Ich bin ja trotz meines Alters keineswegs verbraucht.» Ohnehin sei das mit den Rücktrittsforderungen ein Geschlechterphänomen. «Offenbar ist die Hemmschwelle bei Frauen tiefer: Männern wird der Rücktritt viel seltener nahegelegt.»

Nach insgesamt elf Jahren in der Exekutive und acht Jahren als Stadtpräsidentin will die 69-Jährige dem Stedtli einen «Paradigmenwechsel» ersparen, den sie mit dem Einzug Otts ins Präsidium befürchtet.

Sind Liestaler bereit für Neues?

Der Grüne ist derweil zuversichtlich, dass die Liestaler bereit sind für Neues. Er glaubt, dass drei Gründe für seine Glanzwahl ausschlaggebend waren. Da wäre zum einen der politische Aufschwung der Grünen im Allgemeinen. «Sie nehmen seit den 80er-Jahren kontinuierlich am politischen Betrieb teil und haben mittlerweile gezeigt, dass sie auch in der Exekutive gute und verlässliche Arbeit leisten.»

Zum anderen seien in den letzten Jahren viele junge Familien ins Stedtli gezogen. «Und das sind genau die, die erwarten, dass man sie nicht im Regen stehen lässt», sagt Ott. Sei es bei der Erwerbsarbeit oder bei der Betreuung von Familien. «Sie können sich gerade in diesen Fragen nicht auf den Freisinn verlassen», findet er.

Und schliesslich sei die Majorzwahl eben auch eine Personenwahl. Hier könne man sich nicht hinter einer Liste verstecken. Kurz: Ott glaubt schlicht, dass er momentan beliebter ist als die Stadtpräsidentin. Er rechnet daher damit, nicht weiter an Terrain zu verlieren, «wenn ich weiterhin Vollgas gebe».

Ott verlor vor acht Jahren

Bei Gysin klingt es fast schon nach Zweckoptimismus, wenn sie sagt: «Meine Chancen sind durchaus intakt.» Kommt es im Juni zum Showdown, sei das nicht zu vergleichen mit den Stadtratswahlen. «Als Präsidentin bin ich exponiert. Hier muss man ab und zu auch unbequeme Dinge ansprechen». Die Wahlkampfmaschinerie will sie nach den «enttäuschenden Stadtratswahlen» nicht nochmals anwerfen, um die fehlenden 400 Stimmen wettzumachen. «Nach acht Jahren weiss man, was man an mir hat», ist sie überzeugt.

Für Ott ist nun die Gelegenheit grösser denn je, sich für die verpasste Wahl ins Stadtpräsidium zu revanchieren. Er scheiterte vor acht Jahren an der heutigen Konkurrentin und sagt: «Ich konnte damals sehen, wie schwer es ist, einen Rückstand aufzuholen.» 2004 hatte Gysin bei den Stadtratswahlen in ähnlichem Stil triumphiert wie heuer Ott – mit 200 Stimmen Vorsprung.